Lou Scheper entwickelte eine sehr individuelle künstlerische Formsprache und schuf ein enorm facettenreiches Werk. Die Künstlerin vertrat die Auffassung, dass nicht alle Gestaltung funktionell zu sein hat. Deswegen entsprechen ihre freien Arbeiten nicht unbedingt dem heutigen Stereotyp vom Bauhaus.

Portrait Lou Scheper-Berkenkamp, „27. juni 29“, (Detail aus einem Foto mit Gunta Stölzl), Foto: unbekannt, Dessau 1929. Bauhaus-Archiv Berlin.
Portrait Lou Scheper-Berkenkamp, „27. juni 29“, (Detail aus einem Foto mit Gunta Stölzl), Foto: unbekannt, Dessau 1929. Bauhaus-Archiv Berlin.

Hermine Luise Berkenkamp, kurz Lou, Berkenkamp wurde am 15. Mai 1901 in Wesel geboren. Nach ihrem Abitur 1920 immatrikulierte sie sich am Bauhaus in Weimar, nahm hier Unterricht bei Johannes Itten, Paul Klee und Georg Muche. Als der obligatorische Vorkurs bestanden war, wechselte die damals 20-Jährige in die Werkstatt für Wandmalerei. 1922 heiratete Berkenkamp ihren Bauhaus-Kommilitonen Hinnerk Scheper. Ab diesem Zeitpunkt gab sie ihre Studien am Bauhaus auf und widmete sich neben der freischaffenden Malerei auch der Arbeit ihres Mannes. Als Hinnerk Scheper 1925 als Meister der Wandmalerei ans Bauhaus in Dessau berufen wurde siedelten die Schepers mit um. Zwischen 1926 und 1928 – inzwischen waren die Kinder Jan (1923) und Britta (1926) geboren – wirkte Lou Scheper-Berkenkamp aktiv an der Arbeit der Bauhausbühne unter der Leitung von Oskar Schlemmer mit. 1927 bis 1929 nahm sie an den Gemeinschaftsausstellungen des Bauhauses teil.

Im Juli 1929 bekam Hinnerk Scheper das Angebot bis August 1930 (und im Anschluss daran von Juni bis September 1931) nach Moskau zu gehen und hier als Spezialist für Farbgestaltung eine „Beratungsstelle für Farbe in der Architektur und im Stadtbild“ einzurichten. Seine Frau begleitete ihn während dieser Auslandszeit, arbeitete gemeinsam mit ihm an Farbplänen und verfasste journalistische Beiträge in der deutschsprachigen Wochenzeitschrift „Moskauer Rundschau. 1931 kehrten die Schepers ans Bauhaus in Dessau zurück und siedelten ein Jahr darauf ein weiteres Mal mit der Schule und dem neuen Direktor Ludwig Mies van der Rohe nach Berlin um.

 

Seit der Schließung des Berliner Bauhauses 1933 arbeitete Lou Scheper-Berkenkamp als freie Malerin in Berlin, erfand Bildgeschichten und unterstützte auch weiterhin die freiberuflichen Arbeiten von Hinnerk Scheper. 1938 wurde der zweite Sohn Dirk geboren. 1948 wurden die ersten ihrer Kinderbücher publiziert – zwei davon erschienen kürzlich in einer Neuauflage im Bauhaus-Archiv Berlin. Drei Jahre später begründete die ehemalige Bauhäuslerin zusammen mit anderen Künstlern die Künstlervereinigung „Der Ring“ in Berlin. Neben zahlreichen Teilnahmen an Ausstellungen in der BRD und sporadisch auch im Ausland engagierte sich Lou Scheper-Berkenkamp noch bis 1970 aktiv im Berufsverband Bildender Künstler. Zwischen 1956 und 1969 war sie mitverantwortlich für die Gestaltung der alljährlichen Großen Berliner Kunstausstellung.

Nach dem frühen Tod von Hinnerk Scheper am 5. Februar 1957 übernahm die einstige Bauhäuslerin seine Aufgaben im Bereich Farbgestaltung in der Berliner Architekturlandschaft. Unter anderem übernahm sie die Farbgestaltung der Innenräume des letzten von Otto Bartning realisierten Projektes (einem Berliner Kinderheim), der Philharmonie von Hans Scharoun (Berlin), des Ägyptischen Museums (Berlin), diverser Bauten von Walter Gropius in Berlin Britz-Buckow-Rudow sowie des Flughafengebäudes Berlin Tegel. Bis zu ihrem Tode am 11. April 1976 arbeitete Lou Scheper-Berkenkamp noch an den Farbkonzepten für die Berliner Staatsbibliothek von Scharoun.

Literatur:
Bauhaus-Archiv Berlin / Museum für Gestaltung (2012): Phantastiken. Die Bauhäuslerin Lou Scheper-Berkenkamp, Berlin.
Murken, Barbara (2010): "Eigentlich sitze ich lieber auf Luftlinien als auf Sesseln ...". Die magische Bilderwelt der Bauhauskünstlerin Lou Scheper-Müller, Ulrike (Hg.): Bauhausfrauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design, München.
Berkenkamp", in: Das Bücherschloss. Mitteilungen aus der Internationalen Jugendbibliothek, München, S. 77–84.
Scheper, Dirk (1987): Biografische Angaben zum Leben von Lou Scheper-Berkenkamp, Berlin, Dokument im Bauhaus-Archiv Berlin.