Die Grand Tour der Moderne können Interessierte bald auf einer Homepage verfolgen. Hier sind alle Orte der Moderne – zusammengestellt von einer Fachjury – aufgelistet. Touristisch vermarktet werden von diesem Destillat dann noch einmal 100 Orte. Diese können Architekturinteressierte dann im Jubiläumsjahr auf eigens zusammengestellten Reiserouten besuchen.

Haus Schminke, Architektur: Hans Scharoun, 1932–33, Foto: Ralf Ganter. Stiftung Haus Schminke.
Haus Schminke, Architektur: Hans Scharoun, 1932–33, Foto: Ralf Ganter. Stiftung Haus Schminke.

Dass auch kleinere, unbekannte „Orte der Moderne” mit zur Auswahlliste der Grand Tour gehöre, darüber war sich die handverlesene Jury aus den Bereichen Baukultur, Denkmalpflege, Architektur, Journalismus, Kulturvermittlung und Tourismus einig. Eine oder mehrere große Touren sollen Interessierte im Jubiläumsjahr des Bauhauses 2019 durch Deutschland an Orte führen, an denen herausragende Gebäude der Moderne – zwischen 1900 und 2000 erbaut – stehen. Die Grand Tour der Moderne – so der Name des Projekts – ist eines der Aushängeschilder der groß angelegten Jubiläumskampagne, die vom Bauhaus Verbund 2019, dem Zusammenschluss aller drei landeseigenen Bauhaus-Stätten lanciert wird.

Die Kriterien für dieses visionäre Vorhaben hatte die Jury im Vorfeld festgelegt: Eine Reform von Lebenswelten unter sozialen Aspekten sollte an diesen Orten stattgefunden haben, die besondere Leistungen eine wichtigen Architekten erkennbar sein sowie neue Bauaufgaben – auch im Zuge des Lebensreformgedankens – bewältigt worden sein. Weiterhin spielen städtebauliche Prägnanz und der Vermittlungsaspekt eine Rolle – und letztendlich sind Zugänglichkeit und Begehbarkeit entscheidende Kriterien.

Zeche Zollverein, Essen / Foto: © TILLMANN FRANZEN, TILLMANFRANZEN.COM
Zeche Zollverein, Essen / Foto: © TILLMANN FRANZEN, TILLMANFRANZEN.COM

Nicht leicht gemacht habe es sich die Jury, berichtet Antje Horn, Projektleiterin der Grand Tour, mehrmals getagt habe man und zum Schluss – nicht zu zu jedermanns Zufriedenheit einen Kompromiss gefunden: Von 460 Einreichungen und Vorschlägen aus allen 16 Bundesländern hat man eine Liste mit mehr als hundertfünfzig Orten zusammengestellt, ein architekturwissenschaftliches Destillat also dessen, was sich Experten hierzulande als „Ort der Moderne“ vorstellen. Von Anfang an dabei: Alle Unesco-Weltkulturerbestätten, wie etwa die Weißenhofsiedlung in Stuttgart, die Völklinger Hütte im Saarland oder der Zeche Zollverein in Essen. „Eine gesunde Mischung von Orten, die bekannt sind und neue Entdeckungen“ sagt Antje Horn über die Auswahl.

In Form einer Projekt-Homepage im Netz sollen die ausgewählten Orte dann auch möglichst niederschwellig zugänglich gemacht werden. Materialien zu den einzelnen Objekten seien geplant, man solle Querverbindungen zwischen einzelnen Architekten ziehen können und Zeitabschnitte nachvollziehen können. Ein Filtern etwa nach Bundesländern, Namen oder Architekturstilen ist ebenfalls vorgesehen.

Eine Fortsetzung dieser Vision ist nur unter einem weiteren Aspekt denkbar und ist, dank eines im 21. Jahrhundert gut ausgebauten Netzwerkes bereits in vollem Gange: Die Zusammenarbeit mit regionalen, überregionalen und sogar internationalen Touristikern. Unter dem Motto „100 Jahre – 100 Orte” werden sich nun, erklärt Antje Horn das weitere Vorgehen, in einem nächsten Schritt 100 Orte aus der Juryliste herauskristallisieren, die – beispielsweise über die Deutsche Zentrale für Tourismus – vermarktet werden. Geplant ist, den Besuchern immer wieder die Gelegenheit zu geben, vertikal in die Erzählung der Grand Tour einzusteigen. So sind etwa Teilrouten für Wochenendbesucher in Planung, Bildungsreisen zu den sogenannten Kernländern – also den Ländern, in denen sich Cluster bilden lassen und besonders viele Orte auffindbar sind.

„Manche Orte wollen nun nur zu bestimmten Bedingungen mitmachen” erzählt Horn. Da sollen Führungen organisiert und Infrastruktur geschaffen werden. Jedes Objekt erzählt eben eine andere Geschichte und jedes – und das wird die gigantische Aufgabe des Projektes bis zum Jubiläum sein – braucht eine Individuallösung.

[CG 2018]