Die Schau bauhaus imaginista tritt ihre Weltreise an. Sie will die breite Wirkung der Designschule von den Anfängen bis in die Gegenwart in Kooperation mit vielen internationalen Partnern aufarbeiten, wie die erste Pressekonferenz im November 2017 deutlich macht.

Das SESC Pompéia in São Paulo, Brasilien / Foto: Marco Antonio
Das SESC Pompéia in São Paulo, Brasilien / Foto: Marco Antonio

Moskau, Tokyo und New Delhi sind dabei, Lagos, São Paulo, New York und Berlin ebenso. Das bauhaus imaginista ist ein Global Player. Zur Eröffnung der Pressekonferenz im Berliner Goethe-Institut am 13. November 2017 sprachen Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau und diesjährige Vorsitzende der Bauhaus Kooperation, Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts und Bernd Scherer, Intendant des Haus der Kulturen der Welt.

Viel Zeit für einleitende Worte blieb allerdings nicht, denn das Programm des Ausstellungsprojektes ist umfangreich. Die Kuratorin Marion von Osten (Berlin) und der Kurator Grant Watson (London) stellten wechselseitig die einzelnen Ausstellungskapitel des Programms vor und schickten die anwesenden Journalisten damit gleichzeitig auf eine gedankliche Weltreise.

In vier Kapiteln, die aus unterschiedlichen Formaten wie Ausstellungen, Workshops, Konferenzen oder Podiumsdiskussionen bestehen, geht bauhaus imaginista jeweils von einem spezifischen Bauhaus-Objekt aus: dem Bauhaus-Manifest von 1919 aus der Feder von Walter Gropius, einer Werbeanzeige von Marcel Breuer, einer Zeichnung von Paul Klee und einem reflektorischen Lichtspiel von Kurt Schwerdtfeger. Der besondere Clou: Nicht die Orte sind die einzelnen Kapitel, sondern besondere Themenschwerpunkte.

Im Kapitel „Correspondence“ (Kyoto, Tokyo und New Delhi) beschäftigt sich eine Ausstellung im National Museum of Modern Art in Kyoto (4. August bis 8. Oktober 2018) mit den pädagogischen Ansätzen des Bauhauses. Als Parallelgeschichten moderner Bildungsreformen des frühen 20. Jahrhunderts werden dazu zwei zeitgleich praktizierende, avantgardistische Kunstschulen in Japan und Indien in Bezug gesetzt. Das Kapitel „Designing Life“ (Hangzhou, Moskau, Lagos) legt den Fokus auf die gestaltungstheoretischen Debatten am Bauhaus und ihre Übersetzung in andere kulturelle und politische Kontexte wie etwa in der damaligen Sowjetunion und China. Das Ausstellungskapitel wird gemeinsam mit dem neu eröffneten China Design Museum in Hangzhou (8. April bis 8. Juli 2018) sowie dem Garage Museum of Contemporary Art in Moskau realisiert (11. September bis 30. November 2018). Das dritte Kapitel „Learning From“ (São Paulo, New York, Rabat) zeigt mit einer Ausstellung im SESC Pompéia in Brasilien (10. Oktober 2018 bis 10. Januar 2019) das Interesse des Bauhauses an vormodernen handwerklichen Produktionsweisen und stellt diesem moderne Bewegungen in Nordafrika, Brasilien und Nordamerika gegenüber, die ebenfalls eine Synthese von Handwerk, Kunst und Design verfolgten.

Studie von Takehiko Mizutani zum Simultankontrast (Unterricht Josef Albers), 1927 Deckfarbe auf Karton / Foto: Markus Hawlik,  Bauhaus-Archiv Berlin
Studie von Takehiko Mizutani zum Simultankontrast (Unterricht Josef Albers), 1927 Deckfarbe auf Karton / Foto: Markus Hawlik, Bauhaus-Archiv Berlin

Am Ende führen die vielen Bauhaus-Narrative zurück nach Deutschland, wo sie in einer Abschlussausstellung am letzten Bauhaus-Standort Berlin zu sehen sein werden. Der großen Gesamtschau im Haus der Kulturen der Welt wird ein viertes Ausstellungskapitel mit dem Titel „Undead“ hinzugefügt. Es erkundet das experimentelle Arbeiten mit Licht und Ton, Film und Fotografie am Bauhaus sowie dessen Nachwirkungen für die Visualisierung von Daten, für experimentelle Formen der Gegenwartskunst und für die Popkultur. Zum Abschluss der Präsentation wies Friederike Tappe-Hornborstel, Leiterin Kommunikation der Kulturstiftung des Bundes, noch einmal auf das historische Erbe des Bauhauses und seine zeitgenössische Relevanz hin.

Und worauf spielt nun der Titel der großen Wanderausstellung an? bauhaus imaginista, so die Veranstalter, sei nicht nur eine Referenz an das Bauhaus, sondern entspreche auch dem Potenzial der Schau für eine wahrlich internationale Aufmerksamkeit. Und die dürfte dem Weltenbummler nach Beendigung seiner Reise gewiss sein.

bauhaus imaginista ist eine Zusammenarbeit zwischen der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar, dem Goethe-Institut und dem Haus der Kulturen der Welt (HKW). Das Forschungsprojekt mit verschiedenen Ausstellungsstationen findet anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Bauhauses statt.



[CG 2017]