Er war Walter Gropius' rechte Hand, sein Planer Nummer 1 und enger Vertrauter: Adolf Meyer. Bereits 1910 schufen sie gemeinsam das Fagus-Werk, eines der bedeutendsten Gebäude moderner Architektur, das wegweisend war für alles Kommende. Und doch stand Meyer zeitlebens im Schatten von Gropius.

Portrait Adolf Meyer, Foto: unbekannt, 1929. Bauhaus-Archiv Berlin.
Portrait Adolf Meyer, Foto: unbekannt, 1929. Bauhaus-Archiv Berlin.

Zwischen 1895 und 1897 absolvierte Adolf Meyer eine zweijährige Lehre bei einem Kunsttischler in Mechernich in der Eifel. Zudem erhielt er Zeichenunterricht. Danach war er bis 1901 in Möbelwerkstätten in Köln, Krefeld und Düsseldorf tätig. Ab 1903 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Köln und ab 1904 die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf. Dort studierte er bei Peter Behrens und Johannes Ludovicus Mattheus Lauweriks. 1907 stellte Behrens den ehemaligen Schüler in seinem Berliner Atelier ein. Zwischen 1909 und 1910 wurde Meyer Mitarbeiter von Bruno Paul. Im selben Jahr noch engagierte ihn Walter Gropius als Bürochef in seinem Atelier in Neubabelsberg. Resultat dieser bis 1914 dauernden Kooperation sind einige für die Architektur des 20. Jahrhunderts bedeutende Gebäude: das Fagus-Werk Karl Benscheidt in Alfeld (Leine) von 1910 und das Bürogebäude und die Fabrik der Kölner Werkbundausstellung 1914. Nach der Auflösung des Gropius-Büros wurde Meyer Bürochef bei der Stahlbaufirma Breest & Co. in Berlin.

Fagus-Werk, Alfeld an der Leine, Architektur: Walter Gropius und Adolf Meyer / Fotografie: Hans Wagner, ab 1911. Bauhaus-Archiv Berlin.
Fagus-Werk, Alfeld an der Leine, Architektur: Walter Gropius und Adolf Meyer / Fotografie: Hans Wagner, ab 1911. Bauhaus-Archiv Berlin.

1919 holte Walter Gropius Adolf Meyer als Assistent für die Architekturabteilung an das Staatliche Bauhaus Weimar. Dort leitete er das private Bauatelier von Walter Gropius und arbeitete außerdem von 1920 bis 1925 als Lehrer für Werkzeichnen und Konstruktion. Zusammen mit Walter March übernahm er die Bauleitung für die Errichtung des „Haus Am Horn”. 1924 oblagen ihm die Zusammenstellung und die typografische Bearbeitung des Buches „Ein Versuchshaus“ des Bauhauses in Weimar als dritten Band der Reihe der Bauhausbücher.

Haus Sommerfeld, Berlin, Eingangsseite, Architektur: Walter Gropius und Adolf Meyer, 1920–1922. Bauhaus-Archiv Berlin.
Haus Sommerfeld, Berlin, Eingangsseite, Architektur: Walter Gropius und Adolf Meyer, 1920–1922. Bauhaus-Archiv Berlin.

Nach der Schließung des Weimarer Bauhauses zum 1.4.1925 arbeitete Meyer als freier Architekt in Weimar. 1926 war er in der Ausstellung „Neue Baukunst“ im Kunstverein Jena vertreten. Zudem entwarf er verschiedene Bauten. Dazu zählten u. a. die Siedlungshäuser für Gildenhall in Neuruppin 1925–1926 sowie das Zeiss-Planetarium in Jena 1925. Auf Vermittlung von Walter Gropius wurde Meyer 1926 zum städtischen Baurat in Frankfurt am Main ernannt und leitete die Bauberatung am dortigen Städtischen Hochbauamt. Zugleich leitete er die Klasse für Hochbau an der Frankfurter Kunstschule. In dieser Zeit entstanden für die Stadt Bauten wie 1927 die Kokerei im Gaswerk Ost und 1929 das Prüfamt, sowie Werkstätten, Magazin und Lager für das Städtische Elektrizitätswerk.

 

Isometrie des Direktorenzimmers im Bauhaus Weimar, Entwurf: Walter Gropius / Zeichnung: Herbert Bayer, 1923. Stiftung Bauhaus Dessau / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Isometrie des Direktorenzimmers im Bauhaus Weimar, Entwurf: Walter Gropius / Zeichnung: Herbert Bayer, 1923. Stiftung Bauhaus Dessau / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Literatur:
Jaeggi, Annemarie (1994): Adolf Meyer. Der zweite Mann: Ein Architekt im Schatten von Walter Gropius, Berlin.