Aus ihren Initialen entstand der Name für Margarete Heymann-Loebensteins keramische „Haël-Werkstätten“. Am Bauhaus hatte man sie zwar für begabt, aber für die Keramikwerkstatt ungeeignet gehalten. Unter ihrer künstlerischen Leitung wurde der eigene Keramikbetrieb ein gefragtes modernes Unternehmen.

Portrait Margarete Heymann-Loebenstein (später Heymann-Marks), Foto: unbekannt, um 1925. Bauhaus-Archiv Berlin.
Portrait Margarete Heymann-Loebenstein (später Heymann-Marks), Foto: unbekannt, um 1925. Bauhaus-Archiv Berlin.

Die im August 1899 in Köln geborene Margarete Heymann studierte zunächst an der Kunstgewerbeschule in Köln und danach an der Düsseldorfer Akademie für Bildende Kunst Malerei. 1920 wurde die gerade 21-Jährige am Staatlichen Bauhaus in Weimar aufgenommen, wo sie erst den obligatorischen Vorkurs von Johannes Itten besuchte und anschließend für ein Probesemester in der keramischen Werkstatt unter der Leitung von Gerhard Marcks zugelassen wurde. Heymann besuchte außerdem Kurse bei Paul Klee, Georg Muche und Gertrud Grunow. Knapp ein Jahr nach Studienbeginn brach sie das Studium am Bauhaus aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen abrupt ab. Vermutlich hatte ihr Entschluss mit verschiedenen Beschlüssen des Meisterrates zu tun, der Heymann wieder und wieder nur probeweise für die Keramikwerkstatt zuließ. So heißt es am 24. Juni 1921: Frl. Heymann erhält erst Ende des Semesters endgültige Mitteilung, da sich jetzt über ihre Eignung zum Handwerk (Töpferei) noch nichts grundsätzlich sagen lässt.“ Und schließlich, am 12. Oktober 1921: „Aufnahme Grete Heymann. Marcks erklärt, dass er sowohl wie Krehan sie wohl als begabt, aber nicht für die Werkstatt geeignet halten. Entscheidung bis zur nächsten Sitzung vertagt.“ Aus ihrer Zeit am Bauhaus sind bisher keine Werke der Keramikerin bekannt.

Nach ihrem Bruch mit dem Bauhaus leitete Grete Heymann einen Keramikkurs für Kinder an der Kölner Kunstgewerbeschule und arbeitete nebenher in einer keramischen Werkstatt in Frechen. 1922 nahm Margarete Heymann eine Stelle als künstlerische Mitarbeiterin im Veltener Werk der Steingutfabriken Velten-Vordamm (bei Berlin) an. Ein Jahr darauf heiratete sie den Ökonomen Gustav Loebenstein. Zusammen mit dessen Bruder mietete das Ehepaar einen stillgelegten Ofenbetrieb im benachbarten Marwitz. Aus den Anfangsbuchstaben ihres Doppelnamens Heymann-Loebenstein (Ha – ël) entstand der Name der „Haël-Werkstätten“; 1926 kauften sie den Betrieb. Die keramischen Werkstätten expandierten schnell und wurden unter der künstlerischen Leitung von Margarete Heymann-Loebenstein zu einem modernen Unternehmen.

Als 1928 Mann und Schwager auf dem Weg zur Leipziger Messe mit dem Auto tödlich verunglückten, stand Heymann-Loebenstein mit einem Betrieb und zwei kleinen Kindern allein da. Trotzdessen führte sie die Werkstätten erfolgreich weiter. Doch 1933 verunglückte ihr fünfjähriger Sohn tödlich. Auf wirtschaftlichen und politischen Druck (Heymann war jüdischer Abstammung) hin schloss Heymann-Loebenstein ihre Werkstätten für Künstlerische Keramik zum 1. Juli 1933. Im darauffolgenden Jahr verkaufte sie den Betrieb an Heinrich Schild. Er führte ihn gemeinsam mit Hedwig Bollhagen weiter, die ihn schließlich allein erfolgreich als „HB-Werkstätten für Keramik“ bis zu ihrem Tode leitete. Im Dezember 1936 emigrierte Heymann-Loebenstein nach Großbritannien und unterrichtete an der Burslem School of At in Stoke-on-Trent. Nach ihrer Heirat mit Harold Marks gründete sie eine kleine Töpferei, die „Greta Pottery“, die sie währen des Krieges schließen musste. Als der Krieg vorüber war nahm die Künstlerin ihre Keramik-Produktion in eigenem Atelier wieder auf und leitete parallel dazu eine Malklasse an der Camberwell School of Arts & Crafts. 1990 starb Margarete Heymann-Loebenstein in London.

Literatur:
Müller, Ulrike (2009): Margarete Heymann-Loebenstein-Marks, in:Müller, Ulrike (Hg.): Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design, München, S. 7075.
Hudson-Wiedenmann, Ursula (2002): Von den Haël-Werkstätten zur Greta Pottery. Grete Heymann-Marks, in: Jürgs, Britta (Hg.): Designerinnen. Vom Salzstreuer bis zum Automobil, Berlin, S. 72–86.
Markanto (2014): Bauhaus aus Köln: Das Werk von Margarete Heymann-Loebenstein, http://www.markanto.de/blog/2014/bauhaus-aus-koeln-das-werk-von-margarete-heymann-loebenstein.htm, 10.6.2016.
Theis, Heinz-J. (2012): Margarete Heymann-Loebenstein (1899–1990) und ihre HAЁL-Werkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz, http://design20.eu/design20-blog/2012/06/hael-keramik-1923-1933/, 10.06.2016.