Erweiterung des Prellerhauses, Dessau

Edmund Collein, 1928

Bauhaus-Archiv Berlin / © Ursula Kirsten-Collein
"erweiterung des prellerhauses" / Foto-Collage: Edmund Collein, 1928.

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In L-Form baut sich die Studentenwohnmaschine in der Photocollage von Edmund Collein auf. Zusammengezwängt sitzen die Bauhausschüler im „Prellerhaus“, dem Ateliergebäude des Bauhauses, in dem einige Studenten untergebracht waren und wo sich anscheinend auch Gropius’ Bauatelier befand. Beliebig oft dupliziert Collein Fotoeinheiten wie Baumodule, die eine Art Wohnblock entstehen lassen. Er passt sich der stetig wachsenden Studentenschaft an. In dieser „Wohnmaschine“ (wie Le Corbusier die fordistische Idee der industriellen Modulanfertigung nannte) finden sich Verliebte, Individualisten und Avantgardisten, mittenmang wohl oft benutzte Türzettel von Gropius: „Bin nicht zu sprechen“, „Meine Mokkamühle ist bei Schmidtchen“ und letztlich, um das Bauwerk nach oben hin abzuschließen, „Wegen Überfüllung geschlossen“. Obenauf steht eine Art Zirkusdirektor mit überdimensionalen Händen und Hut, der wie ein Dompteur die Insassen bändigt und sie dem Betrachter feilbietet.

In Colleins Photocollage verwirklicht sich die Beweglichkeit modularer Hausabschnitte. Ein weiteres Baumodul findet sich in dem horizontalen Teil des Gebäudes, in dem Mädchen wie zusammengepfercht fröhlich die Fensterscheiben küssen und sich an ihnen die Nasen platt drücken. Diese Fotografie von Walter Hege verwendet Collein gleich doppelt für sein Werk, das Bild der Bauhaus-Studenten in einem Regal für Architekturzeichnungen reproduziert er vierfach.

„Architektur nicht als ein komplex von innenräumen“ verstehen „nicht als starre hülle, als unveränderbare raumsituation, sondern als bewegliches gebilde zur meisterung des lebens, als organischen bestandteil des lebens selbst“, so beschreibt László Moholy-Nagy die Auffassung von Architektur am Bauhaus. Diese generelle „Bauhaus-Idee”, die in Colleins Fotomontage sichtbar wird, verstand sich immer auch als persönliche Lebensform, als individueller Lebensaspekt, der sich wie ein roter Faden durch Privat- und Arbeitsleben zog und sich in einem fließenden Übergang zwischen Lehre und Freizeit, zwischen Ernst und Spaß allgegenwärtig äußerte.

[AG 2015]

  1. Literatur:
  2. László Moholy-Nagy (1929): von material zu architektur, Bauhausbuch Nr. 14, Passau.

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