Ise Gropius

1923–1928 Initiatorin der „Freunde des Bauhauses“ und Lektorin

Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Porträt Ise Gropius, "kopfbild" / Foto: Lucia Moholy, 1924.

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Ise Gropius (geb. Frank) wurde am 1. März 1897 in Wiesbaden geboren. Bis 1921 wohnte sie in Hannover, danach für zwei Jahre in München, wo sie im Buchhandel arbeitete. Nach ihrer Rückkehr nach Hannover 1923 lernte sie hier während einer seine Vorträge den damaligen Direktor des Staatlichen Bauhauses in Weimar und ihren späteren Ehemann, Walter Gropius, kennen. 

Kurz vor Beginn der ersten Bauhausaustellung in Weimar erreicht Ise Gropius Weimar und „... verschwand für alle, die [sie] je vorher gekannt hatten, hinter dieser Tür in eine neue Welt, die nirgends ihresgleichen hatte aber [ihr] die Chance gab, [ihre] eigene Persönlichkeit in ihrem Rahmen zu entwickeln.“ Am 16. Oktober desselben Jahres heiraten Ise und Walter Gropius in Weimar; Wassily Kandinsky und Paul Klee sind ihre Trauzeugen.

Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Selbstportrait vor dem Toilettenspiegel im Dessauer Meisterhaus / Foto: Ise Gropius, um 1926–1927.

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Schon bald nennt Walter Gropius seine Frau liebevoll „Frau Bauhaus“. Ise Gropius verzichtet auf einen eigenständigen Beruf und tritt in den Dienst des Bauhauses: als Sekretärin, Lektorin, Organisatorin und für Gropius als „Partner von gleichem Rang“. In einem Interview 1986 stellt sie fest: „Die Bauhaus-Idee wurde zu meinem zweiten Ich. Wenn man einmal davon infiziert war, hatte es Auswirkung auf jeden Aspekt des Lebens.“

Neben organisatorischen Aufgaben bringt sich Ise Gropius teilweise auch gestalterisch mit ein. So entwirft sie unter architektonischen Korrekturen ihres Mannes das Dessauer Meisterhaus und Gegenstände für die Küche, „da es moderne Küchen in Deutschland noch nicht gab. Es existierte fast nichts auf dem normalen Markt was nicht nur unsere modernen technischen, sondern auch unsere ästhetischen Ansprüche befriedigt hätte.“ Erst nach Fertigstellung der Dessauer Häuser entwirft Margarete Schütte-Lihotzky 1926 die revolutionäre Frankfurter Küche.

Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
"Im Stahlgewirr eines Ozeandampfers" / Foto: Ise Gropius, 1928.

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Ihr gezielt moderner Blick zeigt sich auch in erhaltenen Fotografien von Ise Gropius. Eine Vielzahl der Fotos sind heute nicht mehr eindeutig ihr oder ihrem Mann zuzuordnen, da sie auf gemeinsamen Reisen entstanden und von ihnen dahingehend nicht beschriftet wurden. Nur die Selbstbildnisse sind eindeutig aus ihrer Hand.

Ihre eigentliche Aufgabe am Bauhaus und später in Berlin, England und Amerika ist aber schriftstellerischer Natur. Walter Gropius ist von ihren literarischen Ambitionen und Fähigkeiten sehr angetan. Neben dem für ihn lästigen Briefeschreiben übernimmt sie schon früh die Formulierung seiner Artikel und Vorträge. Auf Basis gemeinsam entworfener Rohtexte versendet Ise Gropius die Texte „immer neu auffrisiert“ für die „artikelfabrik“, wie sie es in ihrem Tagebuch nennt.

Auch nach ihrer Zeit am Bauhaus wird sie diese Aufgabe für Walter Gropius in Berlin, England und Amerika erfüllen. In Berlin genügt endlich der Freiraum, um eine eigene Karriere als Autorin aufzubauen. Inspiriert von Reisen und eigenen Interessen schreibt Ise Gropius eine Vielzahl von Beiträgen, die sie an Verlage verkauft. Dazu gehören unter anderem „Weltreise am Grammofon“ (DAZ, Ende 1934), „Engländer zu hause“ (Beyers für alle, 1933–1934), „Die Gebrauchswohnung“ (K. Thiemanns Verlag, Okt. 1929), „Hausfrau, Dackel und andere Weltbürger“ (DAZ, 17.4.34) oder „Wie sieht die New Yorkerin aus?“ (Die Dame, Nov. 1928).

Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Ascona / Foto: Ise Gropius, 1930.

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Nach ihrer Emigration erst nach London (1934 bis 1937) und schließlich nach Amerika, nimmt hier kurzer Erfolg ein jähes Ende. Nachdem sie den Artikel „Grandma was a Career Girl“ dem „Atlantic Monthly“ anbietet, bekommt sie eine prompte Absage mit der Begründung, man wolle die „fürchterliche Vorstellung“ arbeitender Frauen, die Ise Gropius in ihrem Beitrag bespricht und letztlich als Autorin dieses Ideal auch selbst vertritt, nicht unterstützen oder gar begünstigen. Sie beschließt es dabei zu belassen und wird sich von nun an auf das Lektorat von Walter Gropius’ Texten konzentrieren – Beiträge unter seinem Namen verkaufen sich problemlos. Als Trostpflaster widmet Gropius ihr seine Bücher.

Erst im Katalog „Bauhaus 1919–1928“ von 1938, der begleitend zur Bauhaus-Ausstellung im Museum of Modern Art erscheint, wird Ise Gropius als Autorin und Herausgeberin gemeinsam mit Walter Gropius und Herbert Bayer genannt und erzielt so eine öffentliche Anerkennung für ihre Arbeit. Zeitlebens wird Ise Gropius als „Frau eines großen Mannes“ wahrgenommen. Doch wurde sein Lebenswerk – auch nach seinem Tod – nicht unwesentlich von der Frau im Hintergrund vorangetrieben. Ise Gropius starb am 9. Juni 1983 im Ater von 86 Jahren im Fairlawn Nursing Home in Lexington, Mass.

[AG 2015]

Bauhaus-Archiv Berlin / © Anne Meitner
Porträt Ise Gropius, London / Foto: Lotte Meitner-Graf, 1956.
  1. Literatur:
  2. Breuer, Gerda & Annemarie Jaeggi (2008): Walter Gropius Amerikareise 1928 / Walter Gropius American Journey 1928, Wuppertal.
  3. Gropius, Ise: Bauhaus-Tagebuch 1923–1928, unveröffentlichtes Typoskript, Nachlass Gropius, Bauhaus-Archiv Berlin.
  4. Isaacs, Reginald (1984): Walter Gropius. Der Mensch und sein Werk, Bd. 2, Berlin.
  5. Gropius, Ise (1986): Small But Perfect Things: A remembrance by Ise Gropius, Boston.
  6. Gropius Johansen, Ati (1980): Interview mit Ise Gropius, Tonbandaufnahme, Bauhaus-Archiv Berlin.
  7. Wingler, Hans-Maria: Interview mit Ise Gropius, Tonbandaufnahme, Bauhaus-Archiv Berlin.
  8. Valdivieso, Mercedes (2008): Frau Bauhaus. Ise Gropius and her role in the Bauhaus, in: Fujita, Haruhiko (Hg.): Another Name for Design. Words for Creation. Proceedings of the 6th International Conference on Design History and Design Studies, Osaka: Osaka University Communication-Design Center, S. 422–425.
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