Irmgard Sörensen-Popitz
(„Söre Popitz“)

1924–1925 Studierende am Bauhaus

Stiftung Bauhaus Dessau / © Depositum Stöhr, Stiftung Bauhaus Dessau
Porträt Söre Popitz, um 1924.

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Irmgard Sörensen wurde 1896 in Kiel geboren. Auf die ihr später gestellte Frage, seit wann sie male, antwortete sie: „Seit ich denken kann“. Bereits in früher Kindheit zeigte sich das besondere Talent, ihr weiterer Weg wurde davon geprägt: In ihrer Heimatstadt absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Graphischen Zeichnerin. 1917 schrieb sich Irmgard Sörensen an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe Leipzig ein. An der damals fortschrittlichen und reformwilligen Hochschule belegte sie unter anderem Kurse für Buchgestaltung und Typographie, ihr Spezialgebiet wurde die Werbegrafik. Aus einem 1920 veranstalteten studentischen Plakatwettbewerb ging sie als Siegerin hervor – mit einem abstrahierten Motiv, das in die Richtung einer damals neuen Bildauffassung weist. Ein Praktikumszeugnis aus dieser Zeit empfohl ihr als künftiges Tätigkeitsfeld „vorwiegend die feine Werbedrucksache neuerer ästhetischer Richtung“.

Im Februar 1924 beendete sie ihr Studium. Zur selben Zeit heiratete sie den Leipziger Arzt und Anthroposophen Friedrich Popitz, fortan nannte sie sich zumeist Söre Popitz. Sie äußerte sich nur knapp zu ihren Beweggründen für den folgenden, entscheidenden Schritt: „Da ich mir eine Begegnung mit Gleichgesinnten wünschte, ging ich ans Bauhaus in Weimar.“ Im Oktober 1924 schrieb sie sich hier ein und belegte den für alle Studenten obligatorischen Vorkurs. Sie besuchte den Unterricht von László Moholy-Nagy, Paul Klee und Wassily Kandinsky, wo grundlegende Fragen der Linear- und Farbkomposition behandelt wurden. Die in dieser Zeit entstandenen Arbeiten von Söre Popitz zeugen vom starken Einfluss ihrer Lehrer, die radikal mit dem klassischen Kunstbegriff gebrochen hatten.

Als das Bauhaus im April 1925 nach Dessau umzog, ging die Künstlerin diesen Weg nicht mit. Sie arbeitete fortan in Leipzig als freiberufliche Werbegrafikerin. Ihre für dort ansässige Unternehmen gestaltete Annoncen zeigten eine konstruktivistische Formsprache. Für den Leipziger Verlag Otto Beyer entwarf sie unter anderem Werbeanzeigen und ein Titelblatt für die Zeitschrift „die neue linie“, jenem Gesellschaftsmagazin, für das auch Bauhäusler wie László Moholy-Nagy, Herbert Bayer und Franz Ehrlich arbeiteten.

Stiftung Bauhaus Dessau / © Depositum Stöhr, Stiftung Bauhaus Dessau
Titelblatt für „die neue linie“, Heft August 1931, Gestaltung: Irmgard Sörensen-Popitz.

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Die Jahre nach 1933 führten Söre Popitz in die innere Emigration. Sie war weiterhin als Werbegrafikerin für den Verlag tätig, in freier Malerei entstanden in dieser Zeit zahlreiche Blumendarstellungen. Sie durchlitt die Kriegsjahre in Leipzig, viele ihrer Arbeiten gingen bei Bombenangriffen verloren. Zwei Jahre nach Kriegsende zog sie mit ihrem Mann nach Frankfurt am Main, wo Friedrich Popitz 1949 starb. In der darauf folgenden Zeit entwarf sie Bucheinbände für den Insel Verlag und war zunächst kaum künstlerisch tätig.

1956 fand Söre Popitz zur Malerei zurück. Sie schuf nun abstrakte Kompositionen im Stil des Informel. Von Konstruktivismus und geometrischer Abstraktion löste sie sich vollständig. Auch andere frühere Bauhausstudenten wie Wilhelm Imkamp, Fritz Winter und Wolfgang Schulze (Wols) wandten sich in den 1950er-Jahren dieser in Westdeutschland starken Strömung zu. Für Söre Popitz folgte eine Zeit intensiven malerischen Schaffens. Die Informelle Kunst blieb auch in den weiteren Jahrzehnten für sie bestimmend. Ihre Werke waren in zahlreichen Galerieausstellungen zu sehen. 1968 wurde der Nachbau einer Gleichgewichtsstudie aus dem Vorkurs-Unterricht bei László Moholy-Nagy auf der Jubiläumsausstellung „50 jahre bauhaus“ in Stuttgart präsentiert. Im Jahr 1970 fand im Bauhaus-Archiv Darmstadt eine Ausstellung mit 30 zeitgenössischen Arbeiten statt.

Söre Popitz starb 1993 im Alter von 97 Jahren. Ihr Nachlass gelangte zu der Wuppertaler Galeristin Wilma Stöhr. Sie übergab ihn 2011 als Depositum an die Stiftung Bauhaus Dessau, wo die Arbeiten inventarisiert wurden. Einige Werke von Söre Popitz waren hier 2014/2015 in der Ausstellung „Bauhaus. Die Kunst der Schüler zu sehen.“

  1. Literatur:
  2. Rössler, Patrick (2009): Söre. Vom Bauhaus zum Informel, Winnenden.
  3. Rössler, Patrick (2009): the bauhaus at the newsstand / das bauhaus am kiosk. die neue linie 1929–1943, Bielefeld.
  4. Schröter, Steffen (2014): Die Künstlerin und Werbegrafikerin Irmgard Sörensen-Popitz. Entwicklung eines Ausstellungskonzeptes auf der Grundlage ihres Nachlasses in der Stiftung Bauhaus Dessau, Bachelorarbeit, Leipzig.
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