Im Jahr 2017 sind in den Bauhaus-Institutionen in Berlin, Dessau und Weimar drei große Ausstellungen zu sehen, die bereits auf das Bauhaus-Jubiläum 2019 verweisen.

Josef Albers, ti244 © The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Christian Hagemann, Gestaltung Herburg Weiland.
Josef Albers, ti244 © The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Christian Hagemann, Gestaltung Herburg Weiland.

Stiftung Bauhaus Dessau: Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus

Gehämmert, gehobelt, gesägt und gewebt: ziemlich laut und staubig war es im Werkstattflügel der Hochschule für Gestaltung. Obwohl die Bauhaus-Werkstätten in Dessau als „Laboratorien für die Industrie“ entworfen wurden, fand noch jede Menge Handarbeit statt.

Die Ausstellung erzählt am Originalschauplatz, der Weberei im Bauhausgebäude, die Geschichte des Bauhauses aus der Perspektive des Handwerks, eine Kategorie, die schon bei der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar zentral war. Es geht um das Entwerfen, Machen und Herstellen. Erstmalig sind auch Webstühle, Werkbänke, Werkzeuge, Materialproben und Maschinen aus der damaligen Holz- und Metallwerkstatt zu sehen.

In Bezug zum Jahresthema Substanz der Stiftung Bauhaus Dessau betrachtet die Ausstellung auch die zeitgenössischen Kultur- und Design-Debatten, in denen es um die Rolle von Gestaltern und Architekten als Mittler unserer materiellen Kultur geht. Den Besucher erwarten ein Prolog mit Arbeiten internationaler Designer und Künstler sowie ein Begleitprogramm zu den aktuellen Diskursen.

Ausstellung: „Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus“
Stiftung Bauhaus Dessau
13. April 2017 bis 7. Januar 2018

Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889 - 1981) in seinem Studio in New York, Foto: Arnold Newman, 1950 / Arnold Newman Collection, Getty Images
Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889 - 1981) in seinem Studio in New York, Foto: Arnold Newman, 1950 / Arnold Newman Collection, Getty Images

Klassik Stiftung Weimar: Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis

Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) gehörte nicht nur zu den ersten Lehrern am neu gegründeten Bauhaus, er vertrat auch wie kaum ein zweiter Künstler die ursprüngliche Idee einer Erneuerung aller Künste durch das Handwerk. Ab 1919 entstand am Bauhaus ein Netzwerk treuer Mitstreiter, die die damit verbundenen künstlerischen Konzepte über Schulen, Gemeinschaften und Freundeskreise bis weit über Europa hinaus tradierten. Erstmals widmet sich eine Ausstellung diesem einzigartigen Künstlerkreis und wirft damit einen neuen und überraschenden Blick auf ein Bauhaus jenseits von Industrie und Typisierung.
 
Charakteristisch für Marcks und seine Schüler, wie z. B. die Keramikerin Marguerite Friedländer-Wildenhain (1896–1985), den Silberschmied Wolfgang Tümpel (1903–1978) oder den Maler Johannes Driesch (1901–1930), ist das Festhalten an einem traditionellen handwerklichen Ethos. Wie über 150 Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde, Keramiken und Metallarbeiten aus der Zeit um 1919 bis in die Gegenwart zeigen werden, blieb diese Herangehensweise für alle beteiligten Personen der Ausgangspunkt ihres künstlerischen Selbstverständnisses.
 
Die Ausstellung ist eine Kooperation der Klassik Stiftung Weimar mit dem Gerhard-Marcks-Haus in Bremen sowie dem DFG-Projekt »Bewegte Netze. Bauhaus-Angehörige und ihre Beziehungsnetzwerke in den 1930er- und 1940er-Jahren« der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und der Universität Erfurt. Sie wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, den Freistaat Thüringen, die Art Mentor Foundation, Lucerne, und den Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses.

Ausstellung: „Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis“
Klassik Stiftung Weimar
17. August bis 5. November 2017

Ohne Titel (Kegel auf Streifengrund), 1939, späterer Abzug 1970er-Jahre. Foto: György Kepes, © Juliet Kepes-Stone / Bauhaus-Archiv Berlin.
Ohne Titel (Kegel auf Streifengrund), 1939, späterer Abzug 1970er-Jahre. Foto: György Kepes, © Juliet Kepes-Stone / Bauhaus-Archiv Berlin.

Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin: LICHT! Fotografie am New Bauhaus Chicago

Das Bauhaus-Archiv Berlin wendet sich mit der Ausstellung zur Fotografie am 1937 gegründeten New Bauhaus dem transatlantischen Bauhaus-Erbe zu. Die Schule besteht bis heute als Institute of Design und begeht 2017 ihr 80. Jubiläum – Anlass für das Bauhaus-Archiv, seine außergewöhnlichen Bestände zur New Bauhaus-Fotografie vorzustellen, die um internationale Leihgaben ergänzt werden. Erstmals nimmt die materialreiche Schau außerhalb der USA exklusiv den experimentellen Umgang mit dem Medium durch Fotografen wie György Kepes, Nathan Lerner, Harry Callahan, Aaron Siskind und Arthur Siegel und ihre Schüler in den Blick. Zugleich ist sie die letzte Ausstellung im Museumsgebäude von Walter Gropius, das anschließend einen zeitgemäßen Erweiterungsbau erhält.

Ausstellung: „LICHT! Fotografie am New Bauhaus Chicago“
Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin
15. November 2017 bis 5. März 2018

Nathan Lerner, Eye on Nails, 1940. Bauhaus-Archiv Berlin. © Kiyoko Lerner.
Nathan Lerner, Eye on Nails, 1940. Bauhaus-Archiv Berlin. © Kiyoko Lerner.