Mit Gunta Stölzl verband Benita Koch-Otte eine lebenslange Freundschaft. Sie waren die begabtesten Studentinnen der Bauhaus-Weberei und etablierten sich zu den führenden Weberinnen der deutschen Moderne. Während Stölzl die Leitung der Weberei am Bauhaus übernahm, ging Otte an die Burg Giebichenstein.

Portrait Benita Koch-Otte, Foto: Heinrich Koch, 1920er-Jahre. v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, Reproduktion im Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.
Portrait Benita Koch-Otte, Foto: Heinrich Koch, 1920er-Jahre. v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, Reproduktion im Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.

Benita Koch-Otte wurde am 23. Mai 1892 in Stuttgart geboren. Nach dem Reifezeugnis, das sie 1908 am Lyzeum in Krefeld erhielt, legte sie 1913 die Staatliche Zeichenlehrer-Prüfung am Zeichenseminar in Düsseldorf ab, bestand sie 1914 die Staatliche Prüfung als Turnlehrerin im Frauenbildungsverein Frankfurt a.M. und im folgenden Jahr die Staatliche Prüfung als Handarbeitslehrerin im Lettehaus in Berlin. Diese umfassende Ausbildung nutzte Benita Otte von 1915 bis 1920 als Lehrerin für Zeichnen, Turnen und Handarbeit an der Städtischen Höheren Mädchenschule in Uerdingen/Rh. Sie verließ das Institut für ein Studium am Bauhaus. Bis 1925 wirkte sie hier zunächst als Schülerin, später als Mitarbeiterin in der Webereiwerkstatt. Gemeinsam mit Gunta Stölzl gehörte Benita Koch-Otte zu den begabtesten Studentinnen der Weberei am Bauhaus. Beide besuchten u.a. Kurse an der Färbereifachschule und an der Textilfachschule in Krefeld, um sich selbst weiterzubilden und die Kommilitoninnen in Weimar die neuen Techniken zu lehren.

Benita Koch leitete von 1925 bis 1933 die Abteilung Weberei in den Werkstätten der Stadt Halle, Staatlich-städtische Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein. 1929 traf sie hier erneut auf Heinrich Koch, der am Bauhaus von 1922 bis 1927 u.a. in der Werkstatt für Wandmalerei ausgebildet worden und zuletzt Leiter der Abteilung Fotografie an der Burg Giebichenstein, gewesen war. Sie heirateten noch im selben Jahr.

Teppich für ein Kinderzimmer, Autor: Benita Koch-Otte, 1923. Klassik Stiftung Weimar / © v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel.
Teppich für ein Kinderzimmer, Autor: Benita Koch-Otte, 1923. Klassik Stiftung Weimar / © v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde das Ehepaar aus dem Hochschuldienst entlassen und übersiedelte nach Prag. 1934 verunglückte Heinrich Koch dort tödlich, Benita Koch-Otte kehrte noch im selben Jahr nach Deutschland zurück. In den Bodelschwinghschen Anstalten Bethel fand sie eine neue Aufgabe und Heimat. Sie wurde Leiterin der Weberei, legte 1937 die entsprechende Meisterprüfung vor der Handwerkskammer Bielefeld ab und unterrichtete noch über ihre Pensionierung 1957 hinaus. 1969 bezog Benita Koch-Otte das von-Plettenberg-Stift, Bielefeld, wo sie 1976 im Alter von 83 Jahren starb.

Küche im Haus am Horn, Weimar, Architektur: Georg Muche / Entwurf der Küche: Benita Koch-Otte / Küchengefäße: Theodor Bogler / Foto: Staatliche Bildstelle Berlin, 1923. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Küche im Haus am Horn, Weimar, Architektur: Georg Muche / Entwurf der Küche: Benita Koch-Otte / Küchengefäße: Theodor Bogler / Foto: Staatliche Bildstelle Berlin, 1923. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Literatur:
Albers, Anni: Brief an Koch-Otte, Benita vom 14.6.1972.
Gropius, Walter: Brief an Koch-Otte, Benita, 16.8.1933.
Hudson-Wiedenmann, Ursula & Beate Schmeichel-Falkenberg (2005): Vorwort, in: Hudson-Wiedenmann, Ursula & Beate Schmeichel-Falkenberg (2005): Grenzen Überschreiten. Frauen, Kunst und Exil, Würzburg, S. 7–9.
Schenk zu Schweinsberg, Ekkehard (2009): Bauhaus-Künstler in Fronhausen? Die Künstlerfreundschaften der Elisabeth Obladen, o.O.
Siebenbrodt, Michael (2007): Das Haus am Horn in Weimar – Bauhausstätte und Weltkulturerbe: Bau, Nutzung und Denkmalpflege. http://www.international.icomos.org/risk/2007/pdf/Soviet_Heritage_27_IV-3_Siebenbrodt.pdf (06.06.2016).
Stadler, Monika & Yael Aloni (2009): Gunta Stölzl. Bauhausmeister. Ostfildern.
Stadler-Stölzl, Gunta (1972): Fünf Jahre Bauhaus. Grundlage für eine fünfzigjährige Freundschaft, in: Herzogenrath, Wulf (1972): Vom Geheimnis der Farbe, Bielefeld, S. 22–23.