Herbert von Arend ist einer der wenigen Männer, die in der Bauhaus-Weberei studierten. Dort beteiligte er sich 1931 am Aufstand gegen die Werkstattleiterin Gunta Stölzl, verließ in dessen Folge das Bauhaus und wurde Finanzbeamter – trotzdem ließen ihn das Weben und die Kunst nie los.

Herbert von Arend (Ausschnitt), Foto: Georg Schreiber, um 1979 / © Georg Schreiber, Essen.
Herbert von Arend (Ausschnitt), Foto: Georg Schreiber, um 1979 / © Georg Schreiber, Essen.

Herbert von Arend wurde 1910 im chinesischen Tsingtao als Sohn einer deutschen Kaufmannsfamilie geboren. Als sich die Machtverhältnisse in der ursprünglich vom deutschen Kaiserreich kontrollierten Hafenstadt durch den Ersten Weltkrieg änderten, wurden die von Arends aus China ausgewiesen. Zurück in Deutschland besuchte Herbert von Arend von 1921 bis 1928 die Oberrealschule in Münster/Westfalen. Sein Interesse galt früh dem Zeichnen und Malen und der Beschäftigung mit Textilien. Der Kunsterzieher Leo Burgholz regte ihn darum zum Studium am Bauhaus an.

Zum Sommersemester 1928 schrieb sich Herbert von Arend am Bauhaus Dessau ein. Er begann mit dem Vorkurs bei Josef Albers. Nach einem Semester Grundlehre entschied er sich für die Werkstatt der Weberei ­ als einer der wenigen männlichen Studierenden. Daneben belegte er bis zum Wintersemester 19301931 die freien Malklassen bei Paul Klee und Wassily Kandinsky und nahm in beiden Jahren an den Ausstellungen Junge Bauhausmaler“ in Weimar, Jena, Erfurt und Berlin teil.

„zwischen rot und blau“, Herbert von Arend, Bauhaus Dessau, 1931. © Stiftung Bauhaus Dessau.
„zwischen rot und blau“, Herbert von Arend, Bauhaus Dessau, 1931. © Stiftung Bauhaus Dessau.

Als sich Anfang 1931 einige Studierende der Webklasse gegen den pädagogischen Führungsstil der Werkstattleiterin Gunta Stölzl auflehnten, gehörte Herbert von Arend neben Grete Reichardt und Ilse Voigt zu den Anführern. In Folge des Webereiaufstandes, der zu politischen Intrigen gegen sie führte, kündigte Stölzl und verließ im September 1931 das Bauhaus; Reichardt, Voigt und von Arend wurden vorübergehend relegiert. Herbert von Arend verzichtete auf das Bauhaus-Diplom und legte 1932 seine Weber-Gesellenprüfung als Handweber vor der Handwerkskammer Glauchau/Sachsen ab.

1933 brach von Arends künstlerischer Werdegang jäh ab. Zunächst arbeitete er als mechanischer Weber in der Textilindustrie; wurde später Soldat, dann Wehrmachtsbeamter. 1939 heiratete er. Nach Kriegseinsatz und russischer Gefangenschaft, aus der er 1949 zurückkehrte, übte er bis 1951 verschiedene Gelegenheitsarbeiten aus, u. a. als Tannengrünschneider und Rohrzieher in der Metallindustrie. Erst 1952 begann Herbert von Arend, neben seinem Hauptberuf als Finanzbeamter beim Finanzamt Schleiden-Gemünd/Eifel, wieder künstlerisch tätig zu werden. Nach seiner Pensionierung 1972 widmete er sich ganz seiner Kunst, erwarb einen Hochwebstuhl und begann 1973 wieder mit Webarbeiten. Dazu schreibt er in dem 1981 erschienen Sonderheft „symbol. zeitschrift für bildende kunst und lyrik“: „meine tätigkeit möchte ich als schöpferisches weben bezeichnen. ausgegangen bin ich von einer kleinen webarbeit, die ich 1931 am bauhaus in dessau gemacht habe.“ Fast alle Vorkriegsarbeiten von Herbert von Arend sind in den Kriegswirren verloren gegangen, bis auf ebendiese Bildwirkerei „zwischen rot und blau“, die im Unterricht in der Webklasse entstanden war. Zu dieser Arbeit regte ihn Emil Bert Hartwig an, mit dem er zusammen in der Weberei-Werkstatt experimentierte.

In von Arends Werksverzeichnis sind rund 2600 Papierarbeiten eingetragen, in den verschiedensten Zeichen-, Mal-, Misch- und grafischen Techniken erstellt. 30 Webarbeiten – Webbilder, Teppiche und Tapisserien – sind aufgeführt, mehrheitlich in größeren Formaten bis zu 210 x 75 cm. Außer in der Ausstellung „Arbeiten aus der Weberei des Bauhauses“ 1964 im Bauhaus-Archiv Darmstadt wurden von Arends Werke 1972 bis 1999 in verschiedenen Einzelausstellungen und Beteiligungen in Nordrhein-Westfalen, Weimar, Dessau, Paris und Lüttich gezeigt. Im April 2001 starb Herbert von Arend in Schleiden/Eifel.

Text: Burckhard Kieselbach

Literatur:
Allgemeines Künstlerlexikon  AKL V, 1992, S. 18.
Wangler, Wolfgang (1981): symbol. herbert von arend. zeitschrift für bildende kunst und lyrik, Nr. 36, Köln.
von Arend, Herbert (1996): herbert von arend. werkverzeichnis, Gelsenkirchen.