Paul Klee

1920–1931 Meister am Bauhaus

Bauhaus-Archiv Berlin / Hugo Erfurth: gemeinfrei / abgelaufen 2018
Porträt Paul Klee / Foto: Hugo Erfurth, 1927.

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Zwischen 1899 und 1906 studierte Paul Klee in München an der Privatschule von Heinrich Knirr und danach an der Kunstakademie bei Franz von Stuck. 1910 fand in der Schweiz erstmals eine Einzelausstellung von Klee statt. In den folgenden Jahren baute er Kontakte zu den Künstlern Alfred Kubin und Wassily Kandinsky auf. In dieser Zeit nahm er auch an der zweiten Ausstellung des Blauen Reiters teil. 1912 reiste er nach Paris und lernte Künstler der französischen Avantgarde wie Robert Delaunay und Henri Le Fauconnier kennen. 1913 stellte Herwarth Waldens Galerie Der Sturm in Berlin Werke von Klee aus. Außerdem war er mit Werken im Ersten Deutschen Herbstsalon in Berlin vertreten. 1914 unternahm er zusammen mit August Macke und Louis Moilliet eine Reise nach Tunis und Kairouan. Im selben Jahr wird er Mitbegründer der Neuen Münchener Sezession. 1919 nahm ihn der Münchener Galerist Hans Goltz unter Vertrag. Ebenfalls 1919 wurde Klee Mitglied im Rat bildender Künstler Münchens und im Aktionsausschuss Revolutionärer Künstler in München. 1920 folgte in der Galerie Goltz die erste große Einzelausstellung mit über 362 Werken von Klee.

Zentrum Paul Klee, Bern / © gemeinfrei
Architektur m. d. Fenster, Autor: Paul Klee, 1919.

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Walter Gropius berief Klee im Dezember 1920 an das Staatliche Bauhaus in Weimar.  Nach einer dreimonatigen Einarbeitungszeit nahm Klee am 13. Mai 1921 vorerst mit einem vierzehntägig stattfindenden „Compositionsprakticum“ seine Lehrtätigkeit auf. Das erste reguläre Semester, in dem er sich eingehender mit theoretischen Fragen beschäftigte, begann im November 1921. Ergänzend zur praktischen Werklehre unterrichtete er den theoretischen Kurs in Formlehre, der neben dem Vorkurs obligatorischer Bestandteil der Grundlehre (oder auch Vorlehre genannt) war.  Seine datierten und ausformulierten Vorlesungen hielt er in einem Buch mit dem Titel „Beiträge zur bildnerischen Formlehre“ fest. Ab Herbst 1923 wurde sein Unterricht in den Stundenplänen als „Gestaltungslehre Form“ bezeichnet. Diese Vorlesungsmanuskripte sind im Konvolut seiner Unterrichtsnotizen im Kapitel I.2 Principielle Ordnung und II. 21 Mechanik abgelegt. Neben dem theoretischen Formkurs erteilte Klee auch Zeichenunterricht und leitete zwischen 1923 und 1929 während einiger Semester zusätzlich den Abendakt.  1921 wurde er zum Leiter der Buchbinderwerkstatt, 1922 zum Leiter der Metallwerkstatt und von 1922/23 bis 1925 zum Leiter der Glasmalereiwerkstatt. 1924 wurde in New York eine erste Ausstellung zu Klee organisiert. Im selben Jahr war er zusammen mit den Künstlern Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger Mitbegründer der Gruppe „Die Blauen Vier”. Ein Jahr später organisierte die Pariser Galerie Vavin-Raspail erstmals in Frankreich eine Ausstellung mit Werken von Klee. 1925 erschien Klees „Pädagogisches Skizzenbuch” als zweiter Band der im Bauhausverlag herausgegebenen Reihe Bauhausbücher.

Ab dem Wintersemester 1925/26 bis 1930 hielt Klee seinen Kurs in Gestaltungslehre ab, Vorlesung und Übung sich abwechselnd. Ab dem Sommersemester 1927 bis 1930 bot er einen zusätzlichen Kurs an, den er als „Gestaltungslehre Weberei“ bezeichnete. Der Weberei-Unterricht war besonders auf die planimetrische Gestaltung der Fläche ausgerichtet, was im Konvolut seiner Unterrichtsnotizen mit dem Titel „Bildnerische Gestaltungslehre“ den größten Teil  ausmacht. Von 1927 bis 1929 ist in Klees Taschenkalender außerdem Unterricht in Formlehre für die Studierenden des 4. Semesters überliefert.  Zusammen mit dem Kurs in Aktzeichnen, den er in den Wintersemestern 1927/28 und 1929/30 ebenfalls leitete, und der freien Malklasse ab 1927/28 stellten diese drei Jahre eine große Belastung für Klee dar. Diese führte dazu, dass Klee zum 1.4.1931 seine Kündigung einreichte.

Bauhaus-Archiv Berlin / © gemeinfrei
Die Heilige vom innern Licht, Autor: Paul Klee, 1921.

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Nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus 1931 erhielt er bis 1933 eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihm fristlos gekündigt. Noch im selben Jahr kehrte er in die Schweiz zurück. Das NS-Regime erklärte Klees Werke als entartet. 1937 veranstaltete die Berner Kunsthalle eine Retrospektive zu seinem Œuvre. Klee starb 1940 nach langer Krankheit in Muralto bei Locarno.

 

Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Paul Klee in seinem Atelier im Meisterhaus, Dessau, Foto: Lucia Moholy, 1927.
  1. Literatur: www.kleegestaltungslehre.zpk.org - sämtliche Unterrichtsnotizen von Paul Klee als Faksimilie und Transkriptionen, sowie mit Kommentaren zu jedem Kapitel
  2. Gerlach-Laxner, Uta & Ellen Schwinzer (2009): Lyonel Feininger – Paul Klee. Malerfreunde am Bauhaus, Ausstellungskatalog, Gustav-Lübcke-Museum Hamm, Museum im Kulturspeicher Würzburg, Bramsche.
  3. Herzogenrath, Wulf (2003): Paul Klee – Lehrer am Bauhaus, Bremen.
  4. Hopfengart, Christine (2010): Klee trifft Picasso, Zentrum Paul Klee Bern, Ostfildern.
  5. Scholz, Dieter (2008): Das Universum Klee, Ostfildern.
  6. Wagner, Christoph (2005): Das Bauhaus und die Esoterik. Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Bielefeld.
  7. Eggelhöfer, Fabienne und Keller, Marianne (2012): Meister Klee! Lehrer am Bauhaus, Ausstellungskatalog, Zentrum Paul Klee, Bern
  8. Hopfengart, Christine und Baumgartner, Michael (2012): Paul Klee. Leben und Werk, mit Texten von Fabienne Eggelhöfer, Osamu Okuda, Myriam Weber, Eva Wiederkehr Sladeczek und Patrizia Zeppetella, Ostfildern.
  9. Hopfengart, Christine (2015):Klee & Kandinsky. Nachbarn Freunde Konkurrenten, Ausstellungskatalog, Zentrum Paul Klee, Bern; Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München
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