Das Bauhaus Museum Dessau öffnet seine Tore: Ab Juli 2018 kann der Rohbau im Herzen des Stadtparks zu regelmäßigen Terminen öffentlich besichtigt werden. Diese Woche findet ein erster Rundgang unter Leitung des Architekten Roberto Gonzáles statt.

Projektleiter Frank Assmann (Stiftung Bauhaus Dessau) ist regelmäßig auf der Baustelle des neuen Museums. / © Stiftung Bauhaus Dessau
Projektleiter Frank Assmann (Stiftung Bauhaus Dessau) ist regelmäßig auf der Baustelle des neuen Museums. / © Stiftung Bauhaus Dessau

Die Stadt Dessau fast 90 Jahre nach der Schließung des Bauhauses um ein weiteres Bauhausgebäude zu bereichern, mag für die einen wie ein Sakrileg, für die anderen wie ein überflüssiger Mumpitz angemutet haben. Stehen doch trotz Nationalsozialismus, Weltkrieg und Formalismusstreit die meisten Bauhausbauten noch immer in der ehemaligen anhaltinischen Residenzstadt.

Im Vorfeld des großen Jubiläums aber wurde klar: Weder im Bauhausgebäude noch in den Meisterhäusern oder gar in der Siedlung Dessau-Törten steht ausreichend Raum zur Verfügung, um im Jubiläumsjahr 2019 und darüber hinaus die weltweit zweitgrößte Bauhaussammlung der wachsenden Besucherzahl angemessen zu präsentieren. Die Lösung, ein eigener Museums-Neubau, lag auf der Hand. Am Donnerstag den 14. Juni 2018 ist dessen Rohbau erstmals im Rahmen einer Architektenführung öffentlich zu besichtigen.

Im Obergeschoss wird derzeit noch am Rohbau gearbeitet. / © Stiftung Bauhaus Dessau
Im Obergeschoss wird derzeit noch am Rohbau gearbeitet. / © Stiftung Bauhaus Dessau

Die Baustelle des neuen Bauhaus Museums Dessau ist derzeit selbst so etwas wie eine Lehrstätte baulicher Logistik. Dieser Umstand ist dem zeitlichen Druck geschuldet, unter dem der Bau derzeit aus dem Boden des Dessauer Stadtparks schießt. Um rechtzeitig zum großen Eröffnungsfeier im Bauhausjahr 2019 betriebsbereit zu sein, entschloss sich der Bauherr, die Stiftung Bauhaus Dessau, zu einer ungewöhnlichen Symphonie der einzelnen Gewerke.

Und so kommt es, dass derzeit in einigen Räumen des Untergeschosses die Technikinstallation schon vollendet ist, während im Obergeschoss noch Beton gegossen wird und die Glasfassade bereits kurz vor der Montage steht. Aufregend oder gar hektisch geht es trotz allem – oder gerade deshalb – nicht zu auf dieser vielleicht elegantesten Baustelle der deutschen Gegenwart.

Die lichtdurchfluteten Seitenflügel des zukünftigen Bauhaus Museums Dessau sind für Verwaltung und Veranstaltungen reserviert. / © Nicolas Flessa
Die lichtdurchfluteten Seitenflügel des zukünftigen Bauhaus Museums Dessau sind für Verwaltung und Veranstaltungen reserviert. / © Nicolas Flessa

Grund für das hohe ästhetische Vergnügen ist nicht etwa der Versuch, dem Bauhaus auch architektonisch ein neues Denkmal im Herzen der Stadt zu errichten. „Wir bauen hier keine Neue Nationalgalerie“, antwortet Projektleiter Frank Assmann routiniert auf die Frage der Besucher, wie viel von dem Wunsch des Architekten Roberto Gonzáles von addenda architects (Barcelona) übrig geblieben ist, Mies van der Rohe zu aktualisieren und gewissermaßen weiterzutreiben.

„Sowohl Herr Gonzáles als auch unser Haus waren sich rasch einig, dass es hier um einen funktionalen Museumsbau gehen muss, der sich auch gestalterisch in erster Linie an den Bedürfnissen der Sammlungspräsentation orientiert“, so der Leiter der Bauabteilung der Stiftung Bauhaus Dessau. Dass dieser pragmatische Ansatz nicht zu einer Minderung des ästhetischen Genusses führen muss, ist am Ende vielleicht mehr Bauhaus als das Zitat einzelner Bauteile oder vermeintlicher Stilelemente der berühmten Hochschule für Gestaltung.

Das zentrale Erdgeschoss dient ab September 2019 als Eingangs- und Verteilerraum, aber auch als Foyer, Cafe und Ort für wechselnde Ausstellungen und Events. / © Stiftung Bauhaus Dessau
Das zentrale Erdgeschoss dient ab September 2019 als Eingangs- und Verteilerraum, aber auch als Foyer, Cafe und Ort für wechselnde Ausstellungen und Events. / © Stiftung Bauhaus Dessau

Wie der Rundgang durch das derzeit noch von zahlreichen Stützen getragene Museumsskelett offenbart, ist nicht nur die Lage des Neubaus vis a vis der Dessauer Ratsgasse das Ergebnis äußerster Rationalität und Effizienz: So wie die gläserne Eingangshalle auch nach Eröffnung des Museums die kostenlose Passage in den Stadtpark ermöglichen wird, sind auch die einzelnen Bauteile flexibel bis zur architektonischen Demut.

Große, individuell aufteilbare und damit vielseitig bespielbare Räume mit einer monumentalen Deckenhöhe vermitteln dem Besucher schon jetzt den Eindruck eines intelligenten Dialogs zwischen dem Mythos und der Mission des zukünftigen Museumsgegenstands. Die Umkehrung von hermetischer Unterwelt (Black Box im Obergeschoss) und lichtdurchfluteter Transparenz (Bauhaus Arena im Erdgeschoss) verleiht dem schlichten Bau eine zusätzliche räumliche Dynamik.

Noch sind Helme und Baustellenschuhe im Bauhaus Museum Dessau für Besucher obligatorisch. / © Nicolas Flessa
Noch sind Helme und Baustellenschuhe im Bauhaus Museum Dessau für Besucher obligatorisch. / © Nicolas Flessa

Wer die Führung am 14. Juni verpasst, hat ab Juli übrigens jeden 1. Sonntag im Monat die Chance, sich persönlich den Baufortschritt vor Augen führen zu lassen. Assmann und weitere Guides stehen dann den ganzen Tag über in mehreren Führungen den Fragen der Baustellenbesucher zur Verfügung.

 

[NF 2018]