In Weimar zielen die Projekte der drei Bauhaus Agenten darauf, Zugänge zum Bauhaus zu erschließen und Bauhaus-Vermittlung im Museum neu zu denken. Hier eine Projektauswahl zur Produktion von Keramikformen, zum Experimentieren mit Licht, zur Entwicklung und Umsetzung eines interaktiven Vermittlungsraums in einer Ausstellung.

Exkursion zur Weimarer Porzellanmanufaktur nach Blankenhain / Foto: Regina Cosenza / Klassik Stiftung Weimar, 2017
Exkursion zur Weimarer Porzellanmanufaktur nach Blankenhain / Foto: Regina Cosenza / Klassik Stiftung Weimar, 2017

Formen – Forscher – Exkursion

Wie und wo produzierten die Bauhäusler vor fast 100 Jahren ihre Keramik-Formen? Und ist das vergleichbar mit der Art, wie heute Geschirr produziert wird? Diesen Fragen gingen Schüler der Christian-von-Bomhard-Schule Uffenheim, Bayern, mit den Bauhaus Agenten nach. Dafür reisten sie zur historischen Keramikwerkstatt des Bauhaus nach Dornburg, sowie zur Weimarer Porzellanmanufaktur nach Blankenhain.

Die Idee für dieses Projekt entstand aus der Verbindung zweier Herausforderungen, mit denen sich die Bauhaus Agenten beschäftigen. Zum einen: Wie können wir im Museum Produktionsprozesse zeigen und vermitteln? Die Bauhausobjekte selbst verraten meist nur dem geschulten Auge wie sie produziert wurden, doch lässt sich das Bauhaus ohne den Blick auf die tatsächliche Produktion nur bedingt erfassen. Zum anderen: Wie können Berufsorientierung an Schulen und Vermittlungsprojekte zum Bauhaus miteinander verbunden werden? Aus diesen beiden Herausforderungen entwickelten die Bauhaus Agenten Weimar die Idee der Reporterausflüge.

Die Schüler schlüpften auf ihrer Entdeckungstour in die Rolle junger Reporter. Ausgestattet mit Kameras, Tonaufnahmegeräten und tausend Fragen machten sie sich auf die Reise. Begleitet wurden sie von Florian Froger und Marcus Glahn, zwei Video- und Fotokünstlern von der Bauhaus Universität Weimar. Mit ihrer Hilfe dokumentierten sie die beiden Produktionsorte und hielten ihre Erlebnisse in Bild und Ton fest. Am Ende der Projektwoche konnten sie ihre Materialien, geschnitten zu einem ersten Making-of- Clip, der Öffentlichkeit präsentieren. Besonders spannend war dabei der Vergleich früherer und heutiger Produktionstechniken.

Neben dem Making-of-Clip wurden im Anschluss an die gemeinsame Woche noch vier weitere Clips aus den Materialien entwickelt, die während der Sonderausstellung „Wege aus dem Bauhaus – Gerhard Marcks und sein Freundeskreis“ im Formlabor, der temporären Vermittlungswerkstatt der Bauhaus Agenten, gezeigt werden. Die Clips zeigen Besuchern des Formlabors Geschichte und Abläufe beider Produktionsstätten. Der erste Testdurchlauf der Reporterausflüge hat Lust auf mehr gemacht und die Bauhaus Agenten Weimar wollen in den nächsten Jahren mit Schülern weitere Produktionsorte erkunden.

 

Projektinformationen:

Beteiligte: Schüler der 6.-7.Klasse Christian-von-Bomhard-Schule Uffenheim
Künstler: Florian Froger, Marcus Glahn
Zeitraum: Juli 2017
Bauhaus Agentin: Valerie Stephani

[VS 2017]

 

Besprechung der Experimente an einer großen Rückprojektionsfläche / Foto: Johannes Siebler / Klassik Stiftung Weimar, 2017
Besprechung der Experimente an einer großen Rückprojektionsfläche / Foto: Johannes Siebler / Klassik Stiftung Weimar, 2017

Lichtformer – Eine Projektwoche an der Parkschule Weimar

Licht an! Es blinkte und blitzte, farbige Formen entstanden und verschwanden. Während der Projektwoche an der Parkschule Weimar experimentierten 17 Schüler des Natur und Technik Kurses mit Licht und Schatten, Raum und Farbwirkung, Reflexion und Lichtbrechung. Inspiriert von historischen Licht- und Raumexperimenten der Bauhäusler arbeiteten die Schüler wissenschaftlich forschend und künstlerisch zugleich.

An insgesamt sechs Stationen konnten unterschiedliche Lichtexperimente durchgeführt werden. So gab es zum Beispiel die Möglichkeit an einer großen Rückprojektionsleinwand ein eigenes Form-Theaterstück zu entwickeln. An weiteren Stationen konnte die Tiefe des Raums visuell manipuliert oder eine sich drehende Reflexionskugel mit unterschiedlichen Lichtquellen bespielt werden. Overheadprojektoren wurden zur Erstellung von Stop-Motion Clips und dem Experimentieren mit Formüberlagerungen verwendet.

Ausgestattet mit Ipads dokumentierten die Schüler ihre visuellen Erzeugnisse und erstellten daraus aufregende Videokompositionen. In Forschertagebüchern hielten die Schüler persönliche Erfahrungen und wissenschaftliche Beobachtungen fest. Hier werden die vielfältigen Verbindungen der aktuellen Produktionen mit Ansätzen und Ideen des historischen Bauhaus sichtbar. In einer grandiosen Abschlussshow wurden die Ergebnisse den Klassenkameraden vorgeführt und mit einem tosenden Applaus belohnt.

Die erprobten Methoden und Techniken dienen als Ideengeber für mögliche Hands-On Stationen im Ausstellungsbereich des neuen Bauhaus Museums und werden in weiterführenden Aktionen im Stadtraum und bei Festen im Bauhaus Kontext zur Anwendung kommen. Im Projekt wurde erprobt, wie fächerübergreifendes Arbeiten auch mit MINT Fächern im Bauhaus Kontext funktioniert und welche Ausstattung für die Durchführung von Lichtexperimenten in der zukünftigen Vermittlungswerkstatt im Bauhaus Museum benötigt wird. Die Erkenntnisse aus dem Projekt fließen direkt in die weitere Entwicklung von Vermittlungsangeboten ein.

 

Projektinformationen:

Beteiligte: Parkschule Weimar, Natur und Technik Kurs der 9ten Klassen
Künstler/Gestalter vor Ort:  Leander Leinenbach (Architekturstudent), Leonie Lindl (Studentin Visuelle Kommunikation)
Projektzeitraum: Mai bis Juni 2017
Projektverantwortliche Lehrer: Gabriele Schreiber (Konzeption und Durchführung), Steffen Körner (Konzeption)
Bauhaus Agent: Johannes Siebler

[JS 2017]

 

Eröffnung des „Schönheits.Labor: Winckelmann – Bauhaus – Gegenwart“ / Foto: Candy Welz / Klassik Stiftung Weimar, 2017
Eröffnung des „Schönheits.Labor: Winckelmann – Bauhaus – Gegenwart“ / Foto: Candy Welz / Klassik Stiftung Weimar, 2017

Schönheits.Labor: Winckelmann – Bauhaus – Gegenwart

17 Schüler des Weimarer Goethegymnasiums waren eingeladen, für die Ausstellung „Winckelmann. Moderne Antike“ im Neuen Museum Weimar einen interaktiven Vermittlungsraum zu entwickeln und darin eigene Objekte zu präsentieren. Nach der Methode des Ästhetischen Forschens sollten sie eigene Fragestellungen innerhalb des Themenkomplexes „Schönheit“ bei Winckelmann, dem Bauhaus und gegenwärtigen Vorstellungen finden und sich damit in einer künstlerischen Arbeit auseinandersetzen. Unter Gesichtspunkten wie Abstraktion, Funktionalität, Normierung, Selbstoptimierung oder der Formulierung neuer Regelwerke lieferte das Bauhaus eine Vielzahl an unerwarteten Ausgangspunkten für die Arbeit an und mit (aktuellen) Vorstellungen von Schönheit.

Über mehrere Monate hinweg entstanden 17 Arbeiten, die auf ganz unterschiedliche Weise den Besucher ansprechen und zum Mitmachen einladen: Zum Beispiel ein „Tagebuch der Schönheit“, das Gäste fortführen können, eine Installation, an der man „Die Schönheit der Gedanken“ hinterlassen kann oder den „Spiegel der Gesichtsvermessung“, vor dem man das eigene Gesicht mit Modellen zur Gesichtsvermessung aus verschiedenen Zeiten vergleichen kann.

 Neben den Inhalten des Raums wurde auch die Ausstellungsarchitektur und -gestaltung zusammen mit den Schülern entwickelt und in der Ausstellung eingerichtet. So entstand ein eigener Ausstellungsaufbau mitten im Aufbau der Gesamtausstellung. Die Schüler waren dabei Kuratoren, Künstler und Ausstellungstechniker in einem.

Ein tolles Ergebnis! Über die Arbeit am Projekt haben die Schüler ein komplett neues Verhältnis zum Museum bekommen. Das Schönheits.Labor. ist integraler Teil der Winckelmann Ausstellung und seines Vermittlungsprogramms, ein Gewinn für alle Besucher der Ausstellung. Durch Videobeiträge konnte über die sozialen Netzwerke eine größere Öffentlichkeit erreicht werden. Und nicht zuletzt hat dieses Projekt auch für die beteiligten Kuratoren das Potential erschlossen, das in der Zusammenarbeit eines Museums mit Schülern liegen kann.

 

Zum Schönheits.Labor ist ein Reader entstanden. Weitere Beiträge zum Projekt.

Videos: Vorbereitung des Vermittlungsraums zur Winckelmann-Ausstellung in Weimar und  der fertige interaktiver Vermittlungsraum zur Ausstellung „Winckelmann. Moderne Antike

 

Projektinformationen:

Beteiligte: Kunstkurs der Jg. 11 des Goethegymnasiums Weimar
Projektverantwortliche Lehrerin: Kerstin Gorke
Künstler: Roy Müller
Kulturvermittlerinnen Klassikstiftung: Sophia Gröschke, Marit Haferkamp
Zeitraum: 10.2016 bis 04.2017
Bauhaus Agent: Johannes Siebler

[SG/JS 2017]