Rasender Reporter, Flaneur der Großstadt, Avantgardist der Porträtfotografie: Otto Maximilian Umbehr, genannt Umbo, wird zu den bedeutendsten Fotografen des Bauhauses und der Moderne gerechnet. Sein künstlerisches Medium fand er aber erst nach seiner Studienzeit am Bauhaus.

„Selbst“, Foto: Umbo (Otto Umbehr), Dezember 1926. Bauhaus-Archiv Berlin / © Phyllis Umbehr / Galerie Kicken / VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
„Selbst“, Foto: Umbo (Otto Umbehr), Dezember 1926. Bauhaus-Archiv Berlin / © Phyllis Umbehr / Galerie Kicken / VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Er wird zu den bedeutendsten Fotografen des Bauhauses und der Moderne gerechnet, fand sein künstlerisches Medium aber erst nach seiner Studienzeit an der Hochschule: Otto Maximilian Umbehr, genannt Umbo. Am 18. Januar 1902 in Düsseldorf geboren, kam Umbo im Herbst 1921 ans Weimarer Bauhaus, um Künstler zu werden. Hier besuchte er den Vorkurs von Johannes Itten. Der Bauhausmeister beinflusste Umbo nicht nur ästhetisch mit seiner Grundlehre, sondern brachte ihn auch in Kontakt mit dem Mazdaznan-Kult, einer religiös-weltanschaulichen Körpererziehungslehre, die u.a. spirituelle Erlösung versprach. Wie sein spiritueller Lehrer überwarf sich auch Umbo 1923 mit Bauhausdirektor Gropius, der ihn nicht von der Metallwerkstatt in die Goldschmiede wechseln ließ, und wurde schließlich aufgrund von Unangepasstheiten der Schule verwiesen. Umbo ging mit den Itten-Schülern Friedl Dicker, Franz Singer und Anni Wottitz nach Berlin, um dort einen kunstgewerblichen Betrieb, die „Werkstätten bildender Kunst GmbH“ zu gründen, die er Ende 1924 wieder verließ. Es folgten zwei Jahre am Rande und unterhalb des Existenzminimums in der Berliner Künstler-Bohème, die 1926 in einem Zusammenbruch im Romanischen Café ihren Tief- und Wendepunkt fanden. Paul Citroen, ein Freund aus Bauhaustagen, nahm sich Umbo an und schenkte ihm seine erste Kamera.

Gemeinsam experimentierten die beiden mit der Porträtfotografie und Umbo fand in der Fotografie sein künstlerisches Medium.  Er begann, seine eigene fotografische Ästhetik zu entwickeln. Umbos neuartige Aufnahmen von Gesichtern der Berliner Bohème oder von Großstadtszenen machten ihn bald als Avantgardist der Fotografie bekannt. 1928 wurde Otto Umbehr zu einem der wichtigsten Fotografen der Dephot (Deutscher Photodienst) der bedeutendsten Fotoagentur der Weimarer Zeit. Hier machte er sich auch einen Namen als „Pionier des modernen Bildberichts“ (Molderings, 1996, S. 132). Als Gropius 1928 das Bauhaus verliess, wurde Umbo kurz als Lehrer der neuen Fotoklasse gehandelt – den Job erhielt dann Walter Peterhans und Umbehr wurde stattdessen bis 1930 Fachlehrer für Fotografie an Johannes Ittens "Moderner Kunstschule" in Berlin. Außerdem war er zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seines Ruhms.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten blieb Umbo als Fotojournalist in Deutschland, machte aber künstlerisch – und politisch – eher unbedeutende Aufnahmen. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Kriegsreporter für die Auslandsillustrierte „Signal“ der Abteilung Propaganda des Oberkommandos der Wehrmacht, später wurde er als Kraftfahrer eingesetzt. 1943 wurde Umbos gesamtes Archiv von 50.000 – 60.000 Negativen und Fotografien bei einem Luftangriff auf Berlin vollständig vernichtet – damit war sein Lebenswerk zu einem Großteil unwiederbringlich zerstört.

In den ersten Jahren der Nachkriegszeit versuchte Umbo, in Hannover an seine Arbeit anzuknüpfen und fotografierte u.a. für den „Spiegel“ Kriegsheimkehrer und den Alltag in Nachkriegsdeutschland. Seine Bemühungen blieben erfolglos und Mitte der Fünfzigerjahre gab er seine fotografischen Versuche auf. Seinen Lebensunterhalt verdiente er mehr schlecht als recht als Reprofotograf und Kohlenträger, später als nebenamtlicher Fachlehrer für Fotografie an der Werkkunstschule Hannover und als Bürobote, Lagergehilfe, Packer und Kassenwart bei der Hannoveraner Kestnergesellschaft. Im Zuge der veränderten Bewertung von Fotografie als ästhetisch eigenwerte Kunst geriet auch Umbos Werk 1975 in den Fokus des Interesses von Galerien, Kunsthistorikern und Sammlern. Der späte Ruhm dieser Wiederentdeckung bescherte Umbo Ausstellungen und Ankäufe und somit noch ein paar finanziell abgesicherte Jahre. Am 13. Mai 1980 starb Otto Umbehr in Hannover. 

Literatur:
Riechelmann, Cord (2012): Vom Bauhaus nach Hannover, in: bauhaus 4. Foto, Dessau, S. 63–72.
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen (1995): Vom Bauhaus zum Bildjournalismus. Umbo, Düsseldorf.
Molderings, Herbert (1996): Umbo. Otto Umbehr 1902–1980, Düsseldorf.