Andreas Feininger

1924–1925 Studierender am Bauhaus

Bauhaus-Archiv Berlin / © Andreas Feininger Archive c/o Getty Images / Estate of T. Lux Feininger
Doppel-Selbstporträt auf der Terrasse des Meisterhauses in Dessau (links: T. Lux Feininger, rechts: Andreas Feininger), Foto: Andreas Feininger, um 1928.

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Andreas Feininger war ein deutsch-amerikanischer Fotograf, der mit seinen Fotoreportagen für das „Life“-Magazin und über 50 Fotolehrbüchern und Bildbänden bekannt geworden ist. Seine Arbeiten zählen weltweit zu Klassikern der Fotografiegeschichte.

Andreas Bernhard Lyonel Feininger wurde am 27. Dezember 1906 als erstes Kind von Lyonel und Julia Feininger in Paris geboren. 1908 zog die Familie nach Berlin und 1919, als Lyonel Feininger von Walter Gropius als Formmeister der Druckerei an das Staatliche Bauhaus  berufen wurde, nach Weimar. Mit 16 Jahren brach Andreas das Gymnasium ab und entschied sich für eine Ausbildung am Bauhaus. „Eigentlich wollte er Naturwissenschaftler werden, aber ohne Abiturzeugnis schrieb er sich, etwas orientierungslos und notgedrungen, als Kunsttischler-Student am Bauhaus ein.“ [1]

Nach seinem Gesellenabschluss im April 1925 begann er ein Architekturstudium, für das er sich an der Bauschule Weimar (die Nachfolgeinstitution des Weimarer Bauhauses) und später in Zerbst einschrieb. Mit seinen Eltern und Brüdern übersiedelte Andreas Feininger 1926 nach Dessau, wo das Bauhaus bereits seinen Lehrbetrieb aufgenommen hatte. Neben dem Studium begann er, sich für Fotografie zu interessieren, richtete 1927 im Keller des Wohnhauses eine Dunkelkammer ein und führte erste Fotoexperimente durch. Feininger entdeckte verschiedene Belichtungs- und Entwicklungseffekte wie die Solarisation, das Runzelkorn oder Basrelief, nahm Impulse von László Moholy-Nagy auf und regte seinen jüngeren Bruder T. Lux zur Fotografie an, der seinerseits das Leben am Bauhaus mit der Kamera dokumentierte. 1929 war Andreas mit sechs Fotografien auf der Ausstellung Film und Foto (FiFo) in Stuttgart vertreten. In diesem Jahr schloss Andreas Feininger sein Architekturstudium in Zerbst ab und arbeitete kurzzeitig in einem Architekturbüro in Dessau.

1930 zog Feininger nach Hamburg, wo er eine Anstellung als Zeichner in einem Architekturbüro fand, die Stelle aber aufgrund der angespannten Wirtschaftslage bald wieder verlor. Auf Empfehlung von Walter Gropius nahm Le Corbusier ihn 1931 in seinem Pariser Architekturbüro auf. Als Ausländer – Feininger war amerikanischer Staatsbürger – wurde ihm jedoch bald die Arbeitserlaubnis entzogen. Im Juli 1933 ging er nach Stockholm und heiratete wenig später die Schwedin Gertrud („Wysse“) Hägg. Beide hatten sich am Bauhaus in Dessau kennen gelernt, wo Wysse Grafikdesign studiert hatte. Auch in Stockholm gelang es Feininger nicht, als Architekt Fuß zu fassen, stattdessen erregte er mit seinen Fotografien Aufmerksamkeit und erhielt Aufträge als Architekturfotograf. 1934 veröffentlichte er sein erstes Fotobuch „Menschen vor der Kamera“. Feininger entwickelte einen klaren, geometrisch-skulpturalen Stil und tat sich mit Erfindungen zur Verbesserung der Aufnahmequalität hervor. Ein von ihm entwickeltes Vergrößerungsgerät wurde von der deutschen Firma Liesegang in Serie produziert.

Unter dem Druck von Krieg und Totalitarismus verlor der Ausländer Feininger auch in Schweden seine Arbeitserlaubnis als Fotograf. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und dem 1935 geborenen Sohn Tomas wanderte er in die USA aus, wo er in New York seine ebenfalls emigrierte Familie wiedertraf. Schnell fand er Arbeit als freier Bildreporter einer Fotoagentur und wechselte schließlich zum „Life“-Magazin, bei dem er 1943 als fester Mitarbeiter eingestellt wurde und bis 1961 blieb. In dieser Zeit veröffentlichte Feininger über 400 Bildreportagen. Ab 1957 arbeitete er vermehrt an Bildbänden und Fotografielehrbüchern. 1988 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben zurück. Am 18. Februar 1999 starb Andreas Feininger in New York.

  1. Literatur:
  2. [1] Buchsteiner, Thomas & Ursula Zeller (2010): Andreas Feininger. Ein Fotografenleben 1906–1999. Ostfildern, S. 19.
  3. Buchsteiner, Thomas & Otto Letze (2004): Andreas Feininger. That's Photography, Ostfildern.
  4. Feininger, Andreas (1961): Die hohe Schule der Fotografie, Düsseldorf/Wien.
  5. Feininger, Andreas (1995): New York in the Forties, Neuauflage, Weingarten.
  6. Feininger, Andreas (2001): Andreas Feiningers Große Fotolehre, Neuauflage, München.
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