László Moholy-Nagy, das mediale Universalgenie: Er bewegte sich künstlerisch zwischen Fotografie, Film und Lichtexperiment. Seinen pädagogischen Ansatz des autodidaktischen Künstlers, der sich nicht nur mit einem Medium und einem Stil zufrieden gab, lebte er selbst – am Bauhaus und am New Bauhaus.

Portrait László Moholy-Nagy, Foto: Lucia Moholy, 1926. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Portrait László Moholy-Nagy, Foto: Lucia Moholy, 1926. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

László Moholy-Nagy studierte 1913 zunächst Jura in Budapest. Während des Kriegsdienstes und Lazarettaufenthaltes zwischen 1914 und 1917 entstanden erste Zeichnungen. 1917 besuchte er Abendkurse in Aktzeichnen an einer Freien Kunstschule in Szeged, Ungarn. Im folgenden Jahr gab er sein Jurastudium auf. Anschließend betätigte er sich als Maler und nahm Abendkurse in Aktzeichnen an einer freien Kunstschule in Budapest. Gleichzeitig hatte er Kontakt zur Avantgarde-Gruppe MA. 1920 siedelte Moholy-Nagy nach Berlin über. Hier unterhielt er Kontakte zu den Dadaisten Kurt Schwitters, Hannah Höch und zu Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. 1921 heiratete er Lucia Schulz. 1922 fand in Waldens Galerie eine erste Einzelausstellung statt. Durch den Kunst- und Architekturkritiker Adolf Behne lernte Moholy-Nagy Walter Gropius kennen. Im selben Jahr nahm er an dem ersten Konstruktivisten-Kongress in Weimar teil.

Nickel-Konstruktion, Autor: László Moholy-Nagy, 1921. The Museum of Modern Art, New York, Painting and Sculpture / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Nickel-Konstruktion, Autor: László Moholy-Nagy, 1921. The Museum of Modern Art, New York, Painting and Sculpture / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Im März 1923 berief ihn Walter Gropius als Meister an das Staatliche Bauhaus in Weimar. Hier beschäftigte er sich mit typografischen Entwürfen und experimentellem Film. Von 1923 bis 1925 war Moholy-Nagy Leiter des Vorkurses und Leiter der Metallwerkstatt in Weimar. Von 1925 bis 1928 leitete er den Vorkurs und die Metallwerkstatt in Dessau. Zusammen mit Walter Gropius begann Moholy-Nagy mit der Herausgabe der Reihe der Bauhausbücher.

Selbstportrait im Profil, Foto: László Moholy-Nagy, 1926. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Selbstportrait im Profil, Foto: László Moholy-Nagy, 1926. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Nach fünf Jahren Lehre verließ er 1928 das Bauhaus und gründete ein eigenes Atelier für Typografie und Ausstellungsgestaltung, Fotomontagen und -collagen in Berlin. Hier entwarf er 1929 Bühnenbilder für die Kroll-Oper und die Piscator-Bühne. Seine Bücher „Malerei, Photographie, Film“ und „Von Material zu Architektur“ erschienen 1925 und 1929. 1930 präsentierte er in Paris erstmals den seit 1922 entwickelten Licht-Raum-Modulator. Zudem war er mit Werken auf der Werkbundausstellung „Film und Foto“ in Stuttgart vertreten. 1933 nahm er am 4. CIAM-Kongress (Congrès Internationaux d'architecture moderne, Internationale Kongresse für modernes Bauen) in Athen teil. Ein Jahr später emigrierte er nach Amsterdam und danach nach London. Während dieser Zeit stellte er im Rahmen der Künstlergruppe Abstraction–Création in Paris aus. In London war er 1935/36 als Grafikdesigner tätig und erhielt Aufträge für Dokumentarfilme. Durch Vermittlung von Walter Gropius wurde ihm 1937 die Leitung der geplanten Designschule New Bauhaus – American School of Design in Chicago übertragen. Aus finanziellen Gründen musste die Schule bereits 1938 schließen. 1939 gründete Moholy-Nagy das Nachfolgeinstitut der School of Design in Chicago, das 1944 zum Institute of Design umstrukturiert wurde und heute Teil des Illinois Institute of Technology (IIT) ist. Bis zu seinem Tod 1946 war Moholy-Nagy außerdem als freier Künstler und Designer tätig.

Licht-Raum-Modulator, Autor: László Moholy-Nagy, 1922–1930, Replik 1970. Bauhaus-Archiv Berlin / VG Bild-Kunst 2016.
Licht-Raum-Modulator, Autor: László Moholy-Nagy, 1922–1930, Replik 1970. Bauhaus-Archiv Berlin / VG Bild-Kunst 2016.

Literatur:
Borchardt-Hume, Achim (2006): Albers and Moholy-Nagy: From Bauhaus to the New World, London.
Fiedler, Jeannine (2001): László Moholy-Nagy, Berlin.
Molderings, Herbert, Renate Heyne & Floris M. Neusüss (2009): Moholy-Nagy. The Photograms. Catalogue Raisonné, Ostfildern.
Otto, Elisabeth (2009): A "Schooling of the Senses": Post-Dada Visual Experiments in the Bauhaus Photomontages of László Moholy-Nagy and Marianne Brandt, in: NEC: New German Critique, 107, S. 89-131.
Pfeiffer, Ingrid (2009): László Moholy-Nagy. Retrospektive, München.