Isaak Butkow

1928–1932 Studierender am Bauhaus

Bauhaus-Archiv Berlin / Bauhaus-Archiv Berlin
Portrait of Isaak Butkow, photo: Etel Fodor-Mittag, 1929.

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Isaak Butkow wurde am 12. April 1909 in Wilna in Polen geboren, in der heutigen litauischen Hauptstadt Vilnius, die damals russisch besetzt war. Er stammte aus einer kleinbürgerlichen jüdischen Familie, besuchte das Humanistische Gymnasium und für ein Jahr die Zeichenschule für Plastische Kunst in Wilna.

Isaak Butkow trug sich mit der Einschreibnummer 304 zum Wintersemester 1928 am Bauhaus Dessau ein. Mit dem ebenfalls aus Wilna stammenden Moses Bahelfer wohnte er zusammen zur Untermiete; beide waren mittellos und ihre Wirtsleute verköstigten sie weitgehend mit. Nach der üblichen Grundlehre folgten 1929 zwei Semester in der Tischlerei-Werkstatt. Im Sommersemester 1930 begann Butkow die Baulehre und wurde zur praktischen Bauarbeit beurlaubt. Das Wintersemester 1930, sowie in den folgenden beiden Semestern des Jahres Baulehre 1931, setzte er seine Ausbildung in der Bau- und Ausbauwerkstatt fort. Butkow erhielt während der gesamten Ausbildung ein Drittel bis ganze Freistellen zwischen 10 und 40 RM. Die Freistellen wurden vom Meisterrat auf Antrag des Studierenden mit dem Nachweis auf dessen Bedürftigkeit und bei guten Leistungen vergeben. 

1931 übertrug Hugo Junkers dem Bauhaus mit Mies van der Rohe und Ludwig Hilberseimer die Planung einer „Großsiedlung“ in Dessau. Konkrete Projektierungsaufgaben einzelner Komplexe wurden begabten Studierenden des Architekturseminars der Bauabteilung übertragen. Isaak Butkow übernahm die Aufgabe, Pläne für das Theater und den Filmpalast zu entwickeln. Die bis ins Detail geplanten Unterlagen sind verloren gegangen. Butkows Entwurf des Theaters bildete als Gerüst eine Junkers-Stahlkonstruktion, die mit hellen Klinker-Verblendsteinen verkleidet werden sollte. Die Reihenbestuhlung für Theater und Filmpalast sollte aus brandschutztechnischen Gründen aus gepolsterten Stahlrohrsesseln bestehen. Ein Farbkonzept zur räumlichen Orientierung ab Eingangsbereich des Foyers, über Garderobe, Zuschauerraum, Gastronomie bis zu den Notausgängen war vorgesehen.

Butkow, seit 1929 KPD-Mitglied und laut dem Bauhäusler Max Gebhardt zum Kern der kommunistischen Zelle des Bauhauses gehörend, wurde am 4. April 1932 von der Polizei aus Dessau ausgewiesen. Weil er sich am 28. April 1932 vorübergehend wieder im Bauhaus aufhielt, wurde er aufgrund der Denunziation eines Studenten verhaftet und sofort zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Anschließend ging Butkow nach Berlin, blieb ohne Arbeit und wartete auf die Einreisegenehmigung in die Sowjetunion.

Als Politemigrant war Isaak Butkow in der Sowjetunion in einem Studentenkollektiv für Städtebau- und Städteplanung tätig und arbeitete als Architekt bei der Verwaltung des Moskau-Wolga-Kanals in der UdSSR. Wohnhaft war er mit seiner russischen Frau und seinem Sohn in Pererva, im Moskauer Stadtgebiet. Am 27. September 1937 wurde er der Spionage für Deutschland bezichtigt, verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 2. Oktober 1938 wurde Butkow durch Erschießung hingerichtet. Bestattungsort ist der Schießplatz Butowo, ein südlicher Vorort von Moskau und Hinrichtungsstätte des Volkskommissariat für Inneres NKWD (Narodnyj Komissariat Wnutrennych Del) der Sowjetunion. Isaak Butkow wurde am 26. September 1957 rehabilitiert.

Text: Burckhard Kieselbach

  1. Literatur:
  2. Plener, Ute Ulla & Natalia Mussienko (1985): Verurteilt zur Höchststrafe – Tod durch Erschießen, Berlin.
  3. Archiv Sammlung Stiftung Bauhaus Dessau.
  4. Hahn, Peter (1985): Bauhaus Berlin, Berlin.
  5. Erfurth, Helmut (2010): Junkers, das Bauhaus und die Moderne, Dessau.
  6. Junkers, Hugo: Leben und Unternehmen, http://www.junkers.de/junkers-und-das-bauhaus/das-bauhaus-plant-für-junkers-eine-„großsiedlung“-dessau, 09.06.2016.
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