Fritz Kuhr

1923–1930 Studierender am Bauhaus /
1929–1930 Lehrender am Bauhaus

Bauhaus-Archiv Berlin
Porträt Fritz Kuhr / Foto: unbekannt, 1920er-Jahre, Reproduktion 1960er-Jahre.

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Am 10. Mai 1899 wurde Fritz Kuhr in Lüttich (Belgien) geboren. Als Kuhr 1923 die große Bauhaus-Ausstellung in Weimar besuchte, beschloss er sich als Student der Malereiwerkstatt am Bauhaus einzuschreiben. Hier begegnete er Paul Klee, dessen Schüler Kuhr bis 1930 war. Der Kontakt zu Klee, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy am Bauhaus beeinflusste ihn, nach eigener Aussage, positiv in seiner künstlerischen Laufbahn. Ab 1926 – nachdem das Bauhaus nach Dessau übergesiedelt war – fungierte Kuhr zwei Jahre lang als Vertreter der Studentenschaft im Meisterrat des Bauhauses. 1927 absolvierte der Bauhäusler die Gehilfenprüfung als Wandmaler vor der Handwerkskammer in Dessau. Als Mitarbeiter des Werkstattleiters Hinnerk Scheper arbeitete Kuhr 1928–1929 in der Wandmalerei des Bauhauses. 1929–1930 unterrichtete Kuhr dann selbst gegenständliches Zeichnen sowie Akt- und Portrait- bzw. Figurmalerei im 3. und 4. Semester am Bauhaus. Auf der Ausstellung „Film und Foto“ des Deutschen Werkbundes in Stuttgart, an der viele am Bauhaus lebende Künstler und ehemalige Bauhäusler teilnahmen, war Kuhr mit sechs Fotoarbeiten vertreten. Als die Nazis 1930 in Dessau an die Macht kamen, entschloss sich Kuhr das Bauhaus zu verlassen und nach Berlin überzusiedeln.

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Im selben Jahr nahm Kuhr mit acht Werken an der Ausstellung „Vision und Formgesetz“ teil und wurde ab Ende des Jahres international durch die Galerie Ferdinand Möller in Berlin vertreten, die Kuhr an internationale Ausstellungen vermittelte und dem Maler jährlich eine Einzelausstellung in den eigenen Räumen widmete. 1934 diffamierte die NSDAP Kuhr wegen seines Namens als Juden; ab diesem Zeitpunkt hielt er sich fern von öffentlichen Auftritten. Im Privaten aber fertigte er sorgsam Naturstudien an, um Schwächen seiner künstlerischen Entwicklung auszugleichen. 1936 lernte Kuhr den Munch- und Kirchnersammler Arnold Budczies kennen, der bis zu seinem Tod 1943 Kuhrs materielle Existenz sicherte – mehr als 100 grafische Arbeiten und zehn Gemälde erwarb der Mäzen von Kuhr während dieses Zeitraums.

Nachlass Fritz Kuhr / © Hermann Famulla, Nachlass Fritz Kuhr
Satte blaue Schlange, Autor: Fritz Kuhr, 1929.

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1933 bis 1944 arbeitete Kuhr als Dekorationsmaler bei der Firma Gustav Neuhaus und wurde primär für dekorative Restaurierungsarbeiten in Berliner Museen eingesetzt. 1943 und 1944 wurde Kuhrs gesamtes künstlerisches Werk zweimal ausgebombt. Der Maler wurde zum Kriegsdienst eingezogen und geriet anschließend in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Ab 1946 lebte Kuhr dann als vogelfreier Maler in Berlin; er hatte weder Licht noch Malmaterialien. Durch die gegenseitige Unterstützung mit anderen mittellosen Malerkollegen gelang trotzdem ein Neuanfang. Zu dieser Zeit arbeitete Kuhr außerdem als Typograf für das Satireblatt „Eulenspiegel“. 1947 stellte die Galerie Franz in Berlin Kuhrs Werke in einer Einzelschau aus. Ein Jahr darauf wurde der einstige Bauhäusler zum Hochschullehrer an die h.f.b.k. berlin berufen, wo er sich der Ausbildung angehender Kunsterzieher widmete. Bis 1971 beteiligte sich Kuhr jedes Jahr an zahlreichen Ausstellungen in Berlin und der Bundesrepublik, u.a. an der Wanderausstellung der Berliner Neuen Gruppe durch die USA. Fritz Kuhr starb am 25. Februar 1975 in Berlin.

[AG 2015]

  1. Literatur:
  2. Famulla, Ute (2009): Fritz Kuhr. Ein Überblick bis 1955, in: Galerie Nord (Hg.): Fritz Kuhr – Arbeiten auf Papier, Halle an der Saale, S. 4–7.
  3. Kuhr, Fritz (1993): Bauhauserinnerungen. Meine Meister, Frankfurt am Main.
  4. Kuhr, Fritz: Autobiografischer Lebenslauf, Nachlass Fritz Kuhr, Hermann Famulla, Berlin.
  5. Tempelhofer Kunst- und Kulturverein e.V. Arbeitskreis „Fritz Kuhr“ und Galerie Artificia (1997): Fritz Kuhr – Vom Bauhaus nach Berlin Tempelhof, Berlin.
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