Joost Schmidt

1919–1925 Studierender am Bauhaus /
1925–1932 Jungmeister am Bauhaus

Bauhaus-Archiv Berlin / unbekannt
Porträt Joost Schmidt / Foto: unbekannt, 1930.

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1910 begann Joost Schmidt sein Studium an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar. Er wurde Meisterschüler von Max Thedy. Im Wintersemester 1913–1914 bestand er sein Diplom im Fach Malerei. Nach Kriegsdienst und -gefangenschaft kehrte er 1918 nach Deutschland zurück.

Schmidt begann ein weiteres Studium am Staatlichen Bauhaus Weimar. Von 1919 bis 1924–1925 lernte er in der Werkstatt für Stein- und Holzbildhauerei bei Johannes Itten und Oskar Schlemmer. 1921–1922 entstanden u. a. ein Entwurf und die Ausführung der Schnitzereien im Haus Sommerfeld in Berlin und der Entwurf eines Plakates für die Bauhaus-Ausstellung 1923 in Weimar. Für dieses Ereignis entwickelte er auch ein pantomimisches Theaterstück, das im Stadttheater Jena aufgeführt wurde. Sein Engagement im Theaterfach führte ihn 1925 zum Entwurf einer mechanischen Bühne. Nach einem Vorvertrag 1925 mit Otto Bartning, dem Direktor der Staatlichen Bauhochschule Weimar, der ihn als Leiter einer Plastischen Werkstatt und der Typografischen Abteilung vorsah, nahm er stattdessen das Angebot von Walter Gropius an und wurde 1925 Jungmeister am Bauhaus in Dessau, nachdem er zuvor seine Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer Weimar abgelegt hatte.

Bauhaus-Archiv Berlin / gemeinfrei / abgelaufen 2018
Plakat zur Bauhaus-Ausstellung in Weimar 1923, Entwurf: Joost Schmidt.

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Im selben Jahr heiratete Schmidt die Bauhaus-Schülerin Helene Nonné. Am Bauhaus Dessau war er von 1925 bis 1932 Lehrer für Schrift im Vorkurs, Leiter der Plastischen Werkstatt (1928 bis 1930) und Leiter der Werkstatt für Reklame, Typografie und Druckerei mit angegliederter Fotografieabteilung (1928 bis 1932). Von 1929 bis 1930 war er zusätzlich Lehrer für Aktzeichnen, ab 1930 für Akt- und Figurenzeichnen für höhere Semester. Außerdem war Schmidt für die technische Einrichtung der Studiobühne verantwortlich. Am Bauhaus Berlin war er nicht tätig.

Bauhaus-Archiv Berlin / gemeinfrei / abgelaufen 2018
Werbebroschüre "der bauhaustapete gehört die zukunft", Entwurf: Joost Schmidt, 1931.

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1934 gestaltete Joost Schmidt gemeinsam mit Walter Gropius die Abteilung der „Nichteisenmetalle“ der Propagandaschau „Deutsches Volk – Deutsche Arbeit“. In Berlin eröffnete er im selben Jahr ein eigenes Atelier. Zudem arbeitete er als Landkartenzeichner. 1935 wurde Schmidt Lehrer an der Privatschule Kunst und Werk, die unter der Leitung von Hugo Häring aus der ehemaligen Reimann-Schule hervorging. Ihm wurde jedoch nach kurzer Zeit aufgrund seiner zurückliegenden Zugehörigkeit zum Bauhaus Berufsverbot erteilt. Danach war er typografisch u. a. für den Alfred Metzner Verlag tätig. Nach Kriegsende berief ihn Max Taut als Professor an die Hochschule für bildende Künste in Berlin, wo er den Vorkurs für Architekten übernahm. 1946 gestaltete er zusammen mit anderen Bauhäuslern die Ausstellung „Berlin plant/Erster Bericht“, die erste Ausstellung im Berliner Stadtschloss zum Wiederaufbau der Stadt. Vor seinem Tod 1948 plante er noch eine Bauhaus-Ausstellung und die Herausgabe eines Bauhaus-Buches.

 

Stiftung Bauhaus Dessau / gemeinfrei / abgelaufen 2018
"Dessau" (Auf dem Boden alter Kultur – lebendiges Schaffen der Gegenwart). Prospekt für das Verkehrsbüro der Stadt Dessau, Hrsg.: Gemeinnütziger Verein Dessau e.V., Abt. Verkehrsbüro, Entwurf: Joost Schmidt, 1931.
  1. Literatur:
  2. Brüning, Ute (1995): Das A und O des Bauhauses. Bauhauswerbung: Schriftbilder, Drucksachen, Ausstellungsdesign, Leipzig.
  3. Nerdinger, Winfried (1993): Bauhaus-Moderne im Nationalsozialismus, München. Schöbe, Lutz (2005): Joost Schmidt. Die sieben Chakras, in: Das Bauhaus und die Esoterik, Bielefeld.
  4. Wick, Rainer K. (2000): Bauhaus: Kunstschule der Moderne, Ostfildern-Ruit.
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