Emil Bert Hartwig

1927–1931 Studierender am Bauhaus

Stiftung Bauhaus Dessau (I 868 F) © (Rauh, August) Copyright uns nicht bekannt
Porträt Emil Bert Hartwig, Foto: August Rauh

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Emil Bert Hartwig wurde am 20. Juli 1907 in Sinsen bei Recklingshausen als Sohn eines Bergwerks-Angestellten geboren. Mit vierzehn Jahren trat er zunächst eine Lehre in einem Architekturbüro an, um dann jedoch mit achtzehn seinem Wunsch zu folgen und eine künstlerische Ausbildung zu beginnen. Hartwig besuchte 1925/27 die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Essen, die spätere Folkwangschule für Gestaltung. Er gelangte in die Klasse von Max Peiffer-Watenphul, einem Bauhaus-Absolventen der ersten Stunde, der Hartwigs Farbsensibilität erkannte und ihn ermutigte, an das Bauhaus zu gehen. Peiffer-Watenphul erwirkte für ihn ein Stipendium in Dessau. Zum Wintersemester 1927 schrieb sich Hartwig mit der Nr. 232 am Bauhaus Dessau ein und bezog ein Zimmer im obersten Stock im Ateliergebäude, im sog. Prellerhaus.

Nach dem Besuch des Vorkurses bei Josef Albers, erlernte Hartwig die Bildweberei als erster männlicher Absolvent in der Weberei-Werkstatt bei Gunta Stölzl. Sein Mitstudent Herbert von Arend und er experimentierten in der Webklasse mit verschiedensten Materialien und versuchten diese in ihre kleinen Bildwirkereien einzubauen. Nach Aussagen von Herbert von Arends war die Anregung dazu von Emil Bert Hartwig gekommen. Dieser Weg war bis dahin von keinem Webkünstler beschritten worden.

Die beiden ersten Webbilder Hartwigs, die er im Unterricht der Weberei-Werkstatt bei Gunta Stölzl schuf, waren Teil der Wanderausstellung „Moderne Bildwirkereien“, die der Kunsthistoriker Ludwig Grote unter Mitwirkung von Anni Albers und Gunta Stölzl  zusammenstellte. Die Ausstellung wurde 1929 in Dessau und danach in acht weiteren deutschen Städten gezeigt. Neben der Ausbildung in der Weberei besuchte Hartwig die Malklassen bei Wassily Kandinsky und Paul Klee. 1931 erhielt er vom Bauhaus ein Stipendium für einen Jahresaufenthalt in Paris, welches ihn auch zu Malausflügen in die Normandie führte. Während dieser Zeit wurden Arbeiten von ihm in der Pariser Galerie 6 gezeigt und er konnte einige Bilder zur Verbesserung seines Lebensunterhaltes veräußern. Nach dem Parisaufenthalt nahm er den Unterricht am Bauhaus nicht wieder auf.

© Le Cabinet Expertise Marc Ottavi, Paris
Emil Bert Hartwig, Composition, Öl auf Holz, 1930.

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Emil Bert Hartwig folgte stattdessen 1932 seinem Lehrer Paul Klee an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er wiederum ein Stipendium erhielt. Klee würdigte im März 1933 Hartwigs Bewährung als einen seiner Meisterschüler. Er bescheinigte Hartwig nicht nur seinen Fleiß, sondern lobte auch seine hervorragende Begabung und die Intensität seiner Arbeiten. Weiter notierte Klee in seinen Taschenkalender, dass er es bedauern würde, wenn eine Hemmung durch die Mittellosigkeit einträte, wo Hartwig jetzt in das Stadium der vollen Entfaltung eingetreten war. Nach der Einflussnahme des Nationalsozialismus auf den Hochschul- und Kulturbetrieb, und nach gewalttätigen Ausschreitungen an der Kunstakademie durch radikale NS-Sympathisanten, wurden viele Studenten verhaftet, verhört und nach ihren Lehrern und Mitstudierenden befragt, so auch Hartwig.

Nach Klees fristloser Entlassung im April 1933 verließ auch er die Akademie und wandte sich von der „unerwünschten“ abstrakten Malerei ab. Alexander Zschokke, Schweizer Bildhauer und ebenfalls Dozent an der Akademie, berichtete von einem Gespräch, das er mit Klee geführt hatte und von dessen Enttäuschung. Klee habe bitter gemeint: "Dass mein bester Schüler mich verraten hat und zu meinen Feinden überlief, um wieder Blümchen und Ziegen zu malen, ist bodenlos." 

Emil Bert Hartwig verließ nach dem Sommersemester 1933 die Akademie in Düsseldorf und lebte ab 1934 in Münster. Er passte sich dem System an und malte fortan kleine Blumenbilder und Landschaften, um als freier Maler seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. 1934 trat Hartwig in die „Freie Künstlergemeinschaft Schanze Münster“ ein. Diese hatte, nachdem es im März 1933 zur nationalsozialistischen Gleichschaltung kam, schon bald ihre Verbundenheit mit den Zielen der neuen Machthaber gezeigt. Es folgte zwischen 1939 und 1945 der Kriegsdienst. Hartwig heiratete nach Kriegsende und richtete sich 1949 in Hiltrup ein Atelier ein. Neben Auftragsarbeiten malte er überwiegend Tafelbilder in Öl. 1949 entstanden die ersten Holzschnitte in schwarz-weiß. Bis zum Ende der 1970er-Jahre kamen weitere hinzu, zumeist in Zyklen mit mehrfarbigen Blättern. 1959 wurde er als Dozent für Zeichnen und Malen an die Werkkunstschule Münster berufen, der späteren Fachhochschule – Fachbereich Design, wo er bis 1976 lehrte. 1984 nahm Hartwig seinen Alterssitz in Freinsheim/Pfalz und wirkte dort als Maler bis zu seinem Tod am 7. Februar 1996. Emil Bert Hartwigs Lebenswerk umfasst etwa 90 Holzschnitte, 100 Grafiken, 160 Aquarelle und über 500 Bilder in Öl und Mischtechniken. 

Text: Burckhard Kieselbach

  1. Literatur:
  2. Droste, Margarete (1998): Das Bauhaus webt. Die Textilwerkstatt des Bauhauses, Berlin.
  3. Gerlach-Laxner, Uta (2003): Paul Klee im Rheinland, Köln.
  4. Grote, Ludwig (1930): Moderene Bildwirkereien, in: Die Form – Zeitschrift für gestaltende Arbeit, Nr. 5.
  5. Klee, Felix (1979): Paul Klee, Briefe an die Familie 2, 1907–1940, Köln.
  6. Piechorowski, Arno (1990): Emil Bert Hartwig, Werkverzeichnis Holzschnitte, Reutlingen.
  7. Schmidt, Christoph (2006): Nationalsozialistische Kulturpolitik im Gau Westfalen-Nord. 1933-1945, Paderborn.
  8. Sickert, Maxi (2011): Aus der Form geboren, Schüler der Klasse Klee, 1931–1933 und die Zeit danach, Berlin.
  9. Thiel, Vera (1985): August Preusse, Katalog Klingenmuseum Solingen.
  10. Zschokke, Alexander (1948): Begegnungen mit Paul Klee, in: du, Jg. 8, Heft 10.
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