Die beiden Berliner Agenten arbeiten mit ihren acht Schulen stark in Netzwerken und Kooperationen. Neben dem von ihnen initiierten Bauhaus Agenten Partnerschul Netzwerk Berlin arbeiten sie unter anderem an einem Bauhaus Curriculum, an dem Konzept einer grund_schule der künste und an der Frage „Wie wollen wir leben?“

Graphic Recording beim Projekt „Die Stadt als Lernraum“, Team constructlab / Foto: Anne Kathrin Greiner, 2017
Graphic Recording beim Projekt „Die Stadt als Lernraum“, Team constructlab / Foto: Anne Kathrin Greiner, 2017

Wie wollen wir leben?

Das historische Bauhaus hat mit seinen neuen Lehransätzen die Lernkultur nachhaltig geprägt, in dem es die Wahrnehmungsschulung und das Experiment in den Vordergrund gestellt hat und damit nicht zuletzt zur großen Erfolgsgeschichte des Bauhaus bis heute beigetragen hat. Ausgehend von den zentralen Fragen des Bauhaus haben wir uns in unterschiedlichen Gruppen von Schülern, Lehrern und Künstlern aufgemacht, Ideen und erste Ansätze für die Zusammenarbeit von Schule und „Bauhaus im Museum und Stadtraum“ zu entwickeln.

Forschung 1: Die Stadt als Lernraum - Lernbauhütten errichten und die Stadt erobern.

Im Auftaktworkshop „Die Stadt als Lernraum“ haben wir die Frage nach dem idealen Lernort ins Zentrum unserer Forschung gestellt. Wo und wie lernt man was am besten? Was für Räume braucht es fürs Lernen? Was wäre, wenn das Museum und die ganze Stadt zum Lernraum würden? Welche Orte würden wir nutzen? Welche Rolle können die unterschiedlichen Orte spielen? Wer kann was dabei lernen? Mit der Workshop-Methodik Design Thinking haben wir erste Ergebnisse entwickelt, die in Projekten an den einzelnen Schule weiterentwickelt und umgesetzt werden.

Projektinformation:

Beteiligte: Lehrer und Schüler des Schulnetzwerks Berlin
Künstler: Team constructlab (a platform for social design to build projects):
Alexander Römer, Licia Soldavini, Maria Garcia, Patrik Hubmann, Jan Körbes
Zeitraum: Juni 2017
Bauhaus Agentin: Anja Edelmann

[AE 2017] 

 

Forschung 2: Wie wollen wir leben? – „Mein Tiny“, der Bauhaus Campus und Van Bo Le-Menzel

„Beginnt mit dem Unmöglichen und zensiert Eure Gedanken nicht schon bevor ihr zu gestalten beginnt. Vor hundert Jahren hätte man die Forderung nach kostenloser Schulbildung für alle auch für eine Utopie gehalten und heute ist das ganz normal für uns. Also denkt groß!“ Mit dieser Einführung stellte Van Bo sein Projekt Bauhaus Campus den Teilnehmern aus den Schulen vor. „Gestalte (D)einen Wohnraum auf sechs Quadratmetern - Du hast fünf Minuten und ein DinA5-Post-It als Grundriss zur Verfügung!“ lautete der erste Auftrag an die Schüler und Lehrer der Netzwerkschulen. Es wurde erst gestöhnt, dann überlegt und zuletzt konzentriert skizziert.

Die Vorstellung der Ergebnisse der einfachen Grundrissskizzen führten uns schnell in eine Diskussion zu den zentralen gesellschaftlichen Fragen unsere Zeit, wie eine menschenwürdige Unterbringung von so vielen Geflüchteten, Wohnraumknappheit in den Ballungszentren und der Forderung nach erschwinglichem Wohnraum für alle. Mit diesen Fragen im Kopf führte Van Bo uns dann über den Bauhaus Campus und stellte die gedanklichen Ansätze der Künstlergruppen der unterschiedlichen Tinies vor: das Tiny 100, das Cafe Grundeinkommen, den Workshop on wheels … Am Ende des Workshops setzten die Teilnehmer ihre Ideen zu einem Tiny House gemeinsam als „Kadabre Exquisit“ um, in dem sie ihre Skizze immer wieder nach einer Minute weiterreichten und an den Ideen der Vorgänger weiterarbeiteten.

Projektinformationen:

Beteiligte: Lehrer und Schüler des Schulnetzwerks Berlin
Künstler: Van Bo Le-Menzel
Zeitraum: Juni 2017
Bauhaus Agentin: Anja Edelmann

[AE 2017] 

 

Bau eines Ikosaeders als Material für das Experimentieren mit Ort und Raum / Foto: Friederike Holländer / Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, 2017
Bau eines Ikosaeders als Material für das Experimentieren mit Ort und Raum / Foto: Friederike Holländer / Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, 2017

Ort & Raum

In ihrem Masterstudium im Rahmen des Lehr- und Forschungsmodells der grund_schule der künste der UdK Berlin, einem Bildungsraum an der Schnittstelle von Hochschule, Schule und Kulturinstitution, beschäftigten sich Lehramtsstudierende der Universität der Künste der Gestaltung von Lernumgebungen.

An vier Tagen eines Blockseminars im Juli 2017 setzten sie sich mit dem Begriffen „Ort“ und „Raum“ auseinander, erprobten Methoden des Ästhetischen Forschens in Bezug auf Raumwahrnehmung und Raumerfahrung, befragten künstlerisch Innen- und Außenräume, analysierten gestaltete und ungestaltete Lernumgebungen, visualisierten Gedankenräume, setzten Raumerfahrungen in Sprache um, lernten Methoden der Raumbildung kennen, erforschten Zusammenhänge zwischen Weg und Ort, Material und Raum und reflektierten ihre Beobachtungen und Erkenntnisse.

Das Seminar „Ort und Raum“ fand abwechselnd im Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung und der grund_schule der künste statt. Am konkreten Beispiel der beiden sehr unterschiedlichen Lernorte Museum und Hochschule konnten die Studierenden sich mit der Wirkung von Räumen in Bezug auf Lernerfahrungen und Impulse für eigene künstlerische Gestaltung auseinandersetzen. Über das Seminar konnten Möglichkeiten der Kooperation von Museum, Schule und Hochschule im Hinblick auf die Entwicklung eines langfristigen Vorhabens der Carl-Kraemer-Schule im Rahmen des Bauhaus Agenten Programms, der Konzeption eines Curriculums für eine „Grundschule für Gestaltung“ ausgelotet werden, in das die Erfahrungen und Ergebnisse des Seminars einfließen sollen.

 

Projektinformationen:

Beteiligte: Studierende der grund_schule der künste der UdK Berlin, Prof. Dr. Kirsten Winderlich, UdK Berlin
Projektverantwortliche Lehrerin: Gabriele Sagasser
Zeitraum: Juli 2017
Bauhaus Agentin: Friederike Holländer

[FH 2017]