Werner Graeff

1921–1922 Studierender am Bauhaus

Bauhaus-Archiv Berlin / Werner J. Hannapel
Porträt Werner Graeff, Foto: Werner Hannappel, 1960er-Jahre.

headline

Werner Graeff wurde am 24. August 1901 in Wuppertal-Sonnborn geboren. Während seiner Schulzeit in Bonn, Solingen, Oranienburg und Berlin malte er stark impressionistische Bilder und war – wie viele junge Menschen zu dieser Zeit – aktives Mitglied der Wandervogelbewegung. Um 1919 wandte sich Graeff vom Impressionismus ab und befasste sich vordergründig mit kubistisch vereinfachten Landchschaftsbildern, Holzplastiken und Holzschnitten.

1921 immatrikulierte sich Graeff am Staatlichen Bauhaus Weimar. Hier wurde er Schüler von Johannes Itten und Oskar Schlemmer. Im Vorkurs von Itten entstanden Bewegungsstudien, von denen sich noch heute zwei im Bauhaus-Archiv Berlin befinden. Erste konstruktivistische Zeichnungen entstanden unter dem Einfluss Theo van Doesburgs, der während dieses Jahres Kurse und Vorträge in Weimar hielt und am Bauhaus einen De Stijl-Kurs abhielt, an denen Graeff teilnahm. Noch im selben Jahr wurde der junge Graeff schließlich Mitglied der Stijl-Gruppe und verfasste seine erste Publikation „Für das Neue“ in der gleichnamigen Zeitschrift.

Bauhaus-Archiv Berlin / © Ursula Graeff-Hirsch
Freie Rhythmus-Studie, Autor: Werner Graeff, 1921.

headline

1922 nahm Graeff am Ersten Internationalen Kongress fortschrittlicher Kunst in Düsseldorf und am Kongress der Konstruktivisten und Dadaisten in Weimar (den u.a. auch die van Doesburgs, László und Lucia Moholy-Nagy, Karl Peter Röhl, Hans Richter und Tristan Tzara besuchten) teil. In der Berliner Novembergruppe stellte er zudem in diesem Jahr seine konstruktivistischen, im Stijl-Stil gearbeiteten Zeichnungen aus.

Darauf folgte eine Phase der kreativen Ideen für den Alltag: Graeff entwarf Auto- und Motorradkarosserien, eine internationale Verkehrssprache und arbeitete an ersten Filmpartituren. So wie die Konstruktivisten Bilder vereinfachten, wollte Graeff auch das alltägliche Leben leichter machen. Während dieser Zeit freundete sich Graeff mit Ludwig Mies van der Rohe und dem Filmemacher Hans Richter an, dessen Mitarbeiter er wurde. Zusammen mit van der Rohe und Richter gründete Graeff die Zeitschrift „G“ (Gestaltung); Herausgeber war Richter, die Redaktion übernahmen Graeff, van der Rohe und Richter gemeinsam.

Bauhaus-Archiv Berlin / © Ursula Graeff-Hirsch
Filmpartitur, Komposition I und II/22, Entwurf: Werner Graeff, 1922 / Realisierung: Werner Graeff, 1959/1977.

headline

1924–1925 studierte Graeff für kurze Zeit an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Das Studium musste er aber aus einer familiären wirtschaftlichen Not heraus schnell wieder aufgeben. Kurzerhand gründete er daraufhin eine eigene Autofahrschule, die er selbst bis 1926 leitete. Mit der Mitgliedschaft im Deutschen Werkbund und der Teilnahme an einer Ausstellung der Stijl-Gruppe in Paris (1925) wandte sich Graeff wieder verstärkt seiner kreativen Ader zu. 1926 engagierte ihn Mies van der Rohe als Presse- und Propagandachef für die legendäre Ausstellung "Die Wohnung" in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Im Auftrag des Deutschen Werkbundes gingen zwei Buchpublikationen daraus hervor: „Bau und Wohnung“ und „Innenräume“ (1928). Schon 1927 hatte Graeff sein erstes Buch über seinen Künstlerfreund Willy Baumeister publiziert.

Es folgte eine Zeit der unterschiedlichsten künstlerischen Tätigkeiten: 1928 bereitete Graeff die bahnbrechende Werkbundausstellung „Film und Foto“ (FiFo) vor. Für Hans Richter und Paul Hindemith schrieb er ein Filmmanuskript („Die Rebellion der Handfeuerwaffen“, 1928), aus dem in stark abgeänderter Form Richters „Vormittagsspuk“ entstand. Zur Eröffnung der FiFo brachte Graeff schließlich noch das Buch „Hier Kommt Der Neue Fotograf!“ heraus, das bis heute als eines der bedeutendsten Publikationen über die Fotografie des Neuen Sehens angesehen wird. Ab 1930 veröffentlichte Graeff Lehrbücher. 1931–1932 unterrichtete er das Fach Fotografie an der Berliner Reimann-Schule, später dann seiner eigenen „Berliner Fotoschule“. 

Bereits 1934 emigrierte Graeff nach Spanien. Auch hier lehrte er Fotografie und entwarf Filmarchitekturen für die spanische Filmindustrie. Als auch in Spanien der Faschismus einkehrte, ging Graeff 1936 in die Schweiz, wo er sich der Schriftstellerei widmete. Neben Kurzgeschichten und Filmmanuskripten verfasste er weitere Fotolehrbücher. 1940 erhielt er eine Anstellung als Leiter der Fotoschule in Locarno. 1946–1949 entwickelte Graeff eine der ersten Minikameras der Welt: die „Kleinkamera Graeff“. Sie war halb so groß wie ein Päckchen Zigaretten und wog gerade einmal 40 Gramm. 1950 nahm Graeff schließlich – ermutigt durch seine Freund Willy Baumeister – nach 25 Jahren Abstinenz wieder die künstlerische Tätigkeit auf und begann erneut zu malen.

Bauhaus-Archiv Berlin / © Ursula Graeff-Hirsch
G II. Material zur elementaren Gestaltung, September 1923, Titelseite, Herausgeber: Hans Richter / Redaktion: Werner Graeff und Ludwig Mies van der Rohe, 1923.

Headline

Erst 1951 kehrte Graeff nach Deutschland zurück. Bis 1959 war er Lehrer an der renommierten Folkwang-Schule Essen. 1954 stellte das British Centre in Köln seine Werke in einer ersten Einzelausstellung aus. 1957 und 1958 wurde der einstige Bauhäusler und Konstruktivst Generalsekretär des Internationalen Kongresses für Formgebung in Darmstadt und Berlin. Ab 1960 widmete sich Graeff ausschließlich seiner Kunst. Am 29. August 1978 starb Werner Graeff überraschend in Blacksburg/Virginia. 

[AG 2015]

  1. Literatur:
  2. Graeff, Werner (1922): Für das Neue, in: De Stijl, Jg. V, Nr. 5, Leiden.
  3. Graeff, Werner (1923): Anmerkungen zur Filmpartitur Komp. II/22, in: De Stijl, Jg. VI, Nr. 5, Leiden.
  4. Graeff, Werner (1923): Vergnüglicher Überfluß durch Neue Technik, in: Ma, Jg. VIII, Nr. 5/6, Wien.
  5. Graeff, Werner (1927): Willi Baumeister, Stuttgart.
  6. Graeff, Werner (1927): Bau und Wohnung. Die Bauten der Weißenhofsiedlung in Stuttgart errichtet 1927 nach Vorschlägen des Deutschen Werkbundes im Auftrag der Stadt Stuttgart und im Rahmen der Werkbundausstellung „Die Wohnung", Stuttgart (Werkbundbücher 1).
  7. Graeff, Werner (1952): Farbige Ruhrlandgestaltung, in: Ruhrländischer Künstlerbund, Essen.
  8. Honisch, Dieter (1973): Werner Graeff. Das druckgrafische Werk, 1918–1972, Essen.
  9. Kemp, Klaus (2007): Begegnungen mit Werner Graeffs Bilderwelt, in: Konstruktion und Formerlebnis, S. 48–57.
  10. Matheson, John (2001): Werner Graeff. Bauhausschüler, Zeichner, Grafiker, Filmpionier, Fotograf, Gestalter, Autor, Organisator, Buchgestalter, Typograf, Emigrant, Erfinder, Konstrukteur, Lehrer, Maler, Bildhauer. Meilen (u.a.).
  11. Reese, Beate (2011): Das Bauhaus und danach. Werner Graeff und die Nachkriegsmoderne, Köln.
  12. www.kunstgebiet.ruhr/kuenstler/werner-graeff
  13. www.wernergraeff.de
    Zum Seitenanfang