Werkstatt für Druck und Reklame

1925–1933

Bauhaus-Archiv Berlin. © Margareta Raabe, Friedrich Reimann Estate.
"die bauhaustapete – die neue Wandbekleidung, Gebr. Rasch & Co“, Entwurf für bauhaustapeten, Unterricht Joost Schmidt Reklameabteilung, Friedrich Reimann, 1931–1932.

Meister und Lehrende

Herbert Bayer
Joost Schmidt
Ludwig Mies van der Rohe

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Bereits in den Weimarer Jahren wurde am Bauhaus vielseitig mit Schrift und typografischer Gestaltung experimentiert – einen regulären Unterricht gab in diesem Bereich damals jedoch nicht. Ein wichtiger Impulsgeber für die Bestrebungen auf dem Gebiet der Typographie und Werbetechnik war ab 1923 László Moholy-Nagy. Dieser führte am Bauhaus die Neue Typografie ein und prägte die Entwicklung einer spezifisch „bauhäuslerischen“ Typografie (Wingler).

Erst in Dessau wurde am Bauhaus eine Werkstatt für Druck und Reklame eingerichtet und damit der Grundstein für eine Ausbildung in diesem Feld gelegt. Die Leitung der neuen Werkstatt übertrug Walter Gropius Herbert Bayer dafür zum Jungmeister berief. „Im Weimarer Bauhaus diente eine Kunstdruckerei der Wiedergabe freier Graphik mit Kupferdruck, Lithographie und Holzschnitt. Bei der Einrichtung der Werkstätten im Bauhaus-Neubau Dessau konnte nur die Einrichtung einer mehr mechanischen, technischen Druckerei in Frage kommen. So entstand eine kleine Buch-Druckerei als Lehrwerkstatt. In der Erledigung von Druckaufträgen übte man Handsatz, Druck und Gestaltung. Nicht modisch ästhetisierend im Sinne von Gebrauchsgraphik, sondern ausgehend von der Erkenntnis des Zwecks und der besseren Ausnutzung des typographischen Materials, das bisher in antikisierender Form befangen war.“ schrieb Herbert Bayer 1928 rückblickend in der Zeitschrift „bauhaus“.

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Bayer widmete sich der Entwicklung neuer Druckschriften, ihrer praktischen Verwendung sowie allgemeinen Fragen der modernen Reklame mit ihren technischen, ökonomischen und psychologischen Grundlagen. In der Schriftgestaltung bezog er sich auf einfachste geometrische Elemente. Sein Ziel war die Normierung von Kommunikationsvorgängen und die Entwicklung eines einheitlichen typografischen Erscheinungsbildes für das Bauhaus. Zu den ersten Arbeiten der Werkstatt zählte der „Katalog der Muster“, mit dem für ausgewählte Produkte des Bauhauses geworben wurde. Durch die Arbeit der Druck- und Reklamewerkstatt wurde am Bauhaus Dessau eine Schriftreform eingeleitet, deren sichtbarster Ausdruck die Kleinschreibung war.

Unter dem zweiten Bauhaus-Direktor Hannes Meyer wurde Joost Schmidt zum Leiter der Reklameabteilung. Dieser entwickelte einen systematischen Unterricht, um die Studierenden auf die Arbeit in der Werbepraxis vorzubereiten. Ein weiterer Schwerpunkt der Werkstattarbeit lag auf der Ausstellungsgestaltung. Mit Arbeiten, wie dem Junkers-Stand auf der Deutschen Ausstellung „Gas und Wasser“ in Berlin 1929 oder dem Stand für die „Wirtschaftliche Vereinigung der Konservenindustrie“ auf der „Internationalen Hygiene-Ausstellung“ in Dresden 1930 setzte das Bauhaus Maßstäbe in neuer Ausstellungsgestaltung. Zudem bearbeitete die Reklameabteilung größere Aufträge für Firmen. Eine wichtige Auftragsarbeit war ab 1929 die Reklame für die Bauhaustapete, die zugleich Bestandteil des Unterrichts bei Joost Schmidt war.

1929 wurde die neu gegründete Fotoklasse unter Leitung des Fotografen Walter Peterhans, neben den Klassen für Plastik und Typografie der Reklameabteilung angegliedert. Unter dem dritten Bauhaus-Direktor Mies van der Rohe wurde die Reklameabteilung am Bauhaus Berlin in der kurzen Zeit ihres Bestehens dort von Walter Peterhans geführt. Zu den Schülern, die in diesen späten Bauhaus-Jahren von Joost Schmidt und Walter Peterhans in Reklame und Fotografie ausgebildet wurden, gehörten unter anderem Ricarda und Heinz Schwerin, die später in Prag ihr eigenes Reklamebüro gründeten sowie Kurt Kranz und Hajo Rose.

Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt
Entwurf zu einem Plakat "Werkstätten bildender Kunst G.m.b.H.", Entwurf: Friedl Dicker (?), o.D.
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