Mit der Gründung der HfG Ulm trug Max Bill wie kaum ein Anderer dazu bei, den Bauhaus-Gedanken fortleben zu lassen. Den Begriff „Design“ füllte er mit Leben. Vom Ulmer Hocker bis zur Junghans-Uhr, Bills Designs gelten bis heute als innovativ und zeitlos schön.

Portrait Max Bill, Foto: Willy Maywald, 1969. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.
Portrait Max Bill, Foto: Willy Maywald, 1969. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.

Max Bill wurde am 22. Dezember 1908 in Winterthur (Schweiz) geboren. Von 1924 bis 1927 ging er an der Kunstgewerbeschule Zürich als Silberschmied in die Lehre. Als er gerade 17 Jahre alt war, stellte Sophie Taeuber-Arp zwei seiner Schülerarbeiten in der legendären „Exposition internationale des arts décoratifs“ in Paris aus. Bill wurde 1927 wegen einer Banalität ohne Abschluss von der Kunstgewerbeschule verwiesen (er war nach der Fastnacht unabgeschminkt zum Unterricht erschienen). Mit dem Preisgeld, das er kurz zuvor für einen Plakatentwurf für den Schokoladenfabrikanten Suchard gewonnen hatte, machte er sich auf zum Bauhaus nach Dessau. Hier studierte er zwei Jahre lang bei Albers, Kandinsky, Klee, Moholy-Nagy und Schlemmer – eine prägende und richtungsweisende Zeit für den jungen Bill.

„Ich“, Autor: Max Bill, 1927. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
„Ich“, Autor: Max Bill, 1927. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

1929 kehrte Bill in die Schweiz zurück und ließ sich in Zürich nieder. Hier arbeitete der vielseitige Künstler als Architekt, Maler, Plastiker, Publizist und Produktgestalter. Auf allen Gebieten hinterließ Bill theoretische Abhandlungen und vermittelte seine Lehre in Vorträgen im In- und Ausland. 1930 trat er dem Schweizerischen Werkbund (SWB) bei. Ab 1933 fertigte der ehemalige Bauhäusler erste Plastiken und wurde in die Pariser Künstlergruppe „abstraction création“ aufgenommen. Bill war gerade erst 25 Jahre alt. Seine Mitgliedschaft ermöglichte ihm Ausstellungen Seite an Seite mit Kunstgrößen wie Piet Mondrian, Jean Arp, Sophie Taeuber-Arp und Georges Vantongerloo. 1938 trat Bill dem CIAM (Congrès International d'Architecture Moderne) bei, dem als Mitglieder u.a. auch andere bekannte Architekten wie Walter Gropius, Alvar Aalto und Le Corbusierangehörten.1941 gründete Bill den Allianz-Verlag. 1944–1945 wurde Bill mit dem Unterricht der Formlehre an der Kunstgewerbeschule Zürich betraut. 1947 gründete er das Institut für Progressive Cultur (IPC).

 

Ulmer Hocker, Design: Max Bill (entworfen und ausgeführt für die Hochschule für Gestaltung Ulm), Entwurf 1954, Neuproduktion 1990er-Jahre. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Ulmer Hocker, Design: Max Bill (entworfen und ausgeführt für die Hochschule für Gestaltung Ulm), Entwurf 1954, Neuproduktion 1990er-Jahre. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Am bekanntesten wurde Max Bill aber als treibende Kraft in der Gründung und Planung der HfG Ulm (Hochschule für Gestaltung) sowie als Architekt und erster Rektor der Schule (1950–1956). Ab 1952 leitete Bill zusätzlich die Abteilung für Architektur und Produktform. Für den ersten Unterricht hatte Bill Bekannte aus seiner Zeit am Bauhaus an die Schule geholt: Josef Albers, Walter Peterhans, Johannes Itten und Helene Nonné-Schmidt unterrichteten die ersten 21 Studenten in provisorischen Räumlichkeiten. Gleichzeitig war Baubeginn des Hochschulcampus nach den Plänen von Max Bill. Hier sollten Studierende und Dozenten zusammen leben und arbeiten – ein Konzept, das Gropius schon für das Bauhaus realisiert hatte und dass zum Beispiel auch am Black Mountain College gelebt wurde. 1955 wurde die Anlage offiziell eröffnet. Der Berufsstand des Designers, wie wir ihn heute kennen, wurde maßgeblich geprägt von der Lehre an der HfG Ulm und von Publikationen und Vorträgen Max Bills über Design. Zu Max Bills berühmtesten Designstücken gehören der Ulmer Hocker, den Bill in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Architekten und Formgestalter Hans Gugelot an der HfG Ulm entwarf, und die formal schlicht gehaltenen Zifferblätter von Junghans Armband-, Wand- und Küchenuhren – beide werden noch heute in Re Editionen hergestellt. Die Strahlkraft der Hochschule reichte bis ins Ausland. 1956 trat Bill als Rektor der HfG Ulm zurück, lehrte aber noch ein weiteres Jahr bis er sein Zürcher Atelier wiedereröffnete.

1967 wurde Bill für eine Professur an die Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (HFBK) berufen, wo er den Lehrstuhl für Umweltgestaltung inne hatte (1967–1974). 1985 wurde der ehemalige Bauhäusler Vorsitzender des Bauhaus-Archiv e.V. in Berlin. Während seiner gestalterischen Laufbahn als Architekt, Bildhauer, Maler und Publizist erhielt Bill zahlreiche Preise für seine Werke und wurde Mitglied in mehreren künstlerischen Vereinigungen und Jurys. Max Bill war ein rastloser, kreativer Kopf, der seine Ideen in internationalen Projekten umzusetzen suchte. Er trug seine Vorstellung von modernem Design, das grundlegend von seinem Studium am Bauhaus beeinflusst worden war, in die Welt. Noch ein Jahr vor seinem Tod wurde Max Bill für seine unermüdliche Arbeit und sein weit verzweigtes Wirken mit dem sogenannten Kunst-Nobelpreis, dem „praemium imperiale“, in Tokyo geehrt.

Küchenwanduhr mit Kurzzeitwecker, Entwurf: Max Bill, Herstellung: Junghans Uhren GmbH, Schramberg, 1956–1957. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Küchenwanduhr mit Kurzzeitwecker, Entwurf: Max Bill, Herstellung: Junghans Uhren GmbH, Schramberg, 1956–1957. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Am 9. Dezember 1994 starb Max Bill am Flughafen Berlin Tegel. Er war auf dem Rückweg von einer Präsentation seines Erweiterungsbauentwurfs für das Bauhaus-Archiv Berlin.

Literatur:
Bill, Jakob (2008): max bill am bauhaus, Bern.
Bill, Jakob (2008): Max Bill: Funktion und Funktionalismus. Schriften 1945–1988, Bern.
Bucher, Annemarie: Max Bill, Historisches Lexikon der Schweiz, http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D6183.php, 8.4.2016.
Buchsteiner, Thomas & Otto Lotze (2005): max bill, maler, bildhauer, architekt, designer. Ostfildern-Ruit.
HfG-Archiv Ulm, Die HfG Ulm, http://www.hfg-archiv.ulm.de/die_hfg_ulm/geschichte_3.html, 8.4.2016.
Max Bill und Georges Vantongerloo Stiftung, http://www.maxbill.ch, 8.4.2016.
Max Binia Jakob Bill Stiftung, http://www.bill-stiftung.ch/index.htm, 8.4.2016.
Schirn Kunsthalle (1987): Max Bill, Retrospektive. Skulpturen Gemälde Graphik 1928–1987, Frankfurt/Zürich/Stuttgart.
Schmid, Erich (2008): bill – das absolute augenmass (Film), Presseheft, Schweiz.
Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft: Max Bill, http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4000286, 8.4.2016.
Thomas, Angela (2008, 2012): Max Bill und seine Zeit, 2 Bände, Zürich (Band 1: Mit subversivem Glanz (1908–1939), 2008, Band 2: Nur kleine Geister halten Ordnung (1939–1994), 2012).
Thomas, Angela (1993): Max Bill: The Early Years. An Interview. Translated by Susan Ernst-Peters. In: The Journal of Decorative and Propaganda Arts (Nr. 19, 1993, Swiss Theme Issue), S. 98-119.