Als Franz Ehrlich wegen seiner grafischen Arbeiten für illegale kommunistische Zeitschriften verhaftet und nach Buchenwald deportiert wurde, kamen ihm seine Erfahrungen als Architekt mit Walter Gropius zu Hilfe. Ehrlich wurde „arbeitsverpflichtet“ und überlebte das Konzentrationslager.

Franz Ehrlich, Foto: unbekannt, um 1932. Stiftung Bauhaus Dessau, in: Galerie am Sachsenplatz (1980): Bauhaus 4, Franz Ehrlich - die frühen Jahre, Leipzig, S. 4.
Franz Ehrlich, Foto: unbekannt, um 1932. Stiftung Bauhaus Dessau, in: Galerie am Sachsenplatz (1980): Bauhaus 4, Franz Ehrlich - die frühen Jahre, Leipzig, S. 4.

Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser arbeitete Franz Ehrlich zunächst als Maschinist und Heizer. 1927 begann er sein Studium am Bauhaus in Dessau, besuchte zunächst den Vorkurs bei László Moholy-Nagy, danach den Unterricht von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Joost Schmidt.

Schon während seiner Bauhaus-Zeit arbeitete Franz Ehrlich zusammen mit Walter Gropius am Totaltheater-Projekt von Erwin Piscator und betätigte sich in der Bildhauerei und Typografie. Bis zum Sommersemester 1930 war er in der Plastischen Werkstatt bei Joost Schmidt beschäftigt und legte im Wintersemester 19291930 seine Gesellenprüfung als Tischler vor der Handwerkskammer Dessau ab. Im darauffolgenden Jahr erhielt Ehrlich sein Bauhausdiplom im Bereich der Plastischen Werkstatt. Unmittelbar nach Erhalt seines Diploms folgte er Walter Gropius nach Berlin, wo er gemeinsam mit den Bauhäuslern Heinz Loew und Fritz Winter das Werbebüro Studio Z“ eröffnete. Zeitweilig arbeitete er außerdem im Atelier von Naum Gabo.

Durchdringungs- und Beleuchtungsstudie (Plastische Werkstatt, Unterricht Joost Schmidt), Autor: Franz Ehrlich, 1929–1930. Bauhaus-Archiv Berlin / © Stiftung Bauhaus Dessau.
Durchdringungs- und Beleuchtungsstudie (Plastische Werkstatt, Unterricht Joost Schmidt), Autor: Franz Ehrlich, 1929–1930. Bauhaus-Archiv Berlin / © Stiftung Bauhaus Dessau.

Aufgrund seines kommunistischen Engagements – ab 1933 war er unter anderem Grafiker der illegalen Zeitschrift „Junge Garde“ – wurde er 1934 in Leipzig verhaftet. Während seines Gefängnisaufenthaltes 1935 entstand die Serie „Blätter aus der Haft“. 1937 wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo ihm sein Beruf als Architekt das Leben rettete: Ehrlich wurde „arbeitsverpflichtet“ und damit beauftragt, die Innenausstattung für das Wohnhaus des SS-Lagerkommandanten zu entwerfen. Daraufhin erhielt er weitere Aufträge der SS, dazu gehörte auch die Erstellung des Schriftzuges „Jedem das Seine“ für das Lagertor des Konzentrationslagers.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Franz Ehrlich als Stadtplaner und Architekt in Dresden. Als technischer Direktor des Entwurfsbüros für Industriebau der DDR in Berlin ab 1950 gestaltete er unter anderem die 1. Leipziger Messe nach 1945. Ab 1955 arbeitete Ehrlich als Architekt des Ministeriums für Außenwirtschaft der DDR und entwickelte unter anderem Inneneinrichtungen für zahlreiche ausländische Botschaften und Handelsvertretungen der DDR. Einer der architektonischen Höhepunkte seiner Karriere war das Rundfunkzentrum in Berlin-Köpenick, das er gemeinsam mit Gerhard Probst entwarf und errichtete. Ab 1956 wurde nach seinem Entwurf der Typenbausatz 602 in den Deutschen Werkstätten Hellerau produziert.

Literatur:
Fürst, Dietrich (2000): Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten: Architekten in der DDR, Erkner.
Galerie am Sachsenplatz (1980): Bauhaus 4. Franz Ehrlich – die frühen Jahre, Leipzig, S. 4.
Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora (2009): Projekte: Franz Ehrlich. Ein Bauhäusler in Widerstand und Konzentrationslager.