Aus Schablonen geschnittene Kreise, Dreiecke und Quadrate bewegen sich im Takt der Musik und verschmelzen miteinander. Ludwig Hirschfeld-Mack entwickelte seine Reflektorischen Lichtspiele am Bauhaus in Weimar. Sie gehören zu den abstrakt modernen Experimenten des frühen Staatlichen Bauhauses.

Portrait Ludwig Hirschfeld-Mack (Detail aus einem Foto), Foto: Carl Schlemmer oder Sandor Bortnyik, 1923, Reproduktion. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.
Portrait Ludwig Hirschfeld-Mack (Detail aus einem Foto), Foto: Carl Schlemmer oder Sandor Bortnyik, 1923, Reproduktion. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.

Ludwig Hirschfeld-Mack absolvierte zunächst eine Handwerkslehre im väterlichen Lederwarenbetrieb, bevor er ab 1912 eine künstlerische Ausbildung an den Lehr- und Versuchsateliers für angewandte und freie Kunst bei Hermann Obrist und Wilhelm von Debschitz in München erhielt. An der Universität München folgte er Vorlesungen in Kunstgeschichte bei Heinrich Wölfflin und Fritz Burger, wechselte 1919 jedoch nach Stuttgart, wo er an der Kunstakademie bei Adolf Hölzel (Farbenlehre) und Ida Kerkovius zu studieren begann. Noch im selben Jahr begann Hirschfeld-Mack eine Lehre am Staatlichen Bauhaus in Weimar. Nach dem Besuch des Vorkurses bei Johannes Itten wurde er Lehrling für Kunstdruck in der Druckerei bei Lyonel Feininger. Bereits 1920 legte er vor der Handwerkskammer Weimar seine Gesellenprüfung ab. Außerhalb des offiziellen Bauhauslehrplanes organisierte er 1922–1923 ein Farbenseminar. Bedeutende Zeugnisse dieser Lehrtätigkeit sind der von ihm entwickelte Farbkreisel und die pädagogische Puppenstube. 1923 entwickelte er die Idee der Farbenlichtspiele. Hirschfeld-Mack blieb am Bauhaus bis zum Wintersemester 1924–1925. Voll ausgebildet kam ihm 1925 in der bezahlten Funktion als Etatgeselle die Aufgabe zu, in der Druckereieiwerkstatt zwischen Form- und Handwerksmeister zu vermitteln.

Nach der Schließung des Bauhauses in Weimar arbeitete er zunächst bis 1929 als Kunsterzieher an der Freien Schulgemeinde Wickersdorf. Ab 1928 unterrichtete er außerdem Farben- und Formenlehre an der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst in Weimar. Zwischen 1930 und 1935 nahm Hirschfeld-Mack verschiedene Lehraufträge an, er unterrichtete unter anderem an der Pädagogischen Akademie in Frankfurt/Oder, an der Pädagogischen Hochschule in Kiel sowie an der Jöde-Schule und der Güntherschule in Berlin. Um die Möglichkeiten einer Emigration nach England zu prüfen verließ Hirschfeld-Mack 1936 vorläufig Berlin. Bis 1940 konnte er an unterschiedlichen Schulen in England als Kunsterzieher unterrichten. Im gleichen Jahr wurde er als „enemy alien“ von den Engländern nach Australien deportiert. 1942 erwarb er die australische Staatsbürgerschaft und wirkte bis zu seiner Emeritierung an der Geelong Church of England Grammar School.

Literatur:
Bauhaus-Archiv Berlin (1987): Bauhaus, Sammlungskatalog, 3. Aufl., Berlin, S. 26.
Hapkemeyer, Andreas & Peter Stasny (2000): Ludwig Hirschfeld-Mack. Bauhäusler und Visionär, Ostfildern-Ruit.