Doppelporträt Alfred und Gertrud Arndt, Probstzella

Gertrud Arndt, 1928

Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Doppelporträt Alfred und Gertrud Arndt, Probstzella (Dorfstraße), (Sicht von oben mit Selbstauslöser) / Foto: Gertrud Arndt, 1928.

headline

Während ihrer Lehre in einem Erfurter Architekturbüro begann Gertrud Arndt (-Hantschk), auf Anregung ihres Arbeitgebers, die Gebäude der Stadt fotografisch zu dokumentieren. Als sie 1923–1924 ans Bauhaus wechselte und nicht, wie erhofft, Architektur studieren konnte, blieb das Interesse an dem Medium Fotografie weiterhin bestehen. Nach dem Vorkurs wechselte Gertrud Arndt (-Hantschk) 1924 in die Weberei des Bauhauses und fotografierte nebenher autodidaktisch. Ihr Blick entwickelte sich von der starren, rein abbildenden Dokumentationsfotografie in Richtung experimentelle Sicht des Neuen Sehens.

Ein Beispiel für die Veränderungen in ihren Fotos ist das Doppelselbstbildnis, das Gertrud Arndt 1928 gemeinsam mit ihrem Mann aufnimmt. Die Kamera wurde auf dem Balkon der gemeinsamen Wohnung in Probstzella positioniert. Alfred Arndt stand bereits unten, wodurch Gertrud Arndt einen Fixpunkt zur Ausrichtung und Scharfstellung der Kamera erhielt. Schnell rannte sie die Treppen hinunter und gesellte sich zu ihrem Mann. Das Ergebnis ist eine Aufnahme aus extremer Vogelperspektive. Die zwei Personen stehen vor dem grauen Untergrund und schauen in die Kameralinse. Ihre starken Schlagschatten treten wie zwei Doppelgänger auf dem monotonen Untergrund hervor. Das moderne „Foto-Auge“ (ein Buch von Franz Roh und Jan Tschichold aus dem Jahr 1929) sah die alltägliche Welt mit „neuen“ Augen, verfremdete Personen und Objekte durch Extremsichten, Details und starken Anschnitten. Dieses Bild gehört zu den am Bauhaus und außerhalb des Bauhauses vielzählig entstandenen Fotografien des „Neuen Sehens“.

    Weitere Artikel zum Thema

    bauhaus100 Newsletter

    Der Newsletter bauhaus100 informiert in loser Folge über Neuigkeiten rund um das 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses.

      Zum Seitenanfang