1927 beauftragte Walter Gropius den Architekten und Bauhäusler Erich Consemüller damit, Interieuraufnahmen des Dessauer Bauhausgebäudes anzufertigen – analog zu den Außenfotos von Lucia Moholy. Etwa 300 Fotografien entstanden. Sie prägen das Image des Bauhauses damals wie heute entscheidend.

Erich Consemüller / Foto: unbekannt, um 1924. Stiftung Bauhaus Dessau, in: Herzogenrath, Wulf & Kraus, Stefan (1989): Erich Consemüller, Fotografien Bauhaus Dessau, München, S. 210 / © Stefan Consemüller.
Erich Consemüller / Foto: unbekannt, um 1924. Stiftung Bauhaus Dessau, in: Herzogenrath, Wulf & Kraus, Stefan (1989): Erich Consemüller, Fotografien Bauhaus Dessau, München, S. 210 / © Stefan Consemüller.

Erich Consemüller begann 1920 seine Ausbildung mit einer Tischlerlehre in der Bielefelder Möbelfabrik Echtermeyer und belegte Abendkurse an der dortigen Handwerker- und Kunstgewerbeschule. Zum Wintersemester 1922 schrieb er sich am Staatlichen Bauhaus in Weimar ein. 1922–1923 besuchte er den Vorkurs bei Johannes Itten sowie den Unterricht bei Paul Klee und Wassily Kandinsky. Von 1923 bis 1925 studierte er in der Tischlereiwerkstatt bei Walter Gropius. Dort fertigte er 1923 erste Möbel nach eigenem Entwurf an. Nach seiner Gesellenprüfung, die er am 1.3.1924 vor der Handwerkskammer Weimar ablegte, reiste er nach Island und kam zum Wintersemester an das Bauhaus Weimar zurück. Im gleichen Jahr war er u. a. an der Ausstattung des Theater-Cafés in Dessau und der Wohnung Erwin Piscators in Berlin beteiligt.

Bauhaus-Szene (Lis Beyer oder Ise Gropius im Stahlrohrsessel von Marcel Breuer) / Foto: Erich Consemüller, 1926. Klassik Stiftung Weimar / Sammlung Wulf Herzogenrath / © Stephan Consemüller.
Bauhaus-Szene (Lis Beyer oder Ise Gropius im Stahlrohrsessel von Marcel Breuer) / Foto: Erich Consemüller, 1926. Klassik Stiftung Weimar / Sammlung Wulf Herzogenrath / © Stephan Consemüller.

Von 1925–1926 bis 1927–1928 besuchte er die Tischlereiwerkstatt bei Marcel Breuer am Bauhaus Dessau. 1927 wechselte Consemüller in die Bauabteilung zu Hannes Meyer. Als Unterstützung von Lucia Moholy, die von Walter Gropius mit der Dokumentation des Bauhaus-Gebäudes und der Meisterhäuser sowie von Werkstattarbeiten beauftragt worden war, beschäftigte das Bauhaus auch Consemüller 1927 mit der Dokumentation der Bauhaus-Innenräume und einiger Werkstattarbeiten. Es entstanden etwa 300 Fotos zum Bauhaus Dessau. 

 

Marcel Breuer mit seinem
Marcel Breuer mit seinem "Harem" (v.l.: Marta Erps-Breuer, Katt Both und Ruth Hollos-Consemüller) / Foto: Erich Consemüller, um 1927. Klassik Stiftung Weimar / © Dr. Stephan Consemüller.

Erich Consemüller war zu diesem Zeitpunkt auch einer der ersten Mitarbeiter der neu eingerichteten Bauabteilung unter Hannes Meyer und Hans Wittwer und wurde an der Planung der Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau bei Berlin beteiligt. Zudem arbeitete er 1930 an verschiedenen Bauprojekten von Hans Wittwer in Halle (Saale). Consemüller verließ das Bauhaus Dessau am 25.3.1929. Am 27.11.1929 legte er das Bauhausdiplom Nr. 4 der Bauabteilung ab.

1934–1935 arbeitete er im Architekturbüro von Gerhard Schwedthelm und später als Zeichner in verschiedenen Architekturbüros in Halle (Saale) und Erfurt. Dem folgte von 1935 bis 1939 eine Tätigkeit als Hochbautechniker im Büro des Architekten Wilhelm Ulrich in Halle (Saale) und bis 1945 im Büro des ehemaligen Bauhäuslers und Architekten Walter Born in Leipzig. Nach dem Krieg arbeitete er für kurze Zeit als selbstständiger Architekt. 1945–1946 berief ihn der Rat der Stadt Halle (Saale) in das Amt des Stadtplaners.

Der Bau als Bühne / Foto: Erich Consemüller, 1927. Bauhaus-Archiv Berlin / © Dr. Stephan Consemüller.
Der Bau als Bühne / Foto: Erich Consemüller, 1927. Bauhaus-Archiv Berlin / © Dr. Stephan Consemüller.

Literatur:
Barche, Gisela (1990): Die fotografische Bildinszenierung – Zur Bühnenfotografie des Bauhauses, in: Fiedler, Jeannine (Hg.): Fotografie am Bauhaus, Berlin, S. 238–254.
Herzogenrath, Wulf & Stefan Kraus (1989): Erich Consemüller. Fotografien Bauhaus-Dessau, München.