In unserem New Bauhaus-Fotorätsel ist ein wenig Unordnung in der Dunkelkammer entstanden. Testen Sie, wie gut Sie sich in der New Bauhaus-Fotografie auskennen und ordnen Sie die Fotografien den Zitaten zu. Wer mehr über die Fotografen und ihr Verhältnis zum New Bauhaus erfahren möchte, findet weiter unten deren Kurzbiografien.

Nathan Lerner: Charlie's Eye, 1940 / Foto: Bauhaus-Archiv Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Nathan Lerner: Charlie's Eye, 1940 / Foto: Bauhaus-Archiv Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Licht als eigenständiges Material sehen und sichtbar machen – das ist einer der Grundsätze, den die „American School of Design“ in Chicago bei seiner Gründung 1937 in den Fokus rückte. Bis heute steht das spätere Institut of Design (ID) für experimentelle Fotografie und multimediales Design, in dem die Beschäftigung mit Licht meist im Zentrum der Werke steht – oder aber sich kritisch mit diesem Ansatz auseinandersetzt. Viel Spaß beim Rätseln – die Auflösung steht am Ende!

 

 

Welche Zitate gehören zu welchen Bildern? Bringen Sie Ordnung in die Dunkelkammer des New Bauhauses.
Welche Zitate gehören zu welchen Bildern? Bringen Sie Ordnung in die Dunkelkammer des New Bauhauses.

1. „Er (László Moholy-Nagy) konzentrierte sich auf das Fotogramm und den Lichtmodulator als wesentliche Experimentierfelder in der Fotografie und betonte die Wechselbeziehung zwischen Zeichnung, Typografie, räumlicher Form und Farbstudien.“  (John Grimes)


2. „Sonja Thomsen (...) exploriert in naturwissenschaftlich anmutenden Ansichten Lichtbrechungen, Schärfen und Unschärfen, wobei die wiederholt thematisierte Geste im Wortsinn für das Begreifen-Wollen steht.“ (Kristina Lowis)


3. „Als Fotograf war Charles Swedlund unendlich produktiv und experimentierte wie besessen mit Film, Objektiven, Fotopapieren, Belichtungszeiten und chemischen Prozessen ebenso wie mit Bildinhalten.“ (Stephen Daiter)


4. „Doug Fogelson näherte sich der physischen Historizität des ID (...). So kommt er, aus bewusster historischer Distanz kommentierend, auf die Grundlagen der Formfindung mit Licht zurück.“ (Kristina Lowis)


5. „Nathan Lerner besann sich nach 30 Jahren Designindustrie auf seine fotografischen Anfänge.“ (Kristina Lowis)


6. „Abweichend von Moholy-Nagys ursprünglicher Idee (…), in der Licht eine zentrale Rolle gespielt hatte, rückten Callahan und Aaron Siskind den Eigenwert der Fotografie selbst in den Mittelpunkt.“ (Elizabeth Siegel)

 

 

 

 

 

Kurzbiografien der Fotografen

Doug Fogelson

... wurde 1970 in Chicago geboren und studierte am Columbia College und am Art Institute of Chicago, wo er 1994 seinen Bachelor of Fine Arts (BFA) erhielt. Er ist Herausgeber des unabhängigen Kunstverlags Front Forty Press und unterrichtete in der Abteilung für Fotografie an der School of the Art Institute in Chicago. Seine Werke sind in bedeutenden Sammlungen von Museen, Unternehmen und Privatbesitz enthalten.

Fogelson setzt sich mit seinen Arbeiten unter anderem mit modernen Speichermedien auseinander und benutzt Vinylsingles, Film- und Tonbandstreifen, um auf Konzepte der Aufnahme und der Dokumentation zu verweisen. Er dokumentierte 2014 die kurz vor dem Abriß stehende Dunkelkammer der Fotoschule auf dem Campus des Illinois Institute of Technology (IIT), an dem das Institute of Design seit 1949 angegliedert ist.

Quelle:
www.dougfogelson.com

Nathan Lerner

 ... wurde als Sohn ukrainischer Emigranten 1913 in Chicago geboren. Mit 18 Jahren ging er in die Lehre bei Samuel Ostrovsky, einem russisch-französischen Maler, der sich für Licht interessierte. 1937 empfahl der bekannte Bildhauer Alexander Archipenko Lerner dann an die School of Design. Von 1939 bis 1942 unterrichtete Lerner dort als Dozent und Leiter der Lichtwerkstatt und wurde nach Moholy-Nagys Tod 1946 schließlich zum Pädagogischen Leiter der Schule ernannt. Er verließ die Schule allerdings im Jahr 1949 wegen Uneinigkeiten über die bevorstehende Fusion der Schule mit dem IIT wieder. Er eröffnete ein Büro für Design von Alltagsgegenständen und arbeitete bis zu seinem Tod 1997 in der Designindustrie.

Lerner entwickelte ausgeklügelte künstlerische Experimente und entwickelte bereits in den Anfängen der School of Design die Light Box, mit der Licht kontrolliert gesetzt werden konnte. Lichtinstallationen, Fotografieren durch viskose Substanzen, Solarisierungen und Lichtzeichnungen mit Stift sind sein Markenzeichen.

Quelle:
www.nathanlerner.com

László Moholy-Nagy

... wurde 1895 im ungarischen Boršot geboren und 1923 von Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Hier beschäftigte er sich mit typografischen Entwürfen und experimentellem Film. Von 1923 bis 1928 leitete er als Meister verschiedene Werkstätten und den Vorkurs. Nach fünf Jahren Lehre verließ er das Bauhaus und gründete ein eigenes Atelier für Typografie und Ausstellungsgestaltung, Fotomontagen und -collagen in Berlin. In London war er 1935/36 als Grafikdesigner tätig und erhielt Aufträge für Dokumentarfilme. Durch Vermittlung von Walter Gropius wurde ihm 1937 die Leitung der geplanten Designschule New Bauhaus – American School of Design in Chicago übertragen, die er bis zu seinem Tod 1946 leitete.

Fotografie war für Moholy-Nagy das Material, um Licht als grundlegendes Gestaltungsmaterial sichtbar und erlebbar zu machen. Er avancierte in den Zwanzigerjahren zu einem der wichtigsten Fotogrammkünstler und erarbeitete die theoretische und experimentelle Grundlage für die Etablierung dieser damals neuen Kunstgattung. Die Arbeit mit Licht und dessen Brechung, Fixierung und Reflexion prägten gleichermaßen sein Interesse an den neuen technischen Medien Fotografie und Film.

Quelle:
www.bauhaus100.de

Aaron Siskind

... wurde 1903 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in New York geboren. Nachdem er 1926 seinen Abschluss als Bachelor of Social Science am College der Stadt New York erhalten hatte, unterrichtete er mehr als 20 Jahre lang Englisch an öffentlichen Schulen in New York. Seine Karriere als Fotograf begann Anfang der Dreißigerjahre, buchstäblicher Auslöser war ein Hochzeitsgeschenk: seine erste Kamera. Ab 1936 bis zum Anfang der vierziger Jahre beteiligte er sich aktiv in der New York Photo League, einer Vereinigung von sozialkritischen Künstlern. Auf Einladung von Harry Callahan kam Siskind dann 1951 an die Fakultät des Institute of Design nach Chicago und übernahm später auch die Leitung des Fotografieprogramms. 1971 wechselte er als Dozent an die Rhode Island School of Design. Dort unterrichtete Siskind bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1976. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, er starb 1991 als einer der bekanntesten Vertreter der modernen amerikanischen Kunst nach 1945.

Aaron Siskinds Werke bewegten sich zunächst in der sozialdokumentarischen Fotografie. Später wurde er vom Abstrakten Expressionismus beeinflusst und widmete sich Oberflächenstrukturen wie etwa abgeblätterter Farbe an Mauern und Wänden oder erodiertem Holz. Am ID entwickelte er den ursprünglichen Gedanken weiter und schuf zusammen mit Harry Callahan ein Unterrichtsprogramm, das neben dem Licht das Objekt in den Mittelpunkt des Werkes rückte.

Quelle:
www.aaronsiskind.org

Charles Swedlund

... wurde 1935 in Chicago geboren. Er interessierte sich für Objektive und Film, nachdem er zu seinem 16. Geburtstag eine 8-mm-Filmkamera erhielt. Swedlund wurde vom Institute of Design aufgenommen und begann im Herbst 1953 mit dem Unterricht. 1961 absolvierte er seinen Master of Arts und lehrte ab 1963 an der State University College in Buffalo. Am ID lehrte er von 1969 bis 1971 und dann – bis zu seinem Ruhestand im Jahre 2000 – an der Southern Illinois University.

Swedlund verfasste ein renommiertes Lehrbuch über Fotografie (Photography/Handbook of History, 1974). Sein eigenes umfangreiches Werk blieb dabei bis vor einigen Jahren unbeachtet, obwohl er ein breit gefächertes Portfolio an limitierten Editionen, Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien in unterschiedlichsten Herstellungsverfahren und Fotostrecken aufweisen kann. Sein eigenes Neugeborenes legte er auf eine lichtsensible Schicht, um den radikalen Anfang der Fotografie im Sinne des New Bauhauses zu symbolisieren.

Quelle:
www.stephendaitergallery.com

Sonja Thomsen

... kam 1978 in Milwaukee zur Welt. 2004 erwarb sie einen Master of Fine Arts in Fotografie am San Francisco Art Institute. Thomsen ist Mitglied des internationalen Fotokollektivs Piece of Cake und Co-Direktor des The Pitch Project sowie Dozentin an der School of the Art Institute in Chicago.

In ihren Werken verbindet sie Fotografie, Skulptur, interaktive Installation und ortsspezifische öffentliche Kunst. In einer Reihe von Arbeiten geht es ihr darum, Licht im Wortsinne zu fassen, sie bezieht dabei auf Moholy-Nagys Lehrbuch „Vision in Motion (1947)“.

Quelle:
www.sonjathomsen.com

 

 

 

Auflösung

Bilderrätsel:

A3; B4; C1; D6; E5;  F2

 

Überblick über die Autoren:

A = Charles Swedlund

B = Doug Fogelson

C = László Moholy-Nagy

D = Aaron Siskind

E = Nathan Lerner

F = Sonja Thomsen

 

 

Literatur / Zitate des Bilderrätsels:
New Bauhaus Chicago. Experiment Fotografie, hg. vom Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin 2017. Beiträge von A. Bähr, S. Daiter, J. Grimes, S. Hoiman, K. Lowis, E. Siegel. Deutsche und englische Ausgabe, ca. 200 Seiten, ca. 150 Abbildungen in Farbe, 24 × 30 cm, gebunden, ISBN 978-3-7774-2938-0 (dt.), ISBN 978-3-7774-2937-3 (engl.); Erscheinungstermin: November 2017; (Zitate in der Reihenfolge des Rätsels: S.65, S.190, S. 120, S. 188,  S.42,  S. 175). 

 

[CG 2017]