Marcel Breuer benutzte als erster Möbeldesigner überhaupt Stahlrohr. Er verstand schon früh, wie er den Werkstoff einsetzen musste. In Kombination mit Textilien erzielte er optimalen Sitzkomfort. Praktische Tische aus Glas und Stahlrohr ließen den Wohnraum aufgeräumt und modern erscheinen.

Portrait Marcel Breuer / Foto: Irene Bayer, um 1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.
Portrait Marcel Breuer / Foto: Irene Bayer, um 1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.

1920 erhielt Marcel Breuer ein Stipendium der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Noch im gleichen Jahr wechselte er an das Staatliche Bauhaus in Weimar, wo er Johannes Ittens Vorkurs besuchte. Von 1920–1921 bis 1924 studierte er in der Tischlereiwerkstatt bei Walter Gropius. 1924 legte er seine Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer Weimar ab. Nach seiner Gesellenprüfung wurde er zunächst Etatgeselle der Tischlereiwerkstatt. Etatgesellen hatten als Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten und bekamen ein festes Gehalt. Sie sollten zwischen den Form- und Handwerksmeistern vermitteln.

 

Afrikanischer Stuhl, Entwurf: Marcel Breuer / Bespannung: Gunta Stölzl, 1921. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Afrikanischer Stuhl, Entwurf: Marcel Breuer / Bespannung: Gunta Stölzl, 1921. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Nach seiner Berufung zum Jungmeister 1925 durch Walter Gropius leitete er bis 1928 die Möbelwerkstatt, auch Tischlereiwerkstatt genannt. 1925 entstand mit seinem Sesselentwurf „B 3“ der erste Stahlrohrstuhl für den Wohnbedarf. 1926–1927 gründete Breuer mit Kálmán Lengyel in Berlin die Firma Standard Möbel GmbH. Im selben Jahr heiratete er die Bauhäuslerin Martha Erps.

"Toilettentisch der Dame" aus dem Versuchshaus des Bauhauses "Am Horn", Autor: Marcel Breuer, 1923 / Teilrekonstruktion von Gestell und Spiegel: Gerd Oschmann, 2004. Stiftung Bauhaus Dessau / © Stiftung Bauhaus Dessau.

Breuer verließ das Bauhaus 1928 und eröffnete in Berlin ein Architekturbüro, in dem er den ehemaligen Bauhausschüler Gustav Hassenpflug beschäftigte. In Berlin arbeitete Breuer weiterhin als Innenarchitekt und als Möbelentwerfer (Wohnung Piscator). Seine zahlreichen Architekturprojekte blieben hingegen unausgeführt. 1933 verlegte Breuer sein Büro nach Budapest. Zwei Jahre später siedelte er nach England über und gründete zusammen mit dem Architekten F. R. S. Yorke ein Architekturbüro. 1937 ging er in die Vereinigten Staaten, wo er auf Vermittlung von Walter Gropius eine Professur für Architektur an der School of Design der Harvard University erhielt. Bis 1941 führte er zusammen mit Gropius ein Büro in Cambridge/Mass. Im gleichen Jahr gründete Breuer ein eigenes Architekturbüro, das er 1946 nach New York verlegte. 1956 gründete er das Büro Marcel Breuer and Associates, Architects in New York, das zahlreiche Großprojekte in den Vereinigten Staaten und Europa (Whitney Museum of American Art in New York, UNESCO-Gebäude in Paris) ausführte.

Clubsessel B 3, 2. Version, Design: Marcel Breuer, 1926. Stiftung Bauhaus Dessau / © unbekannt.
Clubsessel B 3, 2. Version, Design: Marcel Breuer, 1926. Stiftung Bauhaus Dessau / © unbekannt.

Literatur:
Cobbers, Arnt (2007): Marcel Breuer 1902–1981. Formgeber des 20. Jahrhunderts, Köln.
Droste, Magdalena & Manfred Ludewig (1992): Marcel Breuer Design, Köln.
Vegesack, Alexander von & Mathias Remmele (2003): Marcel Breuer. Design und Architektur, Weil am Rhein.