Universität von Ife in Ile-Ife, Nigeria

Arieh Sharon, 1960–1978

© Arieh Sharon digital archive
University of Ife in Ile-Ife, Nigeria; Architekten: Arieh Sharon und Eldar Sharon.

Text

Arieh Sharon hatte zwischen 1926 und 1929 am Bauhaus Dessau studiert und war einer der ersten Studierenden in der 1927 neu gegründeten Architekturklasse von Hannes Meyer. Hier arbeitete er unter anderem am Wettbewerb für die ADGB-Bundesschule in Bernau und später an ihrer Ausführung mit. Nach Abschluss seines Studiums war er bis Oktober 1930 in Hannes Meyers Berliner Büro beschäftigt. 1931 kehrte Arieh Sharon nach Palästina zurück, wo er als Architekt zahlreiche Wohnbauten und öffentliche Gebäude plante und 1949 im Auftrag des ersten Premierminister Israels, David Ben Gurion, einen Masterplan für den jungen Staat Israel erarbeitete (Sharon-Plan).

In den 1960er Jahren unterstützte Israel verschiedene afrikanische Länder durch einen Transfer von Wissen und Technologien bei der Modernisierung dieser Staaten. Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem Bau von Hochschulen. Damals wurde Arieh Sharon von der israelischen Konstruktionsfirma Solel Boneh, die in verschiedenen afrikanischen Ländern israelisch-afrikanische Kooperationen aufbaute, mit der Planung der Universität von Ifé beauftragt.

Für die Bestimmung des idealen Standorts analysierte Sharon zunächst 20 Städte auf ihre klimatischen Bedingungen sowie ihre Infrastruktur für Wasser, Elektrizität und Verkehr. Die Entscheidung fiel schließlich auf ein Areal nordwestlich der Stadt Ilé-Ife – der heiligen Stadt des westafrikanischen Volkes der Yoruba.

Sharons Masterplan für die Universität sah einen kompakten Campus vor mit einer großen Piazza, flankiert von der Bibliothek (1966), dem Sekretariatsgebäude (1968) und der Assembly Hall (1970). Von der Piazza führen Pergola-überdachte Wege zu den Fakultäten für Geisteswissenschaften, Recht und Sozialwissenschaften. Die Wohngebäude der Studenten sollten vom Campus in kurzer Entfernung mit dem Fahrrad erreichbar sein – die der Lehrenden und Angestellten mit dem Auto.

Die extremen klimatischen Bedingungen – hohe Luftfeuchtigkeit, starker Monsunregen und viele Sonnenstunden – waren eine der größten Herausforderungen für die Planung des auf Fußgänger ausgelegten Campus und seiner Gebäude. Viele der Wege, die die einzelnen Fakultätsgebäude verbinden, wurden zum Schutz vor Regen und Sonne überdacht als Pergolen ausgebildet. Bei der Ausrichtung der Gebäude wurde der Lauf der Sonne berücksichtigt, um die Aufhitzung durch tief einfallende Sonne in den Morgen- und Nachmittagsstunden gering zu halten. Die Hauptfassaden sind daher nach Norden und Süden ausgerichtet. Gleichzeitig werden so die Gebäude von den Südwinden natürlich durchlüftet. 1962 entstanden zunächst die drei Fakultätsgebäude der Geisteswissenschaften. Diese sind als umgekehrte Pyramiden ausgebildet, so dass die oberen auskragenden Geschosse die darunterliegenden Geschosse auf natürliche Weise verschatten und vor Regen schützen. Die vorspringenden horizontalen Betonbänder finden sich als Verschattungselemente auch an weiteren Campusbauten Sharons, wie der Bibliothek (1966) und dem Institut für Pädagogik (1970).

Ab 1964 begann Sharon’s Sohn Eldar mit ihm gemeinsam an dem Projekt in Ife zu arbeiten – ebenso wie der gebürtige Südafrikaner Harold Rubin. An den später entstandenen Campusbauten finden sich zunehmend Verweise auf die lokale Kultur der Yoruba. So ist der imposante Eingang zur Bibliothek durch einen hohen, von einem halbrunden Obelisk umgebenen Ife-Stab betont. Den Eingang zum Sekretariat markiert eine große von Harold Rubin entworfene Skulptur. Am deutlichsten sichtbar wird das Nebeneinander und Verschmelzen der Kulturen an der Assembly Hall mit ihren Malereien in schwarzen und weissen abstrakten geometrischen Formen aus der Kultur der Yoruba. Benannt ist diese 1970 errichtete Halle nach dem ersten König der Yoruba: Odúduwà Hall.

(NO 2018)

  1. Literatur:
  2. Ben-Asher Gitler, Inbal (2011): Campus Architecture as Nation Building: Israeli architect Arieh Sharon’s Obafemi Awolowo University Campus, Ile-Ife, Nigeria, in: Lu, Duanfang (Hg.), Third World Modernism. Architecture, development and identity, New York, S. 113–140.
  3. Efrat, Zvi (2013): Form Follows Climate, in: Stiftung Bauhaus Dessau, Bauhaus 5, Tropen/Tropics, Dessau, S. 69–75.
  4. https://www.ariehsharon.org/Archive/University-of-Ife-Nigeria (aufgerufen am 14.5.2018)
  5. Bauhaus Archiv / Museum für Gestaltung und Akademie der Künste Berlin (1977): Kibbuz + Bauhaus. Arieh Sharon. Der Weg eines Architekten, Berlin. (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung)

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