Die Walter-Gropius-Schule in Berlin-Neukölln war bei ihrer Fertigstellung 1968 die erste Gesamtschule Deutschlands. Während einer Festwoche wurde nun ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert – Anlass für die Berliner Bauhaus Agenten, vor Ort Einblick in ihre Projektarbeit zu geben.

Für die Schüler der Walter-Gropius-Schule Berlin Neukölln war der Jahrestag der Fertigstellung ihrer Schule Grund zu feiern und zu zeigen, wie sie sich in der Tradition und mit den Ideen des Bauhauses beschäftigen. / Foto: Schüler der Schule
Für die Schüler der Walter-Gropius-Schule Berlin Neukölln war der Jahrestag der Fertigstellung ihrer Schule Grund zu feiern und zu zeigen, wie sie sich in der Tradition und mit den Ideen des Bauhauses beschäftigen. / Foto: Schüler der Schule

Die Walter-Gropius-Schule ist eine der acht Berliner Partnerschulen im Bauhaus Agenten Programm. Sie liegt in der Gropiusstadt, die im Süden Berlins zwischen 1962 und 1975 im heutigen Bezirk Neukölln errichtet wurde und derzeit etwa 36 000 Einwohner hat. Chefplaner war Walter Gropius, der ursprünglich ein ganzheitliches Konzept verfolgte, das in Architektur und Anlage den sozialen Ideen des Bauhauses folgen sollte. Sein Gesamtkonzept zerfiel im Planungsprozess in Teilkonzepte, was zu großen Abweichungen von der ursprünglichen Idee führte. Der Stadtteil gilt heute als ein wesentlicher Beitrag zur architektonischen Moderne. Exemplarisch sind besonders das halbrunde Gropius-Haus, das 31 Stockwerke hohe IDEAL Wohnhochaus und auch die Walter-Gropius-Schule, die 1968 als erste Gesamtschule Deutschlands eröffnete.

Heute lernen etwa 1.000 Schülerinnen und Schüler an der Schule – und feierten vom 20. bis zum 22. Juni auch ihr Schuljubiläum. Mit dabei waren auch die Berliner Bauhaus Agenten, die seit dem Schuljahr 2016/17 verschiedene Formate der Bauhaus-Vermittlung testen. Vier Projekte werden momentan aktiv verfolgt und wurden bei der Jubiläumswoche bereits exemplarisch präsentiert: das Bauhaus Curriculum, zwei Audiowalks und Gestaltungsworkshops mit den Schwerpunkten Fotografie und Optische Farbmischung.

Bauhaus Curriculum

Ziel des in der letzten Woche im Rahmen einer Ausstellung vorgestellten Projekts Bauhaus-Curriculum ist beispielweise die gemeinsame Erarbeitung von fächerübergreifenden Bauhaus-Vermittlungsmaterialien für Schule und Museum. Entstehen wird am Ende der Arbeit ein interdisziplinärer, alters- und fächerübergreifend funktionierender Baukasten zum Thema Bauhaus. 

Bauhaus Curriculum startete im April 2017 mit einer 4. Klasse und wurde in diesem Schuljahr mit der gleichen Gruppe und Schülern höherer Klassenstufen fortgesetzt. In dieser ersten Phase befassten sich die Kinder und Jugendlichen mit Themen wie Linie, Fläche, Farbe, Form und Architektur. Gemeinsam mit den Lehrern Frau Schönbier und Frau Baum, der Illustratorin Doro Petersen, der Bauhaus Agentin Anja Edelman und der Architektin und Bauhaus Agentin Maria Ricci entwickeln sie im Anschluss didaktische Unterrichtsmaterialien, um fachübergreifend — und wenn möglich auch spielerisch — Themen behandeln zu können. Dabei greifen Methoden, die direkt aus der Bauhaus-Pädagogik wie zum Beispiel dem Unterricht in den Vorkursen, übernommen werden oder davon inspiriert sind.

Linie, Fläche, Farbe, Form und Architektur – kreative, fächerübergreifende Übungen und Visualisierungen der Schüler bei der Erarbeitung von Vermittlungsmethoden und -materialien. / Fotos: Catrin Schmitt
Linie, Fläche, Farbe, Form und Architektur – kreative, fächerübergreifende Übungen und Visualisierungen der Schüler bei der Erarbeitung von Vermittlungsmethoden und -materialien. / Fotos: Catrin Schmitt

Audiowalks

Dem zweiten Projekt – Audiowalk – liegt das multisensorische Erforschen von Schul-, Stadt- und Museumsraum zugrunde. Gemeinsam mit dem Musikkünstler Alexandre Decoupigny haben Schüler der Gropius-Schule bereits zwei Audiowalks realisiert. Das mehrere Schuljahre andauernde Forschungsprojekt mit dem Titel „Walter Gropius Schule Stadt Museum“ nutzt als thematische Klammer Gropius‘ Architektur. Die Kinder und Jugendlichen tasten sich von der Schule, in die Stadt, ins Museum vor. Am Ende des noch andauernden Prozesses wirken die Schüler mit an einer auditiven Raum- und Zeitgestaltung, die eine Hyperrealität aus komponiertem Inhalt und vor Ort Geschehen entstehen lässt. Bei diesem Projekt arbeitet Alexandre Decoupigny eng mit den Musik-Fachlehrern Musik Frau Stengl-Kruhl und Herr Topp zusammen.

Schüler erprobten im Rahmen der Festwoche an der Walter-Gropius-Schule ihre Audiowalks in und vor der Schule. / Fotos: Maria Ricci
Schüler erprobten im Rahmen der Festwoche an der Walter-Gropius-Schule ihre Audiowalks in und vor der Schule. / Fotos: Maria Ricci

Parallel zu Bauhaus Curriculum und der Entwicklung der Audiowalks sind auch die Workshops über das virtuelle Volumen (mit dem Fotografen Falk Weiß) und zur optischen Farbmischung (mit Doro Petersen) in vollem Gange: Sie nehmen zum einen die experimentelle Fotografie am Bauhaus und am New Bauhaus Chicago auf und orientieren sich zum anderen an der Arbeit von Ludwig Hirschfeld-Mack, der sich intensiv mit Farblehre und Farbexperimenten befasste. Auch hier sind die Klassen- und Kunstlehrerin Hanne Schönbier sowie die Kunstlehrerinnen Frau Baum und Frau Brotherton eng in die Arbeit einbezogen.

Die vorgestellten Projekte werden an der Schule weiter vorangetrieben und Ergebnisse in der Praxis getestet. Wir freuen uns schon jetzt auf die Abschlusspräsentationen und berichten auf Facebook und Instagram über die Entwicklung.

[KL 2018]

 

Versuchsanordnungen aus dem Workshop zum virtuellen Volumen. / Foto: Hanne Baum
Versuchsanordnungen aus dem Workshop zum virtuellen Volumen. / Foto: Hanne Baum