Mutig und lebenslustig war sie, so Gunta Stölzls Tochter. Ihre wirkliche Affinität für die Weberei und für das Textile brachten sie so weit, dass Stölzl erst als Werkmeisterin und schließlich als Leiterin die Weberei am Bauhaus in Dessau übernahm. Der Weberei blieb sie ihr Leben lang verschrieben.

Portrait Gunta Stölzl, Foto: unbekannt, um 1926. Bauhaus-Archiv Berlin.
Portrait Gunta Stölzl, Foto: unbekannt, um 1926. Bauhaus-Archiv Berlin.

Gunta Stölzl studierte zwischen 1914 und 1916 an der Kunstgewerbeschule München Dekorative Malerei, Glasmalerei sowie Keramik, Kunstgeschichte und Stillehre. Während des Krieges arbeitete sie zwischen 1916 und 1918 als Rotkreuzschwester. Nach einem erneuten kurzen Studienaufenthalt 1919 an der Kunstgewerbeschule München begann sie im selben Jahr ein Studium am Staatlichen Bauhaus in Weimar.

Afrikanischer Stuhl, Gestell: Marcel Breuer / Bespannung: Gunta Stölzl, 1921. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 (Stölzl) / unbekannt (Breuer).
Afrikanischer Stuhl, Gestell: Marcel Breuer / Bespannung: Gunta Stölzl, 1921. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 (Stölzl) / unbekannt (Breuer).

Im Wintersemester 19191920 besuchte sie den Vorkurs von Johannes Itten sowie die von ihm geleitete Glasmalereiwerkstatt und Wandmalereiabteilung. Von 1920 bis 1920–1921 besuchte sie die Frauenklasse von Johannes Itten und Helene Börner. Von 1921 bis 1924–1925 lernte sie in der Weberei von Georg Muche und besuchte den Unterricht von Johannes Itten und Paul Klee. Zwischenzeitlich richtete sie 1924 im Auftrag von Johannes Itten eine Webwerkstatt (Ontos Werkstätten) in Herrliberg bei Zürich ein. Außerdem wirkte sie am Aufbau einer Färberei mit. Von 1925 bis 1926 war sie am Bauhaus Dessau Werkmeisterin der Weberei-Werkstatt. Von 1926 bis 1931 war sie Leiterin der Weberei. Am Bauhaus Dessau erarbeitete sie u. a. Textilbespannungen für einige der Möbel von Marcel Breuer. Es entstanden bedeutende Teppiche und Webereien nach ihrem Entwurf. 1928 reiste sie mit weiteren Bauhäuslern nach Moskau und besuchte dort die VChUTEMAS (Höhere künstlerische und technische Werkstätten). 1929 heiratete sie den Bauhaus-Studenten Arieh Sharon. Im selben Jahr wurde die Tochter Yael geboren.

 

Schlitzgobelin Rot-Grün, Autor: Gunta Stölzl, 1927/1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Schlitzgobelin Rot-Grün, Autor: Gunta Stölzl, 1927/1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Nach dem Weggang vom Bauhaus im Frühjahr 1931 ging sie in die Schweiz. Dort gründete sie 1932 mit den ehemaligen Bauhäuslern Gertrud Preiswerk und Heinrich-Otto Hürlimann die Handweberei S-P-H-Stoffe in Zürich. Im selben Jahr wurde sie Mitglied im Schweizer Werkbund. Im folgenden Jahr musste die Firma aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst werden. Stölzl und Hürlimann führten die Weberei jedoch unter dem Namen S-H-Stoffe (Sharon-Hürlimann) weiter. 1936 wurde die Ehe zwischen Arieh Sharon und Gunta Stölzl geschieden. 1937 erhielt sie für ihre Arbeiten auf der Pariser Weltausstellung das Diplôme Commémoratif – Exposition Internationale des Arts et des Techniques. Ebenfalls 1937 schied Hürlimann aus dem Unternehmen aus, sodass sie die Weberei fortan als Sh-Stoffe (Sharon + Co.) weiterführte. 1942 heiratete sie den Schweizer Schriftsteller Willy Stadler und wurde Schweizer Staatsbürgerin. 1943 wurde die Tochter Monika Agnes geboren. In den folgenden Jahren wuchs das internationale Interesse an den Arbeiten von Gunta Stölzl. Ab 1967 gab sie die Werkstattarbeit auf und widmete sich der Herstellung von Bildteppichen. 1968 nahm sie an der großen Wanderausstellung „50 Jahre Bauhaus“ teil.

Entwurf für
Entwurf für "Fünf Chöre", Autor: Gunta Stölzl, 1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Literatur:
Schmidt-Lorenz, Klaus (1997): Die Kunst der Serie. Die Bauhaus-Weberin Gunta Stölzl, in: Design Report, H. 9.
Stadler, Monika & Yael Aloni (2009): Gunta Stölzl. Bauhausmeister, Ostfildern.
Stiftung Bauhaus Dessau (1997): Gunta Stölzl. Meisterin am Bauhaus Dessau. Textilien, Textilentwürfe und freie Arbeiten 1915–1983, Stuttgart.
Thöner, Wolfgang (1997): Gunta Stölzl. Meisterin am Bauhaus Dessau, in: Textilkunst, H. 3.