Die von Herbert Bayer für das Bauhaus entwickelte Werbetypografie prägte das Erscheinungsbild der Dessauer Phase und die Popularität der Hochschule für Gestaltung enorm. Noch heute verwenden Bauhaus Institutionen das zeitlos moderne Werbedesign und Bayers Universalalphabet in Kleinschreibung.

Selbstportrait, Foto: Herbert Bayer, 1932. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Selbstportrait, Foto: Herbert Bayer, 1932. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Seine erste Ausbildung erhielt Herbert Bayer 1919 im Atelier des Linzer Architekten Georg Schmidthammer. 1920 assistierte er dem Architekten Josef Emanuel Margold, der Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie war. Seine Ausbildung setzte Bayer zwischen 1921 und 1925 am Bauhaus in Weimar und in Dessau fort. 19211922 belegte er den Vorkurs bei Johannes Itten. Von 1922 bis 1924–1925 besuchte er die Wandmalereiabteilung bei Wassily Kandinsky. Am 3.2.1925 legte er die Gesellenprüfung vor der Malerinnung in Weimar ab. Nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau berief Walter Gropius ihn dort 1925 zum Jungmeister. Von 1925 bis 1928 war er Leiter der am Bauhaus Dessau neu gegründeten Werkstatt für Druck und Reklame.

 

Entwurf für den Multi-Media-Messestand eines Zahncreme-Herstellers, Autor: Herbert Bayer, 1924. The Harvard University Art Museums/ Busch-Reisinger Museum / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Entwurf für den Multi-Media-Messestand eines Zahncreme-Herstellers, Autor: Herbert Bayer, 1924. The Harvard University Art Museums/ Busch-Reisinger Museum / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Für das Bauhaus gestaltete Bayer zahlreiche Drucksachen und Werbegrafiken. Während seiner Bauhauszeit heiratete er die Fotografin und Bauhaus-Studentin Irene Angela Hecht. Er verließ das Bauhaus 1928. 1930 gestaltete er in Paris gemeinsam mit Walter Gropius und László Moholy-Nagy die Ausstellung für den Deutschen Werkbund. Bis 1938 arbeitete Bayer in Berlin als Gebrauchs- und Werbegrafiker sowie als Maler. In dieser Zeit war er künstlerischer Leiter der Berliner Werbeagentur Dorland, der Zeitschrift „Vogue” in Paris und freier Mitarbeiter der Zeitschrift „die neue linie”.

Portrait Herbert Bayer, Foto: Irene Bayer, 1927. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.
Portrait Herbert Bayer, Foto: Irene Bayer, 1927. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.

1938 emigrierte Bayer in die Vereinigten Staaten und lebte in New York. Im selben Jahr gestaltete er die New Yorker Ausstellung „Bauhaus 1919-1928“. Auch die 30 Jahre später organisierte Ausstellung in Stuttgart „50 Jahre Bauhaus“ entstand nach seinem Design. In den Vereinigten Staaten war er hauptsächlich als Maler, Werbegrafiker und Ausstellungsgestalter für zahlreiche Firmen und Institutionen tätig. 1942 gestaltete Bayer die amerikanische Propaganda-Ausstellung „Road to Victory“ im Museum of Modern Art in New York. 1945 ließ sich Irene Bayer von ihm scheiden. Seit 1946 war Bayer als Gestaltungsberater des Kulturzentrums Aspen tätig. 1956 wurde er Leiter der Abteilung Design der Container Corporation of America. Zwischen 1958 und 1961 war er Mitglied des Kunstbeirats des Informationsbüros der Vereinigten Staaten von Amerika. Zudem arbeitete er seit 1965 als künstlerischer Berater mehrerer bedeutender Werbeagenturen und Warenhäuser.

"prospekt: der mund. 44 zärtlichkeiten in din". Geschenk von Lehrern und Studierenden des Bauhauses zum 44. Geburtstag von Walter Gropius am 18.5.1927. Herbert Bayer, 1927. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Bayers Werksverzeichnis ist vielgestaltig. Es reicht von Grafiken, Malerei bis hin zur Landschaftsgestaltung. Zu den herausragenden Werken zählen insbesondere die Fotomontage „Selbstporträt“ von 1932, die Reklame für die Adrianol-Emulsion von 1935, die zwischen 1944 und 1953 entstandene Serie „Mountains and Convolutions“ sowie der „Marble Garden“ von 1955.

Katalog der Muster, Titelblatt, Autor: Herbert Bayer, 1925. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Katalog der Muster, Titelblatt, Autor: Herbert Bayer, 1925. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Literatur:
Bauhaus-Archiv Berlin (1982): Herbert Bayer. Das künstlerische Werk 19181938, Berlin.
Brüning, Uta (1995): Das A und O des Bauhauses. Bauhauswerbung, Schriftbilder, Drucksachen, Ausstellungsdesign, Leipzig, 1995.
Cohen, A. Arthur (1984): Herbert Bayer. The Complete Work, Cambridge.
Nowak-Thaller, Elisabeth (2009): Ahoi Herbert!. Bayer und die Moderne, Linz.