In Weimar, der Geburtsstätte des Bauhauses, findet sich die älteste autorisierte Bauhaus-Sammlung. Ihren Grundstock verdankt sie einer Auswahl, die von Walter Gropius im Jahre 1925 maßgeblich getroffen wurde. Es grenzt an ein Wunder, dass diese Kollektion nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht wie zahllose andere Kunstwerke der Moderne beschlagnahmt wurde, sondern im Depot erhalten blieb.

Blick in die Dauerausstellung des Bauhausmuseums Weimar, Foto: Jens Hauspurg, 2010. Klassik Stiftung Weimar.
Blick in die Dauerausstellung des Bauhausmuseums Weimar, Foto: Jens Hauspurg, 2010. Klassik Stiftung Weimar.

Bereits 1919 – im Gründungsjahr des Bauhauses in Weimar – hatte der damalige Direktor der Weimarer Kunstsammlungen Wilhelm Köhler mit einer Sammlung zur europäischen Moderne um das Bauhaus begonnen. 1925 wählte er gemeinsam mit Walter Gropius 168 Bauhaus-Objekte für das Museum aus. Darunter befinden sich Designklassiker wie die berühmte Tischlampe von Jucker/Wagenfeld, Metallarbeiten von Marianne Brandt, zahlreiche Möbel von Marcel Breuer, Keramiken von Wilhelm Bogler und Otto Lindig sowie 38 Werke aus der Webereiwerkstatt. Bis heute ist die Sammlung auf einen Bestand von ca. 11.000 Exponaten angewachsen, darunter die berühmte Bauhaus-Wiege von Peter Keler. Zur Sammlung zählen ferner Gemälde, Druckgrafiken, Kunsthandwerk und Design-Objekte, aber auch Studienarbeiten aus dem Unterricht am Bauhaus und Dokumente zu den Weimarer Bauhaus-Jahren zwischen 1919 und 1925. Sie wird ergänzt durch eine bedeutende Kollektion zum Schaffen Henry van de Veldes und seiner Kunstgewerbeschule sowie zur Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst unter Leitung von Otto Bartning 1926–1930.

Seit 2010 wird die Bauhaus-Sammlung der Klassik Stiftung Weimar zudem um die berühmte Design-Sammlung Ludewig erweitert, für die der Berliner Sammler Manfred Ludewig seit den 1960er-Jahren mehr als 2.800 Objekte aus ganz Europa zusammengetragen hat. Seine Sammlung gibt einen einzigartigen Überblick über 200 Jahre Design-Geschichte und setzt damit das Bauhaus in einen größeren kultur- und designgeschichtlichen Zusammenhang ab Ende des 18. Jahrhunderts. Arbeiten u.a. der Wiener Werkstätten sind hier vertreten, der niederländischen Gruppe „De Stijl“, Möbel-Kollektionen der Firma Thonet, ein Konvolut mit Erzeugnissen der Firma Braun oder umfangreiche Sammlungen zum Werk einzelner Gestalter wie Wilhelm Wagenfeld.

Neues Bauhausmuseum Weimar: Perspektive Foyer, Entwurf: Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon, Berlin. Klassik Stiftung Weimar.
Neues Bauhausmuseum Weimar: Perspektive Foyer, Entwurf: Prof. Heike Hanada mit Prof. Benedict Tonon, Berlin. Klassik Stiftung Weimar.

Der Bund und das Land Thüringen haben die Klassik Stiftung Weimar im Rahmen eines Sonderinvestitionsprogramms zur Errichtung eines neuen Museums beauftragt, in dem ab Ende 2018 die umfassenden Weimarer Sammlungen präsentiert werden. Das Bauhaus-Museum, das seit 1995 als Provisorium am Theaterplatz untergebracht ist, wird dann in einen markanten Neubau ziehen, der nach einem Entwurf von Prof. Heike Hanada, Berlin, in Kooperation mit Prof. Benedict Tonon entsteht. Das neue Museumsgebäude am historisch bedeutsamen Platz in der Nähe des Weimarhallenparks direkt gegenüber dem ehemaligen Weimarer Gauforum wird zudem einer der wichtigsten Knotenpunkte im Netzwerk einer „Topografie der Moderne“ sein, das die historischen Stätten und Erinnerungsorte der Moderne in Weimar miteinander verbindet.

Als eines der drei sammlungsführenden Häuser und Mitglied der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar wird die Klassik Stiftung Weimar zum Jubiläum unter anderem zwei große Ausstellungen ausrichten und ist für zentrale Veranstaltungen des Jubiläumsprogramms mitverantwortlich. In den Räumlichkeiten der Klassik Stiftung entsteht zudem die Geschäftsstelle des Bauhaus Verbundes 2019, die im Juli 2016 ihren Betrieb aufgenommen hat.

Kinderwiege, Entwurf: Peter Keler, 1922. Klassik Stiftung Weimar.
Kinderwiege, Entwurf: Peter Keler, 1922. Klassik Stiftung Weimar.