In den Tagen vom 9. bis zum 10. Januar 2018 fand in Weimar eine Sitzung der Jury zur Grand Tour der Moderne statt. Ziel war es, aus über 460 Vorschlägen Orte in Deutschland zu bestimmen, die anlässlich des Bauhaus-Jubiläums Teil dieser Route werden.

UNESCO-Weltkulturerbe Fagus-Werk, Alfeld an der Leine, Architektur: Walter Gropius und Adolf Meyer / Foto: Hans Wagner, ab 1911. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2018.
UNESCO-Weltkulturerbe Fagus-Werk, Alfeld an der Leine, Architektur: Walter Gropius und Adolf Meyer / Foto: Hans Wagner, ab 1911. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2018.

Sieben Juroren aus den Bereichen Baukultur, Denkmalpflege, Architektur, Journalismus, Kulturvermittlung und Tourismus kamen im Januar im Festsaal des Goethe Nationalmuseums zusammen, um Orte der Moderne aller Bundesländer für die deutschlandweite Reiseroute auszuwählen. Bei ihrer Auswahl stützte sich die Jury auf folgende Kriterien: Das Bauwerk stammt aus dem 20. Jahrhundert, stellt eine besondere Leistung eines wichtigen Architekten dar und bemüht sich um eine Reform von Lebenswelten unter sozialen Aspekten. Weitere Auswahlfaktoren waren technische Innovation im Bereich Konstruktion, Materialien und Herstellungsweisen, neue Bauaufgaben (u.a. Großkraftwerk, Stadium, Stadthalle) sowie städtebauliche Prägnanz des betreffenden Gebäudes.

Die UNESCO-Welterbestätten des Bauhauses und der Moderne galten hierbei von vornherein als gesetzt. Vom Saarland bis nach Brandenburg, von Niedersachsen bis nach Baden-Württemberg beherbergt das ganze Land architektonische Highlights aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die Grand Tour der Moderne wird diese Stätten herausragender Architektur in praktische Reiserouten zusammenfassen und für Besucher aus der ganzen Welt zugänglich machen.

Mit dabei: Die Völklinger Hütte, das einzige vollständig erhaltene Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung. Bis 1976 fast 100 Jahre lang erweitert, wurde die Anlage im saarländischen Völklingen im Jahr 1994 erste UNESCO-Welterbestätte der Moderne in Deutschland. Mit der Zeche Zollverein im nordrhein-westfälischen Essen (erbaut 1930-1932) und dem Bergwerk Rammelsberg im niedersächsischen Goslar (erbaut 1936-1937) gehen gleich zwei weitere Industriekomplexe der dreißiger Jahre auf das Architektenduo Fritz Schupp und Martin Kremmer zurück.

In Weimar fand im Januar 2018 eine Sitzung der Jury zur „Grand Tour“ statt. / Foto: Antje Horn
In Weimar fand im Januar 2018 eine Sitzung der Jury zur „Grand Tour“ statt. / Foto: Antje Horn

Neben dem 1922-1924 von Fritz Höger errichteten Chilehaus in Hamburg und dem Le Corbusier-Haus in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung stehen auch zahlreiche Werke von Bauhäuslern auf der Roadmap der Grand Tour der Moderne: Walter Gropius’ bahnbrechendes Fagus-Werk (1911) im niedersächsischen Alfeld, seit 2011 UNESCO-Welterbe, Georg Muches „Haus Am Horn” im thüringischen Weimar (errichtet im Rahmen der Bauhausausstellung 1923, Welterbe seit 1996) sowie Hannes Meyers Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds ADGB im brandenburgischen Bernau.

Ebenfalls Welterbe und Teil der Grand Tour der Moderne: Das Hauptgebäude der Bauhaus-Universität sowie die ehemalige Kunstgewerbeschule in Weimar von Henry van de Velde, Bruno Tauts Siedlungen der Moderne in der Hauptstadt Berlin (1925-1933, UNESCO seit 2008) und natürlich Gropius’ legendäres Bauhausgebäude und die Meisterhäuser im sachsen-anhaltinischen Dessau (errichtet in den Jahren 1925-1926).

Die Grand Tour der Moderne verbindet die sinnliche Erfahrung des Reisens mit der Lust an der Entdeckung und dem Verstehen von Geschichte und Gegenwart. Die ausgewählten Orte werden zu einer attraktiven Reiseroute verbunden, die mit der Bahn, dem Auto oder dem Fahrrad erfahren werden kann.

 

[NF 2018]