Zum Laternenfest 1922 konstruierte Kurt Schwerdtfeger mit Josef Hartwig einen beleuchteten Apparat, vor dem verschieden geformte Pappen manuell verschoben werden konnten. Die Schatten bildeten abstrakte Muster auf einer transparenten Projektionsfläche. Das Reflektorische Lichtspiel war geboren.

Kurt Schwertfeger wurde 1897 In Deutsch Puddiger (Podgórki, Polen) geboren und nahm als Soldat an beiden Weltkriegen teil. 1919–1920 studierte er in Königsberg und Jena Kunstgeschichte und Philosophie, bevor er sich 1920 am Bauhaus bewarb. Hier blieb er bis 1924 und setzte seinen künstlerischen Schwerpunkt auf die Bildhauerei. Die „Reflektorischen Farblichspiele“, die mit zwei Fotografien im Katalog zur großen Bauhaus-Ausstellung von 1923 dokumentiert sind, gehören dennoch zu seinen wichtigsten Arbeiten dieser Zeit.

 

Reflektorisches Lichtspiel, Autor: Kurt Schwerdtfeger / Foto: Fotoatelier Hüttich & Oemler, Weimar, 1922–1923. Bauhaus-Universität Weimar, Archiv der Moderne / © Kunstverein Hannover.
Reflektorisches Lichtspiel, Autor: Kurt Schwerdtfeger / Foto: Fotoatelier Hüttich & Oemler, Weimar, 1922–1923. Bauhaus-Universität Weimar, Archiv der Moderne / © Kunstverein Hannover.

Direkt nach der Ausbildung am Bauhaus erhielt Kurt Schwerdtfeger einen Lehrauftrag an der Werkschule für gestaltende Arbeit in Stettin, der 1927 in eine Professur für Bildhauerei umgewandelt wurde. Diese hatte er bis 1937 inne. Von 1924 bis 1933 nahm Schwerdtfeger an verschiedenen Ausstellungen im In- und Ausland teil, u.a. in der Berliner Sezession, der Novembergruppe – deren Mitglied er war – , dem Stettiner Landesmuseum, dem Metropolitan Museum of Art, New York und dem Pariser Centre Pompidou. Im Jahr seiner Entlassung aus dem Hochschuldienst wurden künstlerische Werke Schwerdtfegers als „entartet“ verfemt und aus Museen und öffentlichen Sammlungen entfernt. Die von ihm in Stettin eingelagerten Arbeiten wurden noch 1945 komplett zerstört.

Mit dem Kriegsende konnte sich Schwerdtfeger erneut der Kunst zuwenden. 1946 erhielt er die Professur für Kunstpädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Alfeld a. d. Leine (Universität Hildesheim), die er bis zu seinem Tod 1966 ausfüllte. Seine neu entstandenen Arbeiten wurden in nationalen und internationalen Ausstellungen sowie als Plastiken am Bau im öffentlichen Raum präsentiert. 1953 veröffentlichte Schwerdtfeger sein Buch „Bildende Kunst und Schule“ im Schroedel-Verlag. Von 1964 bis 1966 erarbeitete er gemeinsam mit seinen Alfelder Studenten eine Rekonstruktion der „Reflektorischen Farblichtspiele“. Kurt Schwerdtfeger war seit 1932 Mitglied des Deutschen Werkbundes und wurde 1955 in den Deutschen Künstlerbund aufgenommen.

Literatur:
Kunstverein Hannover (1959): Sigrid Kopfermann, Kurt Schwerdtfeger, Helmut Rogge, Hannover.