Auf dem Titelblatt des Bauhaus-Manifests: Lyonel Feiningers „Kathedrale“. In dem Holzschnitt vereint sich die ursprüngliche Zielsetzung des Bauhauses: Handwerk und Kunst, eine neue Einheit. Feininger selbst verkörperte diesen Gründungsgedanken, was ihn als einen der ersten Meister ans Bauhaus brachte.

Portrait Lyonel Feininger, Foto: Andreas Feininger, 1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © Zeppelin-Museum / Getty Images.
Portrait Lyonel Feininger, Foto: Andreas Feininger, 1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © Zeppelin-Museum / Getty Images.

Lyonel Feininger nahm 1887 Zeichenunterricht an der Hamburger Gewerbeschule. Ein Jahr später wurde er an der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin aufgenommen und besuchte dort die Malklasse von Ernst Hancke. 1891 setzte er sein Studium an einer privaten Kunstschule fort. Zwischen 1892 und 1909 unternahm Feininger zahlreiche Reisen u. a. nach Paris, Rom und London. Gleichzeitig publizierte er in verschiedenen Zeitungen wie dem „Narrenschiff“ und den „Lustigen Blättern“ Karikaturen. Zudem war er auf Ausstellungen wie der „Großen Berliner Kunstausstellung“ 1904 vertreten. 1909 wurde Feininger Mitglied der Berliner Sezession. Seit 1907 wandte er sich der Malerei zu und stellte 1911 im Pariser Salon des Artistes Independants aus. 1913 war der Maler erstmals auf Einladung Franz Marcs im Ersten Deutschen Herbstsalon in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm mit einigen Werken vertreten. 1919 wurde Feininger Mitglied des Arbeitsrats für Kunst und ging im gleichen Jahr mit Walter Gropius nach Weimar.

Kathedrale, Titelblatt für das Manifest und Programm des Staatlichen Bauhauses, Autor: Lyonel Feininger, April 1919. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Kathedrale, Titelblatt für das Manifest und Programm des Staatlichen Bauhauses, Autor: Lyonel Feininger, April 1919. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Im Mai 1919 wurde Lyonel Feininger als einer der ersten Meister durch Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen, wo er von 1919 bis 1925 Formmeister der Druckerei war. Auf dem Titelblatt des Bauhausmanifests von 1919 ist sein Holzschnitt „Kathedrale” abgebildet. 1921 wurde als erste Veröffentlichung des Weimarer Bauhauses eine Mappe mit zwölf Holzschnitten Feiningers publiziert. 1924 schloss er sich mit Alexej Jawlensky, Paul Klee und Wassily Kandinsky zur Ausstellungsgemeinschaft „Die Blauen Vier“ zusammen.

Postkarte zum Laternenfest am 21. Juni 1922, Lithografie, Autor: Lyonel Feininger, 1922. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Postkarte zum Laternenfest am 21. Juni 1922, Lithografie, Autor: Lyonel Feininger, 1922. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Während seiner Bauhauszeit wurden Werke von Lyonel Feininger auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt, wie in Berlin im Kronprinzenpalais 1928 und in New York im Museum of Modern Art 1929. 1937 emigrierte Feininger in die Vereinigten Staaten und lehrte dort am Mills College in Oakland, Kalifornien, und am Black Mountain College, North Carolina. Zu seiner Kunst wurden in den Vereinigten Staaten zahlreiche Ausstellungen organisiert, wie die Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art 1944.

Halle. Am Trödel, Lyonel Feininger, 1929. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Halle. Am Trödel, Lyonel Feininger, 1929. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Literatur:
Büche, Wolfgang (1995): Lyonel Feininger. Gelmeroda. Ein Maler und sein Motiv, Stuttgart.
Büche, Wolfgang (2010): Lyonel Feininger. Die Halle-Bilder, Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Hall, München.
Fromm, Andrea (2009): Feininger und das Bauhaus. Weimar − Dessau − New York, Kunsthaus Avantgarde (Apolda), Hamburg.
Gerlach-Laxner, Uta & Ellen Schwinzer (2009): Lyonel Feininger − Paul Klee: Malerfreunde am Bauhaus, Ausstellungskatalog, Gustav-Lübcke-Museum Hamm, Museum im Kulturspeicher Würzburg, Bramsche.
März, Roland (1999): Lyonel Feininger. Von Gelmeroda nach Manhattan, Berlin.
Muir, Laura & Nathan J Timpano (2011): Lyonel Feininger: Photographs 1928−1939, Ostfildern.