Schnell wurde Otto Lindig in der Keramikwerkstatt des Bauhauses zur führenden Kraft unter den Lehrlingen und Gesellen. Mit seinem Schwager Theodor Bogler bildete er eine Doppelspitze, deren Töpfereien und Dekors deutlich den Charakter der Bauhaus-Keramik bestimmten.

Otto Lindig in der Dornburger Keramikwerkstatt / Foto: unbekannt, 1926. Bauhaus-Archiv Berlin.
Otto Lindig in der Dornburger Keramikwerkstatt / Foto: unbekannt, 1926. Bauhaus-Archiv Berlin.

Otto Lindig wurde am 4. November 1895 im thüringischen Pößneck geboren. Von 1909 bis 1911 besuchte er eine Zeichen- und Modellierschule in Lichte, in der der Nachwuchs der Thüringer Porzellanfabriken ausgebildet wurde. Anschließend begann Lindig eine Bildhauerlehre bei Max Bechstein in Ilmenau. 1913 folgte eine Ausbildung in der Keramischen Abteilung der Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule Henry van de Veldes in Weimar. Im Anschluss studierte Lindig bis 1918 in der Bildhauerklasse von Richard Engelmann an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für bildende Kunst Weimar. Otto Lindig erhielt seine Ausbildung also u.a. an den beiden Institutionen, die 1919 zum Staatlichen Bauhaus Weimar zusammen gelegt wurden. 1917 legte er sein Diplom als Bildhauer ab und richtete ein eigenes Atelier ein.

Hohe Deckelkanne mit Ritzdekor, Otto Lindig, 1922. Klassik Stiftung Weimar. © Christiane Bernstiel.
Hohe Deckelkanne mit Ritzdekor, Otto Lindig, 1922. Klassik Stiftung Weimar. © Christiane Bernstiel.

Ab 1919 arbeitete er als Bildhauer in einem Meisteratelier des Weimarer Bauhauses und wurde im November 1920 Lehrling der keramischen Werkstatt des Bauhauses in Dornburg. Diese war zu diesem Zeitpunkt bereits von Gerhard Marcks und den ersten Bauhaus-Studenten eingerichtet worden. „Nach Dornburg siedelte ich Herbst 1920 über und entschloß mich umzusatteln und die Töpferlehre zu machen. Zu der Übersiedlung bewog mich das Zureden von Marcks, der mich gern dort haben wollte, und zur Töpferei ging ich, weil ich längst einsah, daß es bei mir zu einem wirklich großen Bildhauer doch nicht reichen würde.“[1] Zuvor hatte Lindig seine spätere Frau Erna kennen gelernt, die drei Kinder in die Beziehung brachte. Hans-Peter Jakobson[2] vermutet deshalb, dass ökonomische Gründe die Entscheidung für die einträglichere Töpferarbeit in Dornburg beschleunigten. Gemeinsam mit seinem Schwager Theodor Bogler wurde Lindig hier „bald zur führenden Kraft unter den Lehrlingen und Gesellen“ und „bestimmte zunehmend deutlicher mit seinen Arbeiten den Charakter der Bauhauskeramik.“[3] 1924 übernahm er die technische und kurz darauf auch die kaufmännische Leitung der Werkstatt. Diese Position hatte er bis zur Schließung des Weimarer Bauhauses am 31. März 1925 inne. Nach einer Phase der Unsicherheit wurde die Werkstatt von der Weimarer Hochschule für Handwerk und Baukunst übernommen und Lindig zum alleinigen Leiter der Keramischen Werkstatt in Dornburg bestellt, obwohl er seine Meisterprüfung erst 1926 ablegte.

Ofenkachel mit Porträt Otto Lindigs, Autor: Gerhard Marcks, um 1921. Klassik Stiftung Weimar / © Gerhard Marcks Stiftung.
Ofenkachel mit Porträt Otto Lindigs, Autor: Gerhard Marcks, um 1921. Klassik Stiftung Weimar / © Gerhard Marcks Stiftung.

Als auch die Bauhochschule Weimar 1930 schließen musste, führte Lindig die Dornburger Werkstatt als Pächter privat fort. 1947 folgte er dem Ruf seines ehemaligen Lehrers Gerhard Marcks und übernahm einen Lehrauftrag als Leiter der Meisterklasse für Keramik an der Landeskunstschule Hamburg (der späteren Hochschule für Bildende Künste), wo er bis zu seiner Emeritierung 1961 blieb. Otto Lindig starb am 4. Juni 1966 in Wiesbaden.

[1] Otto Lindig nach Jakobson, Hans-Peter: Otto Lindig – der Töpfer, S. 9.
[2] Ebd.
[3] Jakobson, Hans-Peter: Otto Lindig. „Im Grunde ist das Töpfermachen ja immer die gleiche Sache…“, in: Weber: Keramik und Bauhaus, S. 45.

Literatur:
Freigang, Christine & Ulf Häder (2009): Otto Lindig. Die Dornburger Zeit, Bürgel.
Jakobson, Hans-Peter (1990): Otto Lindig – der Töpfer. 1895–1966. Gera.
Weber, Klaus (1989): Keramik und Bauhaus. Geschichte und Wirkungen der keramischen Werkstatt des Bauhauses, Berlin.