Elsa Thiemann

1929–1931 Studierende am Bauhaus

Bauhaus-Archiv Berlin / © Margot Schmidt.
Porträt Elsa Thiemann / Foto: unbekannt, 1929–1930.

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Elsa Franke wurde am 7. Februar 1910 geboren. Bevor sie das Studium am Bauhaus in Dessau im Frühjahr 1929 antrat hatte sie schon die Berliner Kunstgewerbe- und Handwerkerschule besucht und an den Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (Berlin) studiert. Am Bauhaus nahm Franke nach dem obligatorischen Vorkurs unter Josef Albers am Unterricht der Fotoklasse – geleitet von dem Berliner Fotografen Walter Peterhans – teil, die der Druckerei und Reklamewerkstatt untergeordnet war. Nebenbei bildete sie sich in den freien Malklassen von Wassily Kandinsky und Paul Klee.

 

Bauhaus-Archiv Berlin / © Margot Schmidt
Gabeln / Foto: Elsa Thiemann, um 1930.

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Auf eine Ausschreibung des Direktors Hannes Meyers hin (1929) entwarf die Bauhäuslerin einige Tapetenmuster für die neue „bauhaus-Kollektion“ der Tapetenfirma Gebrüder Rasch. Ihre Entwürfe unterscheiden sich grundlegend von den später realisierten bauhaus-Tapeten, die ausschließlich helle, freundliche Farbtöne mit kleinteiligen Strich- und Punktmustern zeigten. Frankes Entwürfe sind dagegen collagierte dunkle Fotogramme, hergestellt mit Pflanzen, Bindfaden oder Farbklecksen: Großformatige, schwere Ornamente, wie sie das Bauhaus überwinden wollte. Franke-Thiemanns übriges fotografisches Werk zeigt primär wechselseitige Portraitaufnahmen von sich und ihrem Lebensgefährten und späteren Ehemann (ab 1947) Hans Thiemann, den sie am Bauhaus kennenlernte sowie Portraits und Werkaufnahmen der KünstlerInnen der Gruppe der „Fantasten“. Desweiteren sind Milieuaufnahmen im Stil der Bauhaussehweise aus ihrem Wohnbezirk Neukölln im Museum Neukölln erhalten. Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin besitzt seit 2004 aus allen Bereichen von Franke-Thiemanns fotografischem Werk Abzüge und ehrte die Künstlerin im selben Jahr mit einer Einzelausstellung.  Zwei ihrer Tapetenentwürfe werden seit 2011 im bauhaus shop des Bauhaus-Archivs als Geschenkpapier neu produziert. 

Im Juli 1931 schloss Elsa Franke mit dem Bauhaus-Diplom Nr. 59 ihr Studium als ausgebildete Fotografin und Werbegrafikerin ab. Ihr Fokus lag auch nach ihrem Abschluss auf der Fotografie. Zunächst arbeitete sie als Pressefotografin in Berlin, später als Fotografin von Rätselbildern für Zeitschriften. Als ihre Arbeit aus politischen Gründen für sie unmöglich wurde, nahm sie eine Stelle als Verlagsassistentin in der Berliner Redaktion von Hoffmann und Campe an. Ihr Lebensgefährte und späterer Ehemann Hans Thiemann, den sie am Bauhaus kennengelernt hatte, konnte zu diesem Zeitpunkt mit seiner surrealistischen Malerei nicht an die Öffentlichkeit treten, um nicht als „entartet“ diffamiert zu werden. Sie musste den gemeinsamen Lebensunterhalt verdienen.

Bauhaus-Archiv Berlin / © Margot Schmidt
Tapetenentwurf, Fotogramm, Autor: Elsa Thiemann, 1930–1931.

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Hans Thiemann wurde 1960 als Professor an die Kunsthochschule Hamburg berufen. Mit dem Umzug legte Elsa Franke-Thiemann ihr fotografisches Handwerk ad acta. 2011 gelangte ein Großteil des fotografischen Nachlasses ins Archiv der Stiftung Bauhaus Dessau.

[AG 2015]

  1. Literatur:
  2. Bauhaus-Diplom von Elsa Franke, Nr. 59, Beschluss der Konferenz am 6. Juli 1931, unterschrieben von Mies van der Rohe und Joost Schmidt (am 14. Juli 1931), Dokument, Bauhaus-Archiv Berlin.
  3. Informationen der Nachlassverwalterin Margot Schmidt.
  4. Jaeggi, Annemarie & Margot Schmidt (2004), Elsa Thiemann: Fotografin. Bauhaus und Berlin, Berlin. Schöbe, Lutz (2011): eine reflex-korelle für dessau, in: bauhaus. Die Zeitschrift der Stiftung Bauhaus Dessau, Heft 2.
  5. Tapetenfabrik Gebr. Rasch & Co. und Stiftung Bauhaus Dessau (1995): Reklame & Erfolg einer Marke, Köln.
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