100 jahre bauhaus eröffnet bauhaus imaginista mit einem freudigen „as-salāmu ʿalaikum”! Am 23. März 2018 findet im Goethe-Institut Rabat und im Le Cube – independent art room die erste Veranstaltung des internationalen Ausstellungsprojekts statt. Im Fokus der Podiumsdiskussion steht das Studium lokaler Handwerksformen in der Bauhaus-Moderne und eine Präsentation des in Berlin lebenden Künstlers Kader Attia.

1927 – dreizehn Jahre nach seiner bekannten Tunisreise – zeichnete der Bauhausmeister Paul Klee einen Berber-Kelim und entwickelte mit dieser Zeichnung eine Beziehung zwischen textilem Handwerk, dekorativer Kunst und Abstraktion. Klees Zeichnung ist für bauhaus imaginista: Learning From Ausgangspunkt, um Sammlung, Aneignung und Untersuchung von vormodernen Handwerkspraktiken wie sie von Bauhaus-Lehrenden und -Studierenden praktiziert wurden, aus der Perspektive der globalisierten Gegenwart kritisch zu befragen.

Für bauhaus imaginista: Learning From wird der Französisch-Algerische Künstler Kader Attia eine neue filmische Arbeit produzieren. Seine Recherchen werden in Rabat vorgestellt und diskutiert. Laut Attia, werden nichtwestliche Objekte im Museumskontext ihrer Bedeutung entledigt. Sie werden von ihrer Funktion und damit von unserem Körper und ihrem sozialen Gebrauch getrennt. Kader untersucht in seiner Arbeit für bauhaus imaginista die transkulturelle Dimension von Berberschmuck, bei dem nicht nur Metalle und Edelsteine verwendet wurden, sondern auch Münzen, die von den Kolonialmächten importiert wurden. Die Produktion und der Gebrauch von Kulturgütern ist wie Attia zeigt transkulturellen Begegnungen geschuldet, die eine unvorhersehbare Zirkulation von Bedeutungen in unterschiedliche Richtungen provoziert – ein nie enden wollender Prozess von Aneignung und Wiederaneignung.

Es ist genau dieser Prozess der Zirkulation und der Verwandlung, der für die Radikalisierung der Kunstszene Marokkos zehn Jahre nach der Unabhängigkeit zentral werden sollte. In den 1960er-Jahren griff die Casablanca School die Synthese der Künste und das Werkstattprinzip des Bauhauses auf. Mit der Rückbesinnung auf die soziale Funktion der Künste und der lokalen Handwerkspraxis wurde der Versuch unternommen, Kulturproduktion und Kunstausbildung zu dekolonialisieren. Die koloniale Trennung in höhere, freie und niedere, angewandte Künste sollte überwunden werden. Die Untersuchung von Handwerkspraktiken wurde so zu einer politischen Fragestellung.