Hamburg

Hanseatische Moderne

Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com
Chilehaus (1922-1924), Architekt: Fritz Höger

Headline

Neben dem international bekannten und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Kontorhausviertel prägte der Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher in seiner Schaffenszeit die Hansestadt durch zahlreiche weitere städtebauliche und architektonische Werke: So sind die in den 1920er-Jahren entstandenen Siedlungen Jarrestadt oder Dulsberg Planungen, die mit Weitblick auch heute noch sozialen und gestalterischen Anforderungen gerecht werden. Architektonisch zählen öffentliche und kulturelle Bauten ebenso zu seinem Oeuvre wie Bildungs- oder Bürogebäude.

Als Zeitgenosse und Freund Schumachers schuf der Altonaer Bausenator Gustav Oelsner in der damals noch unabhängigen Stadt eines der ehrgeizigsten städtebaulichen Programme der Weimarer Republik: das „Neue Altona“. Kommunaler Wohnungsbau wie der „Wohnblock Lunapark“ oder öffentliche Gebäude wie das „Haus der Jugend“ wurden im Sinne des „Neuen Bauens“ errichtet.

Der Architekt Karl Schneider entwarf in den 1920er-Jahren hochmoderne Landhäuser, Kulturbauten sowie Wohn- und Industrieanlagen Hamburgs, die deutliche Bezüge zum Bauhaus aufweisen. Mit seinem Entwurf zum „Hamburger Kunstverein“ (zerstört) und dem kleinen „Haus Werner“ erreichte er internationales Aufsehen und war 1932 Teil der Ausstellung „Modern Architecture International Exhibition“ im MOMA New York City. Sein „Landhaus Michaelsen“ ist heute Puppenmuseum und weitgehend in seinem originalen Zustand erhalten.

Der Moderne verpflichtet prägten diese und zahlreiche weitere Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten das Bild der Stadt Hamburg in den 1920er- Jahren baukulturell, ohne den Bezug zur Tradition zu verlieren. Ihr Einfluss ist bis in die heutige Zeit in der Stadtentwicklung ablesbar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Bauhausschüler wie Kurt Kranz, Otto Lindig oder Gustav Hassenpflug an der Hochschule für bildende Künste eine Anstellung. Der prägende Bauhausgedanke konnte, trotz der Emigration zahlreicher Protagonisten in der Zeit des Nationalsozialismus, in die Kunstausbildung weitergetragen werden.

Zum 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses geht es um die Entwicklung der Moderne im Kontext der vielfältigen zeitgleichen Strömungen in Architektur, Städtebau und Design, aber auch um andere Künste, die mit den Konventionen ihrer Zeit brechen oder gebrochen haben. In Hamburg bündeln sich 2019 eine Vielzahl kultureller und baukultureller Ereignisse: darunter der 150. Geburtstag Fritz Schumachers, 100 Jahre Hamburger Sezession und 25 Jahre Architektursommer, aber auch 150 Jahre Gartenschau und 150 Jahre Kunsthalle.

Mehr Informationen

Freie und Hansestadt Hamburg

    [AB 2017]

    Weitere Artikel zum Thema:

    Bauhaus Verbund 2019

    Moin Hamburg!

    Der Bauhaus Verbund 2019 freut sich über ein neues Mitglied: die Freie und Hansestadt Hamburg.

    Mehr erfahren
    Foto: Elke Dröscher
    Urbane Strategien im 21. Jahrhundert

    Welt wird Stadt

    Im Jahrhundert der globalen Mega-Urbanisierung wiederholen sich die Fragen, die sich Städteplaner und Architekten bereits vor hundert Jahren stellten. Doch die heutigen Herausforderungen sind größer geworden – und deutlich komplexer. Der Journalist Thorsten Meise geht der Frage nach, was die Lösungen der frühen Modernisten heutigen Stadtplanern zu sagen haben.

    Mehr erfahren
    ELEMENTAL

    Mit Hamburg verbundene Bauhäusler:

    1919–1932 Meister am Bauhaus

    Lyonel Feininger

    Feiniger war einer der ersten Meister, die Gropius 1919 ans Bauhaus holte. Sein Holzschnitt „Kathedrale“ zierte das Titelblatt des Bauhaus-Manifests.

    Mehr erfahren
    Bauhaus-Archiv Berlin / © Zeppelin-Museum / Getty Images / © VG Bild-Kunst Bonn, 2017
    1919–1923 Lehrende am Bauhaus

    Gertrud Grunow

    Die Musikerin hatte eine eigene Musikpädagogik entwickelt, die sich mit der gleichberechtigten, harmonischen Nutzung aller Sinne beschäftigte. Ihren Unterricht besuchten Studenten und auch Meister.

    Mehr erfahren
    Bauhaus-Archiv Berlin
    1930–1933 Studierender am Bauhaus

    Kurt Kranz

    Kranz dachte künstlerisch in Serien, Formgruppen und Varianten. Ob in Gemälden, Fotos, Grafikdesigns oder Experimentalfilmen – ihn interessierten das Spiel der Veränderung und Prozesse der Verwandlung.

    Mehr erfahren
    Stiftung Bauhaus Dessau / Nachlass Siegfried Kühl
    1919–1924 Studierender am Bauhaus / 1924–1926 Leiter Keramik

    Otto Lindig

    Lindig wurde in der Keramikwerkstatt des Bauhauses schnell zur führenden Kraft. Seine und Theodor Boglers Töpfereien und Dekors prägten den Charakter der Bauhaus-Keramik maßgeblich.

    Mehr erfahren
    Bauhaus-Archiv Berlin
    1919–1924 Meister am Bauhaus

    Gerhard Marcks

    Marcks' Leben bestand aus Bildhauerei, Keramik und Holzschnitt. Als Formmeister richtete er die Keramikwerkstatt am Bauhaus ein.

    Mehr erfahren
    Bauhaus-Archiv Berlin / unbekannt
    1929–1933 Meister am Bauhaus

    Walter Peterhans

    Peterhans war ein fotografischer Perfektionist. Seine Stillleben richtete er mit Pinzetten millimeterweise aus. Von seinen Schüler der Fotoklasse verlangte er dieselbe Hingabe zur technischen Vollkommenheit.

    Mehr erfahren
    Bauhaus-Archiv Berlin / Estate Grete Stern, courtesy Galería Jorge Mara - La Ruche
    1921–1923 Meister am Bauhaus

    Lothar Schreyer

    1921 übernahm Lothar Schreyer die Leitung der Bühnenwerkstatt am Bauhaus, das er 1923 nach einem Misserfolg seines kultisch-religiösen Stückes „Mondspiel“ abrupt wieder verließ.

    Mehr erfahren
    Bauhaus-Archiv Berlin
    1929–1931 Studierende am Bauhaus

    Elsa Thiemann

    Einige Bauhaus-Studenten wurden weltberühmt – viele andere blieben weitgehend im Verborgenen. Zu ihnen zählt die Fotografin Elsa Thiemann, die am Bauhaus vollkommen untypische Tapeten entwarf.

    Mehr erfahren
    Bauhaus-Archiv Berlin / unbekannt
    1930–1933 Studierender am Bauhaus

    Hans Thiemann

    Als Kandinskys Schüler entwickelte Thiemann einen Malstil mit surrealistischen Tendenzen. Bei den Berliner „Fantasten“ fühlte er sich künstlerisch beheimatet.

    Mehr erfahren
    Bauhaus-Archiv Berlin / © Margot Schmidt, Nachlass Elsa Thiemann

      Weitere Artikel zum Thema

      bauhaus100 Newsletter

      Der Newsletter bauhaus100 informiert in loser Folge über Neuigkeiten rund um das 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses.

        Zum Seitenanfang