Arthur Schmidt

1929–1930 Studierender am Bauhaus

© Jost Schmidt
Bauhaus-Ausweis von Arthur Schmidt.

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Arthur Schmidt wurde am 25. Juli 1908 in Maulburg/Südbaden geboren. Nach dem Besuch der Oberrealschule in Schopfheim absolvierte er auf Wunsch seiner Eltern ab 1923 eine Lehre als Maschinenschlosser in einer Papierfabrik mit gleichzeitigem Besuch der Gewerbeschule Schopfheim. Im März 1926 legte er die Gesellenprüfung ab. Sein Lehrer im Metallfachzeichnen und Projektionszeichnen, Ernst Grether, weckte sein Interesse am perspektivischen Zeichnen, erkannte seine Begabung und empfahl ihm, eine Kunstschule zu besuchen.

Zunächst arbeitete Schmidt in einer Maschinenfabrik in Zell im Wiesental und besuchte nach der Arbeit die Allgemeine Gewerbeschule Basel. Er belegte Abendkurse bei Niklaus Stöcklin mit Unterricht in Schriftentwicklung für Gebrauchsgrafiker, Zeichnen und gegenständliche Bildhauerei mit Ton. Ein Semester als Tagesschüler, das er anschloss, ebnete endgültig seinen Weg für eine künstlerische Laufbahn. Ab Oktober 1927 studierte er zwei Jahre an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe, der heutigen Staatlichen Akademie der bildenden Künste. Aufgrund seiner Aufnahmeprüfungsarbeiten wurde er gleich in die Zeichenklasse bei Professor Karl Hubbuch und in die Gebrauchsgrafikklasse bei Wilhelm Schnarrenberger aufgenommen.

Privatbesitz © Saskia Schmidt-Möller
"skizze als schema", Studie, Bleistift auf Papier, Autor: Arthur Schmidt, 1929.

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Auf Empfehlung von Hubbuch, dessen Frau Hilde in der Werkstatt Fotografie bei Walter Peterhans hospitierte, schrieb sich Arthur Schmidt zum Wintersemester 1929 am Bauhaus Dessau ein. Ausgestattet mit einem Darlehen seiner Eltern absolvierte er die Grundlehre und nahm u. a. an folgenden Unterrichten teil: Material- und Werklehre bei Josef Albers, Einführung in die künstlerische Gestaltung bei Wassily Kandinsky, Mathematik bei Walter Peterhans, Aktzeichnen und Schrift bei Joost Schmidt, gegenständliches Zeichnen bei Fritz Kuhr, bei Wilhelm Müller Chemie, darstellende Geometrie bei Friedrich Engemann und er hospitierte in der Druckerei-Werkstatt. Im zweiten Semester wurde Schmidt in die Druckerei-Werkstatt bei Joost Schmidt und Willi Hauswald aufgenommen. Ferner besuchte er nun den Unterricht mit künstlerischer Gestaltung bei Paul Klee und wiederum Aktzeichnen bei Joost Schmidt und bei Fritz Kuhr gegenständliches Zeichnen und Aktzeichnen, sowie die Fächer Chemie und Mathematik bei den Lehrern des Vorsemesters. 1930 war er Mitarbeiter der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden.

Finanzielle Gründe bewogen ihn, das Bauhaus nach zwei Semestern zu verlassen und eine Stelle als Gebrauchsgrafiker in Zofingen in der Schweiz anzunehmen. 1932 kehrte Arthur Schmidt noch einmal für vier Semester an die Allgemeine Gewerbeschule Basel zurück. Bei Teo Ballmer, einem ehemaligen Bauhaus-Absolventen, besuchte er die Fachklasse für Gebrauchsgraphik und erhielt eine Ausbildung in Industrie-Fotografie. Ab 1934 arbeitete er als angestellter Grafiker zusammen mit seiner zwischenzeitlich angetrauten Frau Gisela, einer ausgebildeten Buchbinderin und Grafikerin, bevor sie sich beide 1936 als Reklamegrafiker in Lörrach selbstständig machten.

Privatbesitz © Saskia Schmidt-Möller
"holz, eisen, pelz", Materialstudie, Bleistift auf Papier, Autor: Arthur Schmidt, 1929.

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Zum Kriegsdienst wurde Arthur Schmidt 1939 eingezogen. Während seines Einsatzes in Frankreich entstanden Aquarelle von französischen Städten und Landschaften, sowie Ölbilder aus der Bretagne. In der amerikanischen Kriegsgefangenschaft von März bis November 1945 fand er ideale Arbeitsmöglichkeiten vor und konnte seiner Leidenschaft – dem Zeichnen und Malen – wieder nachgehen. Schmidt erfüllte Bildwünsche der amerikanischen Soldaten und porträtierte sie.

1946 bekam Arthur Schmidt ein Lehramt für kunstgewerbliche Berufe an der Gewerbeschule in Lörrach und später in Schopfheim. Er unterrichtete bis 1973 Musterzeichner, Grafiker, Dekorateure, Schaufenster- und Bühnengestalter. Von 1959 bis 1962 gehörte er dem Stadtrat von Lörrach an und er setzte sich besonders für die Erhaltung denkmalwürdiger Gebäude ein. Nach seiner Pensionierung begann er mit Bildhauerei in Marmor. In der Malerei bevorzugte er einen eigenen expressiv-realistischen Stil. 1986 inspirierte ihn seine 40 Jahre jüngere Haushälterin zu zahlreichen neuen Arbeiten, vor allem Aktdarstellungen. Am 1. März 2007 starb Arthur Schmidt 99-jährig in seinem selbst entworfenen Atelierhaus am Tüllinger Berg in Lörrach.

Sammlung Stiftung Bauhaus Dessau / © Saskia Schmidt-Möller
"bauhaustapeten – rasch tapetenfabrik", typografische Übungen aus dem Unterricht Jost Schmidt/Reklame-Werkstatt, Druckerei-Werkstatt Willi Hauswald, Bauhaus Dessau, Autor: Arthur Schmidt, 1930.

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Bis 1983 nahm Arthur Schmidt an den Weihnachtsausstellungen der Kunstvereine in Karlsruhe und Stuttgart teil. Danach trat er aus dem Badischen Kunstverein aus, da er die vorherrschende Bevorzugung der gegenstandslosen Kunst nicht akzeptierte. Viele seiner Bilder hängen im öffentlichen Raum, insbesondere seine visionären Städtepanoramen von Basel, Freiburg, Karlsruhe, Luzern, Salzburg, Stuttgart und Säckingen. In Galerien und Museen in Maulburg, Lörrach, Heidelberg, Frankfurt, Baden-Baden, Nancy/Frankreich wurden seine Werke gezeigt. Seine letzte Ausstellung zu Lebzeiten fand 1998 im Museum am Burghof in Lörrach zu seinem 90. Geburtstag statt, ebenso wie 10 Jahre später eine Gedächtnisausstellung zu seinem 100. Geburtstag.

Text: Burckhard Kieselbach

  1. Literatur:
  2. Datenbank zur Geschichte und der Kultur der Regio TriRhena (Dachverband der Regio-Gesellschaften in Deutschland, Frankreich und der Schweiz). Aufzeichnungen Saskia Schmidt-Möller.
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