Ivana Tomljenović

1929–1930 Studierende am Bauhaus

Museum of Contemporary Art Zagreb / © The Avantgarde Museum
Bauhaus-Ausweis von Ivana Tomljenović, Dessau, 1929–1930.

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Ivana Tomljenović, 1906 in Zagreb geboren, absolvierte vor ihrer Immatrikulation am Bauhaus bereits ein Studium an der Königlichen Akademie der Künste in Zagreb, wo sie ab 1924 vier Jahre lang studiert hatte. Nach dem Abschluss ging sie vorerst an die Kunstgewerbeschule in Wien, verließ diese aber schon 1929 wieder, um ans Bauhaus nach Dessau zu gehen. Hier nahm Tomljenović, die auch oft „Koka“ genannt wurde, – wie alle ihrer Kommilitonen – am obligatorischen Vorkurs von Josef Albers teil und begann im darauffolgenden Semester in der neu gegründeten Fotoklasse unter der Leitung des Berliner Fotografen Walter Peterhans zu lernen. Ihr primäres Interesse galt der Gestaltung von Plakaten sowie der Fotobearbeitung.

Die junge Künstlerin wurde bald Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Unter dem Einfluss der innovativen Kräfte und der „neuen“ Bildsprache am Bauhaus entwickelte sich Tomljenović zu einer emanzipierte, politisch links gerichteten Intellektuellen. Sie selbst stammte aus der wohlhabenden Mittelklasse, gegen die sie sich nun aufzulehnen begann mit Forderungen nach sozialer und wirtschaftlicher Gleichheit. Eine jugoslawische kommunistische Gruppierung, die in Berlin die Ausstellung „Terror in Jugoslawien“ organisierte, engagierte Tomljenović für die Gestaltung des Buchumschlags ihrer Publikation „Diktatur in Jugoslawien“. Als Hannes Meyer 1930 aus dem Amt des Bauhausdirektors entlassen wurde, verließen eine Vielzahl von Bauhausstudenten die Schule mit ihm – unter ihnen Ivana Tomljenović.

Museum of Contemporary Art Zagreb / © The Avantgarde Museum
Entspannung auf der Bauhaus-Terrasse, Foto: Ivana Tomljenović, Dessau, 1930.

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Tomljenović arbeitete zunächst als Bühnenbildnerin und Plakatgestalterin in Berlin; 1931 siedelte sie nach Paris um, wo sie Literatur an der Sorbonne studierte. Ein Jahr darauf zog Tomljenović nach Prag und heiratete Alfred Meller, den Inhaber und Chefingenieur des ROTA Werbeunternehmens. Gemeinsam fertigten sie für die Firma lumino-kinetische Schaufensterdekorationen. Nach dem Tod Mellers 1935 ging Tomljenović zurück nach Zagreb und später nach Belgrad, wo sie als Plakatgestalterin an Frauenschulen unterrichtete. Ab 1938 lebte sie wieder in Zagreb, wurde nun Lehrerin am Dritten Staatlichen Frauengymnasium. Als der Zweite Weltkrieg vorüber war unterrichtete sie weiterhin noch bis 1962 Kunst. Ivana Tomljenović Meller starb 1988 in Zagreb.

[AG 2015]

Museum of Contemporary Art Zagreb / © The Avantgarde Museum.
Bauhaus-Kantine, Foto: Ivana Tomljenović, Dessau, 1930
  1. Literatur:
  2. Dokumente zu Ivana Tomljenović im Bauhaus-Archiv Berlin.
  3. Galerija Grada (1983): Ivana (koka) Tomljenović. Bauhaus Dessau 1929–1930, Zagreb.
  4. Mehulic, Leila (2010): Ivana Tomljenović Meller. A Zagreb girl at the Bauhaus, Zagreb.
  5. Otto, Elizabeth (2015): Good luck, Bauhaus and Berlin Comrades, and See You After the Revolution, in: The Brooklyn Rail, 3. Juni 2015, http://www.brooklynrail.org/2015/06/criticspage/good-luck-bauhaus-and-berlin-comrades-and-see-you-after-the-revolution (09.05.2016).
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