Walter Gropius, Peter Behrens, Le Corbusier: Wegbegleiter des Architekten Carl Fieger. Erst im Baubüro von Behrens, später in dem von Gropius zeichnete Fieger zahlreiche Architekturentwürfe, darunter auch Teile des Bauhaus-Gebäudes und der Meisterhäuser. Nebenher unterrichtete er am Bauhaus.

Carl Fieger im Wassily-Stuhl sitzend (Bildausschnitt) / Foto: unbekannt, um 1935. Stiftung Bauhaus Dessau.
Carl Fieger im Wassily-Stuhl sitzend (Bildausschnitt) / Foto: unbekannt, um 1935. Stiftung Bauhaus Dessau.

Nach einem Hochbau- und Innenarchitekturstudium an der Kunst- und Gewerbeschule Mainz arbeitete Carl Fieger ab 1911 im Atelier von Peter Behrens, wo er unter anderem Walter Gropius und Le Corbusier kennen lernte. Nach seiner Beteiligung am Innenausbau der Deutschen Botschaft in St. Petersburg 1912 wurde Fieger noch im selben Jahr Mitarbeiter in Walter Gropius’ Baubüro. Nach Ende des Krieges arbeitete er erneut im Atelier von Peter Behrens, bis ihn Gropius 1921 als nebenamtlichen Lehrer für Architekturzeichnen an das Staatliche Bauhaus in Weimar berief.

Parallel zu seiner Mitarbeit im privaten Baubüro von Walter Gropius, für den er noch bis 1934 viele Entwürfe zeichnete, machte sich Carl Fieger bereits 1926 selbstständig. In dieser Zeit war er unter anderem am Entwurf des Dessauer Bauhausgebäudes und der Meisterhäuser beteiligt und entwarf 1926 sein eigenes Wohnhaus samt Innenausstattung. Zwischen 1927 und 1930 unterrichtete er Fachzeichnen und darstellende Geometrie innerhalb der Baulehre, des letzten Abschnitts der dreistufigen Ausbildung am Bauhaus Dessau. 1930 wurde nach seinem Entwurf das Dessauer Restaurant "Kornhaus an der Elbe" errichtet. Trotz Berufsverbot ab 1934 durch die Nationalsozialsten arbeitete er anonym weiter.

Kornhaus, Dessauer Ausflugslokal, Architektur: Carl Fieger, 1930 / Foto: Christoph Petras, 2009. Stiftung Bauhaus Dessau.
Kornhaus, Dessauer Ausflugslokal, Architektur: Carl Fieger, 1930 / Foto: Christoph Petras, 2009. Stiftung Bauhaus Dessau.

Nach Kriegsende kehrte Carl Fieger nach Dessau zurück und engagierte sich am Wiederaufbau der stark zerstörten Stadt. Unter anderem entwarf er vier Variationen eines variablen Haustyps. Zusammen mit dem ehemaligen Bauhäusler Hubert Hoffmann versuchte er die Wiederbelebung des Bauhauses, bis ihn der Architekt Richard Paulick 1952 an die Deutsche Bauakademie berief. Infolge schwerer Krankheit musste Fieger jedoch bereits im Jahr darauf seinen Beruf aufgeben.

Eine erste Ausstellung zu seinem architektonischen Schaffen fand bereits zwei Jahre nach seinem Tod 1960 im Ernst-Ludwig-Haus des Bauhaus-Archivs in Darmstadt statt.

Literatur:
Bauhaus-Archiv Berlin (1995): Bauhaus in Berlin. Bauten und Projekte, Berlin.
Fürst, Dietrich (2000): Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten: Architekten in der DDR, Erkner.