Als einen der ersten Meister hatte Walter Gropius den Schweizer Maler und Kunstpädagogen Johannes Itten an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Von 1919 bis 1923 prägte Itten mit dem von ihm entwickelten Vorkurs die gestalterische Grundlagenausbildung am Bauhaus.

Portrait Johannes Itten im Malkittel mit Goldenem-Schnitt-Zirkel und Farbstern, Foto: Paul Stockmar. Kunstmuseum Bern, Itten-Stiftung / © Itten-Stiftung, Kunstmuseum Bern.
Portrait Johannes Itten im Malkittel mit Goldenem-Schnitt-Zirkel und Farbstern, Foto: Paul Stockmar. Kunstmuseum Bern, Itten-Stiftung / © Itten-Stiftung, Kunstmuseum Bern.

Aufbauend auf seinen Studien bei Adolf Hölzel an der Kunstakademie in Stuttgart leitete Johannes Itten in Wien 1918 seine private Kunstschule und konzipierte am Staatlichen Bauhaus Weimar einen zeitgemäßen Unterricht aus den Erkenntnissen der Reformpädagogik und der künstlerischen Avantgarde. Statt wie an traditionellen Kunstakademien die Schüler zunächst zum Kopieren von Vorlagen anzuhalten, ermunterte Itten seine Schüler zu eigenem subjektiven Empfinden und kreativem Gestalten. Sein Unterricht gliederte sich in drei Teile: Natur- und Materialstudien, wozu auch Farb- und Formenlehre zählten, Analysen alter Meister sowie das Aktzeichnen.

Kontraststudie mit verschiedenen Materialien aus dem Vorkurs von Johannes Itten, Entwurf: Moses Mirkin / Rekonstruktion: Alfred Arndt (1967), um 1922. Bauhaus-Archiv Berlin  / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Kontraststudie mit verschiedenen Materialien aus dem Vorkurs von Johannes Itten, Entwurf: Moses Mirkin / Rekonstruktion: Alfred Arndt (1967), um 1922. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Zu Beginn des Unterrichts ließ Itten seine Schüler Konzentrations-, Atem- und Rhythmusübungen ausführen, deren Schwung in das gestalterische Arbeiten einfließen sollte. Er ließ sie Materialstudien und Kontrastübungen anfertigen, die die Schüler selbst bewerten mussten. Dabei legte er Wert auf subjektives Erkennen und objektives Erfassen. Erst nach Bestehen des Vorkurses durften die Schüler eine Werkstatt für ihr Studium auswählen.

Kompositionsstudie Silberdistel aus dem Vorkurs von Johannes Itten, Autor: Margit Téry-Adler, um 1920. Klassik Stiftung Weimar / © Judith Adler-Moller, Wesen (Schweiz).
Kompositionsstudie Silberdistel aus dem Vorkurs von Johannes Itten, Autor: Margit Téry-Adler, um 1920. Klassik Stiftung Weimar / © Judith Adler-Moller, Wesen (Schweiz).

Itten, der von manchen Studenten und Kollegen am Bauhaus aufgrund seiner exzentrischen Kleidung und seiner Befolgung des Mazdaznan-Kultes belächelt wurde, einer auch in Europa agierenden amerikanischen Sekte mit christlichen, zarathustrischen und hinduistischen Elementen, hat dennoch die pädagogische Vermittlung gestalterischer Grundlagen bis heute geprägt.