Anni Albers

1922–1928 Studierende am Bauhaus /
1928–1929 und 1930–1931 stellvertretende Leiterin Weberei

Bauhaus-Archiv Berlin / © Phyllis Umbehr / Kicken Gallery / VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Porträt Anni Albers / Foto: Umbo (Otto Umbehr), 1929.

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Anni Albers kam 1922 mit 23 Jahren als Anneliese Elsa Frieda Fleischmann an das Weimarer Bauhaus. Dort wollte sie ihre 1919 an der Hamburger Kunstgewerbeschule begonnene künstlerische Ausbildung vollenden und bildende Künstlerin werden. Nach dem einjährigen Vorkurs begann sie 1923 eine Ausbildung in der Werkstatt der Weberei. Hier entwickelte die junge Frau aus gutbürgerlichem Berliner Haus verschiedenartige Stoffe und kreierte phantasievolle Unikate. Vielleicht auch, weil sie im strengen Raster des Webstuhls den Halt fand, der ihr bei der freien Malerei fehlte – und im frühen Bauhaus mit seinem „großen Durcheinander“ und dem „großen Suchen von allen Seiten“ allemal (Anni Albers im Interview, 1968, Archives of American Art, Smithsonian Institution).

Mit ihren Entwürfen für die industrielle Massenherstellung und dem Weben von künstlerischen Unikaten bewies Anni Albers ihr handwerkliches Können am Webstuhl und ihre Fertigkeit bei der Herstellung von Textilien. 1930 schloss sie ihr Bauhausdiplom mit einem schalldämpfenden und lichtreflektierenden Vorhang aus Baumwolle und Zellophan ab, der in der Aula von Hannes Meyers Bundesschule in Bernau zum Einsatz kam. Als Gunta Stölzl 1931 in Folge des Webereiaufstandes das Bauhaus verlies, übernahm sie die Leitung der Werkstatt und wurde eine der wenigen weiblichen Werkstattleiter.

Am Bauhaus lernte Anni Fleischmann auch ihren späteren Lebenspartner kennen und lieben. 1925 heirateten beide, und aus der rebellischen jungen Frau wurde Anni Albers, die Frau des Bauhausmeisters Josef Albers. Künstlerisch vereinte die beiden vor allem eins: eine lebenslange Beschäftigung mit der Abstraktion. Ein anderer Bauhausmeister, Paul Klee, hatte in Anni Albers das Interesse an der Abstraktion geweckt – weniger mit seinem Unterricht, als vielmehr „durch das Betrachten davon, was er mit einer Linie oder einem Punkt oder einem Pinselstrich machte und ich versuchte in gewisser Weise, meinen Weg durch mein eigenes Material und meine eigenes Handwerksfach zu finden“ (Anni Albers im Interview, 1968, Archives of American Art, Smithsonian Institution). Gemeinsam zog das Ehepaar Albers 1928 in ein Gebäude der Meisterhaussiedlung. Als das Dessauer Bauhaus 1932 geschlossen wurde, gingen die Albers mit nach Berlin.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im darauffolgenden Jahr emigrierte das Ehepaar Albers in die USA. Josef Albers war als Lehrer an das berühmte Black Mountain College berufen worden, und Anni begann neben ihren Web- und Schreibarbeiten ab 1939 ebenfalls dort zu lehren. 1949 verließen die Albers das Black Mountain College und zogen nach Connecticut. Anni Albers beschäftigte sich weiterhin mit Textilgestaltung, Weben, Schreiben und später auch mit Zeichnen. Eine wichtige Inspirationsquelle ihrer vielfältigen künstlerischen Arbeit waren die zahlreichen Reisen nach Mexiko und Südamerika, die sie gemeinsam mit ihrem Mann in den Dreißiger- bis Siebzigerjahren unternahm. Hier, in den Ursprungsländern der Abstraktion, studierte Anni Albers traditionelle Webmuster und -techniken. 1965 veröffentlichte sie ihre gesammelte theoretische und praktische Auseinandersetzung mit der Webkunst und deren Geschichte und Bedeutung in dem Grundlagenwerk „On Weaving“.

Bis zu ihrem Tod im Jahr 1994 beschäftigte sich Anni Albers mit Textildesign und Drucktechniken. Sie war die erste Textilkünstlerin, der das New Yorker Museum of Modern Art (1949) eine Einzelausstellung widmete, der eine Reihe weiterer Ausstellungen folgten. Anni Albers erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen und einen Ehrendoktortitel.

[AG 2015]

  1. Literatur:
  2. Danilowitz, Brenda (2013): Das Strenge und das Andere, in: Stiftung Bauhaus Dessau (2013), Bauhaus Magazin 5.
  3. Müller, Ulrike (2009): Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design, Munich.
  4. Rochner, Renate (2016): Anni Albers, http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/anni-albers/ (06.06.2016).
  5. Schell, Maximilian (1989): Anni und Josef Albers. Eine Retrospektive, Munich.
  6. The Josef and Anni Albers Foundation: Biographies, http://albersfoundation.org/artists/biographies/ (06.06.2016).
  7. Weber, Nicholas Fox & Pandora Tabatabai Asbaghi (1999): Anni Albers. Retrospektive zum 100. Geburtstag, New York.
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