Lotte Beese

1926–1929 Studierende am Bauhaus

Bauhaus-Archiv Berlin
Lotte Beese (Detail), Foto: unbekannt, um 1929.

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Lotte Beese wurde am 28. Januar 1903 in Reisicht (Schlesien) geboren. Nach dem Abitur 1921 lernte sie Stenographie und Schreibmaschine, um anschließend auf Wanderschaft quer durch Deutschland zu gehen. Zwei Jahre darauf kam Beese zu den Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau. Hier arbeitete sie eigentlich als Bürokraft, bekam aber bald einen Platz in der hauseigenen Weberei, wo sie sich die Grundlagen des Webens aneignete. In Hellerau lernte Beese ehemalige Studenten des Staatlichen Bauhaus in Weimar kennen. Deren Berichte überzeugten sie, dass das Bauhaus genau ihren Vorstellungen entsprach. Nach längerer Krankheit bewarb sich Beese schließlich zum Wintersemester 1926 am mittlerweile nach Dessau umgezogenen Bauhaus.

Im ersten Semester besuchte Lotte Beese, wie alle übrigen aufgenommenen Studenten auch, die Vorlehre unter der Leitung von Josef Albers. Daneben belegte sie außerdem die ergänzenden Unterrichtsfächer „Analytisches Zeichnen“ bei Wassily Kandinsky sowie „Schrift“ bei Joost Schmidt, „Darstellende Geometrie“ und „Physik/Chemie“. Nach Absolvierung der Grundlehre wechselte Beese in die Webereiwerkstatt von Gunta Stölzl. Mit Abschluss des Semesters 1927–1928 erfüllte die junge Studentin alle erforderlichen Bedingungen, um in die 1927 neu gegründete Bauabteilung zu wechseln. Als erste Frau überhaupt begann sie unter Hannes Meyer und später unter Hans Wittwer in der Bauabteilung zu studieren. Neben der Baulehre erlernte sie hier außerdem die Grundlagen der Statik, Baumaterialkunde, Konstruktion, Wärmetechnik und Städtebau. Nur ein Jahr später schied Lotte Beese freiwillig ohne Abschluss aus dem Bauhaus aus. Ihre romantische Beziehung zu dem damals verheirateten Bauhausdirektor Hannes Meyer verkomplizierte ihre Zeit am Dessauer Bauhaus. Während ihrer Zeit am Bauhaus fotografierte Lotte Beese eifrig und hinterließ eine Vielzahl von Fotografie, die weit über die gewöhnliche Amateurfotografie hinausreicht.

Stiftung Bauhaus Dessau / © Stiftung Bauhaus Dessau (Meyer) / Hans-Jakob Wittwer (Wittwer)
Bundesschule des ADGB (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund) Bernau bei Berlin, Architektur: Hannes Meyer / Entwurf: Hans Wittwer und Bauabteilung Bauhaus Dessau / Foto: Junkers Luftbild, 1930.

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Schließlich ging sie 1929 nach Berlin, wo sie vorerst Arbeit im Architekturbüro von Hugo Häring fand und schließlich in Meyers Berliner Privatbüro an der Konzeption der Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau bei Berlin mitarbeitete. Mit Abschluss dieses Projektes war für Beese in Berlin nichts mehr zu tun. Hannes Meyer vermittelte ihr durch seine Beziehungen zur tschechischen Architektur-Avantgarde eine Stelle bei dem Architekten Bohuslav Fuchs in Brünn. 1930 folgte Beese Hannes Meyer nach Moskau, wo sie unter dem niederländischen Architekten Mart Stam Planungen für die Stadt Orsk (Sibirien) realisierte. Im selben Jahr wurde der gemeinsame Sohn Lotte Beeses und Hannes Meyers, Peter, geboren. Meyer unterdessen lebte bereits mit seiner zukünftigen Frau Lena Bergner zusammen.

1935 siedelte Lotte Beese mit Mart Stam nach Amsterdam über, den sie schließlich heiratete. Bis 1938 betrieb Beese ihr eigenes Architekturbüro in Amsterdam. Während der Kriegsjahre schrieb sie ihre Diplomarbeit an der Architekturschule in Amsterdam, für die sie 1944 mit Diplom abschloss. Von 1946 bis 1968 arbeitete Beese als Architektin bei der Stadtentwicklung in Rotterdam mit. 1947 realisierte sie die erste autofreie Straße der Niederlande; ab 1949 war sie am Bau des Viertels Pendrecht beteiligt, später folgen Alexanderpolder und Onmoord. Zudem lehrte Beese an der Akademie für Baukunst und Städtebau in Amsterdam. Lotte Stam-Beese starb am 18. November 1988 in Krimpen (Niederlande).

[AG 2015]

  1. Literatur:
  2. Brosma, John: Beese, Charlotte Ida Anna (1903–1988), in: Online Dictionary of Dutch Women, Huygens ING.
  3. Dokumente in Kopie im Bauhaus-Archiv Berlin.
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