Runder Fuß, zylindrischer Unterleib, eine Halbkugel als Oberkörper und eine Kugel als Kopf. In der linken Hand aufgereihten Scheiben in den Grundfarben Blau, Rot, Gelb. In Eberhard Schrammens „Bauhaus-Maskottchen“ spiegelt sich der Einfluss der legendären Kunstschule auf seinen Erschaffer wider.

Selbstportrait im Spiegel, Foto: Ebehard Schrammen, 1919–1920. Bauhaus-Achriv Berlin.
Selbstportrait im Spiegel, Foto: Ebehard Schrammen, 1919–1920. Bauhaus-Achriv Berlin.

Philipp Eberhard Schrammen wurde 1886 in Köln geboren. Nach seinem Abitur studierte er erst an der Kunstakademie in Düsseldorf, danach an der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für bildende Kunst in Weimar. Schrammen hatte schon während seiner Schulzeit sein Hauptinteresse auf die Malerei und das Zeichnen gelegt. Der Erste Weltkrieg bildete wie für viele seiner Zeitgenossen für Schrammen einen tiefen Einschnitt in die künstlerische Laufbahn. Nach Ende des Krieges 1919 veränderten sich die Bildthemen, Schrammens Werk bestand nun überwiegend aus Holzschnitten und Zeichnungen, in denen er das Erlebte verarbeitete.

Maskottchen, Autor: Eberhard Schrammen, um 1924 (?). Bauhaus-Archiv Berlin / © Marie Schrammen.
Maskottchen, Autor: Eberhard Schrammen, um 1924 (?). Bauhaus-Archiv Berlin / © Marie Schrammen.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb Schrammen in Weimar, hielt hier enge Kontakte zur 1906 gegründeten Kunstgewerbeschule unter der Leitung von Henry van de Velde und setzte sich schließlich für die Gründung des Staatlichen Bauhauses ein. Am Bauhaus studierte er im Sommersemester 1919 im Architekturkurs, ab 1921 in der Druckerei (unter Lyonel Feiningers) sowie in der Bühnenwerkstatt von Lothar Schreyer. Am 18. Mai 1919 gab Schrammen die erste Ausgabe der Bauhaus-Zeitschrift „Der Austausch“ heraus, die von seinen Holzschnitten illustriert wurde. Als Vorsitzender des Studierendenausschusses“ wurde er Anlaufpunkt und Sprachrohr seiner Kommilitonen. Von Eberhard Schrammen wurde, wie von allen Bauhaus-Studenten verlangt, dass er ein Handwerk erlernte. Er absolvierte ein einjähriges Volontariat bei einem in Weimar ansässigen Drechsler. Hiermit begann für Schrammen eine neue künstlerische Entwicklung. Er fertigte nun bspw. bemaltes Kinderspielzeug aus Holz (Bauklötze und ein Laufrad) an. Bei der ersten Bauhaus-Ausstellung 1923 wurden seine Holzobjekte ausgestellt.

 

 

 

Bereits 1919 lernte Eberhard Schrammen seine zukünftige Frau, die Bauhäuslerin Toni van Haken-Nelißen, kennen. Sie heirateten am 14.3.1920 in Dresden. Ein Jahr darauf wurde der Sohn Klaus geboren. Die Schrammens entschieden sich 1925 gegen einen Umzug nach Dessau und gingen nach Gildenhall. Hier eröffnete Eberhard Schrammen eine Drechslerei und Holzkunstwerkstatt. Bis zur Weltwirtschaftskrise lief das Geschäft gut. 1929 schloss Schrammen die Werkstatt und konzentrierte sich von nun an auf die Fotografie. Mit dem Verkauf von Fotoserien an den Mauritius-Verlag und an den Lindenverlag war das Einkommen zunächst gesichert. Privat experimentierten die Schrammens mit der Fotogrammtechnik – der kameralosen Belichtung von Fotopapier. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Arbeit für Schrammen durch Materialmangel und seine Abneigung gegenüber Kriegs- und Propagandafotografie zunehmend schwieriger. Nach dem Krieg nahm Schrammen wieder die Malerei auf, konnte im Oktober 1947 eine Einzelausstellung in Lübeck bestreiten. Am 1.12.1947 starb Eberhard Schrammen im Alter von 61 Jahren.

Literatur: 
Albrecht, Thorsten (1999): Eberhard Schrammen 18861947, Bauhauskünstler und Fotograf. Weimar, Gildenhall, Lübeck, Petersberg.
Siebenbrodt, Michael & Lena Prents (2003): Eberhard Schrammen. Bauhäusler, Maler, Formgestalter, Fotograf, Weimar.